Final Retry

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 The Legend of Zelda: Lost Stories

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Rosalina
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BeitragThema: The Legend of Zelda: Lost Stories   Sa Mai 10 2014, 11:03

Sö, da das andere Forum ja jetzt mehr oder weniger inaktiv ist werde ich die Geschichte mal eben hier posten ^^ Also viel Spaß beim lesen ^^'

Mein Leben ist ziemlich normal, keine besonderen Ereignisse, nichts weltbewegendes. Ich gehe wie jeder Teenager auch zur Schule, mit meinen 15 Jahren bin ich bereits am Ende der neunten Klasse angelangt und die Oberstufe steht mir kurz bevor. Ich bin also nichts Besonderes. Dachte ich jedenfalls immer. Es gibt jedoch eine Sache, die mich von anderen Menschen unterscheidet. Na ja, zwei Sachen. Punkt Nummer 1: Aus welchem Grund auch immer habe ich spitze Ohren, wie eine Elfe aus dem Märchen. Für meine Familie war dieses Merkmal völlig normal, aber andere Menschen haben nun mal andere Ohren. Es gab eine Zeit in der ich deswegen gehänselt wurde, aber das ist vorbei. Mittlerweile bin ich recht beliebt und die anderen Ohren sind zu meinem Markenzeichen geworden. Ich bin stolz auf sie. Punkt Nummer 2: Auf meiner linken Handoberfläche trage ich eine Art Zeichen. Ein goldenes Dreieck, welches selbst aus drei kleineren Dreiecken besteht. Was das genau zu bedeuten hat konnte mir nie irgendjemand sagen. Aber es machte mich zu etwas besonderem. Manche bezeichnen es als angeborenes Tattoo und finden die Vorstellung ziemlich cool. Für mich jedoch ist dieses Zeichen nie etwas Besonderes gewesen, ich war dieses Ding ja gewohnt. Manche bezeichnen mich als mutig. Vermutlich weil ich immer überall ohne Hemmungen dabei bin, egal wie absurd die Sache ist. Aber eigentlich stehe ich nicht gerne im Mittelpunkt, es ist nicht so mein Ding das Gesprächsthema des Tages zu sein. Ach ja, mein Name ist übrigens Link.

Es war ein Tag wie jeder andere. Das grausame Piepen des Weckers hatte mich aus dem Schlaf gerissen. Ich tat mich immer sehr schwer damit aus dem Bett zu kommen und die Tatsache, dass ich fast jeden Tag um halb sechs aufstehen musste raubte mir den letzten Nerv. Angenervt schlug ich meinen Wecker um ihn auszuschalten und vergrub stöhnend mein Gesicht im Kissen. Ich hätte augenblicklich wieder einschlafen können. Diesen Moment habe ich jeden Morgen gehasst. Man fühlt sich schwer und kann sich nicht rühren, es ist als ob du an deinem Bett festkleben würdest oder schlimmer… eine magische Anziehungskraft fesselt dich an das Bett. Deine Augen wollen nicht aufgehen und wenn sie es doch tun fallen sie sofort wieder zu. Ich blieb noch eine Weile liegen und kämpfte mit mir selbst. Ich durfte auf keinen Fall wieder einschlafen. „Link, steh auf du Schlafmütze! Oder willst du schon wieder verschlafen?!“ Die Stimme meines Onkels war die Rettung. Ich stieg vorsichtig aus dem Bett, rieb mir über die Augen und gähnte einmal. Um etwas wacher zu werden streckte ich mich ein wenig. Dann erhob ich mich langsam und begab mich zu der Kommode, auf der ich stets meine Sachen zum Anziehen am Vortag bereitlegte um deshalb nicht unnötig in Stress zu geraten. Eine Jeans mit braunem Gürtel und ein schwarzes T-Shirt. Nichts großartiges, aber dieses schlichte war nun mal mein Stil. Ich schleppte mich ins Bad und spritzte mir etwas kaltes Wasser ins Gesicht, was mir immer sofort halb um wacher zu werden. Meinen blauen Augen wirkten nicht mehr ganz so trüb und verschlafen. Schnell fuhr ich mir noch durch meine dunkelblonden Haare ehe ich mir meinen Rucksack schnappte und die Treppe zu meinem Onkel runter stieg. Er grinste mich an und hielt mir eine Frühstückstüte vor mein Gesicht. „Hast du mal auf die Uhr gesehen? Du musst jetzt los, es ist schon spät!“ „Oh, verdammt! Danke für das Essen. Tschüss.“ „Bis dann, Großer. Und schlaf mir ja nicht im Unterricht ein.“ Ich zwinkerte ihm zu und stürmte aus dem Haus, zuvor war ich noch in meine Sneakers geschlüpft und hatte mir ein graues Jackett übergeworfen.

Ihr fragt euch jetzt sicher, warum ich bei meinem Onkel wohne. Es ist nicht so, dass ich meine Eltern hasse, oder dass sie total verantwortungslos sind und ihnen deshalb das Sorgerecht vom Jugendamt entzogen wurde. Oder gar schlimmeres. Nein, ich habe sie bloß nie kennen gelernt. Mein Vater ist bereits vor meiner Geburt gestorben und meine Mutter kurz nach meiner Geburt. So wurde es mir jedenfalls erzählt. Mein Onkel hatte mich nachdem adoptiert und bei sich aufgenommen und er sorgte gut für mich. Er war wie ein Vater für mich nur noch besser. Eben ein Onkel bei dem man wohnt. Und er behandelte mich nicht wie seinen Sohn, sondern wie seinen Neffen. Das war mir auch lieber.

Draußen warteten bereits zwei Kumpel von mir – Jan und Luke. „Was dauert denn so lange, Elfenkopf?“, fragte Jan mich mit einem Grinsen und starrte mich mit seinen braunen Augen an. Ich gab keinen Kommentar ab und nahm mein Handy aus der Hosentasche. Ich steckte mir Kopfhörer in die Ohren um etwas Musik zu hören und die Beiden nicht ertragen zu müssen. Versteht mich bitte nicht falsch, ich mag die Zwei, aber früh morgens wollte ich meine Ruhe haben. Sie verdrehten belustigt die Augen und unterhielten sich.
„Alter, heute kommt dieses Mädchen in unsere Klasse“, meinte Jan. „Boah, stimmt ja. Hoffentlich ist sie wenigstens hübsch.“ Ich wurde hellhörig. Davon wusste ich noch nichts. Ich steckte einen Stöpsel aus meinem linken Ohr um sie besser hören zu können. „Welches Mädchen?“, fragte ich sie verwirrt. Luke schlug sich mit der Hand auf die Stirn und versuchte nicht zu lachen. Scheinbar fand er meine Bemerkung höchst belustigend. „Junge, du bekommst aber auch gar nichts mit. Darüber reden wir doch schon die ganze Zeit!“ „Ja, nur weiß niemand wie sie heißt oder wie sie aussieht“, erwähnte Jan noch grinsend. „Stimmt, da war was…“, sagte ich nachdenklich und ging weiter ohne etwas zu sagen.

Mein Platz in der Klasse war ganz weit hinten. Es heißt, nur die Coolen sitzen in der letzten Reihe. Ehrlich gesagt fühlte ich mich auch so. Wenn man ein wenig Unsinn machte wurde der Lehrer nicht so schnell auf einen aufmerksam. Das erleichterte einem die qualvollen Unterrichtsstunden erheblich. Ich ließ mich auf meinen Stuhl fallen und warf meinen Rucksack achtlos auf den Boden. Die Klasse war ein einziges Chaos, die Tafel war beschmiert, auf dem Boden lagen Papierschnipsel und Stühle standen sinnlos in der Gegend herum. Darüber brauchte man sich aber nicht zu wundern, dieser Zustand war absolut normal für unsere Klasse – insbesondere wenn Ingo und Ben Ordnungsdienst hatten. Und da kam Ben auch schon hereingestürmt. Seltsamerweise sieht er mir unheimlich ähnlich, wenn man von den normalen Ohren absieht. Nur sein Grinsen ließ jedem einen Schauer über den Rücken laufen. Es war wie ein Stich in die Seele. Komplett wahnsinnig. Ich hasste es, wenn er mich so ansah. Und natürlich musste es heute auch so sein. Schnell starrte ich mein Handy an um ihm nicht ins Gesicht sehen zu müssen, doch trotz dessen fühlte ich mich beobachtet. Er ging an mir vorbei und setzte sich auf seinen Platz. „Das macht der doch mit Absicht“, murmelte ich so leise, dass es niemand sonst hören konnte. Ich hatte keinen Sitznachbar. Wir waren 29, also musste einer übrig bleiben. Ich hatte mich freiwillig gemeldet und es war toll. Ich hatte viel Platz, wurde nicht gestört und bei Partnerarbeiten musste ich immer zu dritt arbeiten, was wesentlich mehr Spaß machte als bloß zu zweit. In der ersten Stunde hatten wir Englisch. Ich war nicht sonderlich gut darin, aber es gab definitiv schlimmeres. Unsere Englischlehrerin – Mrs Clarence, welche auch zugleich unsere Klassenlehrerin war – kam herein und stellte sich hin. Sie setzte ihr freundliches Lächeln auf, ihre blonden Haare hatte sie wie üblich hochgesteckt. Ihr Look war absolut typisch für einen Lehrer – weite Jeans mit schwarzem Gürtel, eine weiße Bluse, die sie in die Hose gesteckt hatte, und schwarze Schuhe. Sie hatte eisblaue Augen, welche alles zu sehen schienen. Und mit alles meine ich wirklich alles. Egal wie raffiniert und schnell du bist, Mrs Clarence ist schneller. Du solltest also gar nicht erst versuchen bei einer Arbeit zu schummeln. Wir stellten uns hin und warteten auf die Begrüßung. „Good morning, classe.“ „Good morning Mrs Clarence“, erwiderten wir wie üblich im Chor. “Sit down, please.” Wir setzten uns hin und starrten gelangweilt in der Gegend herum während Mrs Clarence, was ziemlich ungewöhnlich war, auf Deutsch mit uns redete. „Wie die meisten von euch sicher bereits mitbekommen haben, bekommen wir heute eine neue Mitschülerin. Würdest du bitte hereinkommen?“ Erst jetzt fiel mir auf, dass die Tür noch immer offen stand. Wir sahen gebannt zur offenen Tür und warteten darauf, dass das Mädchen in die Klasse kam. Doch mit so jemandem hatte ich nicht gerechnet. Mir blieb der Mund offen stehen, ihre Schönheit hatte mich beinahe umgehauen, und den anderen schien es nicht anders zu gehen. Sie trug eine schwarze Mütze, auf der mit weißen Buchstaben die Worte „Bad Hairday“ eingestickt waren. Sie trug schwarze Chucks, eine hellblaue und wirklich sehr enge Jeans, welche bestimmte Stellen unterhalb ganz besonders betonte, ein ärmelloses blass rosafarbenes Top und eine beigefarbene Handtasche von „Longchamp“. Ihr glattes goldblondes Haar reichte ihr bis knapp über den Po und war nach vorne gestülpt. Sie hatte verführerische große blaue Augen und zarte rosa Lippen. Ihre Augen waren dezent geschminkt und strahlten Selbstsicherheit, aber auch etwas Verlegenheit aus. Ich stieß ein leises „wow“ aus als sie sich aufrecht vor uns aufstellte. Es konnte sein, dass ich gestarrt hatte, aber das war mir in dem Moment egal, ich war einfach nur hin und weg. „Nun“, warf Mrs Clarence ein, „Magst du dich nicht vorstellen?“ Ich war mir nicht sicher, aber ich glaubte zu sehen, dass sie errötete und es sah einfach nur süß aus. Sie öffnete ihren Mund und sprach mit der Stimme eines Engels: „Ich heiße Zelda, bin 15 Jahre alt und bin vor kurzem hierher gezogen und weil meine alte Schule etwas weiter weg liegt musste ich hierher wechseln.“ Nachdem sie das ausgesprochen hatte wendete sie sich wieder an Mrs Clarence und wartete auf eine Reaktion von ihr. Die Lehrerin räusperte sich und sprach mit ihrer freundlichen Stimme zu Zelda: „Gut, Zelda. Dann setzt dich doch mal neben Link dort hinten, der Platz neben ihm ist noch frei.“ Als Mrs Clarence das sagte spürte ich wie ich rot wurde und senkte meinen Blick, damit es nicht sofort auffiel. Zelda nickte und ging auf mich zu. Die Jungs gafften ihr hinterher und ein paar Mädchen warfen ihr neidische Blicke zu. Sie setzte sich auf den Platz neben mir und flüsterte mir ein „Hallo“ zu. Ich versuchte lässig zu wirken und lehnte mich an die Stuhllehne. Doch es sah bloß absolut steif und unnatürlich aus. Mit leiser und schon fast quietschender brachte ich nur ein „Hallo“ heraus. Zelda musste leise lachen und ich wäre am liebsten im Erdboden versunken. Die ganze Stunde lang konnte ich mich absolut nicht konzentrieren, meine Gedanken waren nur bei ihr. „Was ist los mit mir?“, dachte ich mir die ganze Zeit über. Immer wieder schaute ich unauffällig auf die Uhr und hoffte, dass der Unterricht endlich zu Ende war, doch es kam mir vor eine Ewigkeit. Mit jeder Minute wurde ich immer angespannter, ich konnte nur hoffen, dass ich nicht rot wurde. Der erlösende Gong. Mrs Clarence verabschiedete sich von uns und verließ das Klassenzimmer. Ich atmete erleichtert aus und sah zu Zelda herüber. Sie hatte ihre Sachen bereits in ihre Handtasche gepackt und lächelte mich an, ihre Hände hatte sie in den Schoss gelegt. Jetzt fiel mir auf, dass sie auf ihrer linken Handoberfläche ein großes Pflaster hatte. „Was hast du da gemacht?“, fragte ich sie und hätte mich dafür umbringen können. „Oh, das hier meinst du?“ Sie zeigte mit einem Finger auf die Wunde. „Ach, nichts besonderes. Ich habe mich hier vor ein paar Tagen ziemlich tief geschnitten und der Arzt meinte ich soll das Pflaster hier sehr lange tragen.“ „Achso…“, brachte ich nur heraus und starrte ihre Verletzung an. Ich hoffte inständig, dass sie nicht bemerkte wie angespannt ich war. Ich hörte die Anderen ganz deutlich über uns tuscheln, scheinbar fanden sie es lustig, dass der „Elfenkopf“, der ja sonst immer so mutig war und jeden Scheiß mitmachte, bei einem Mädchen die schüchterne Seite raushängen lässt. Aber ich bin mir sicher, dass sie nicht anders reagiert hätten, würde neben ihnen das schönste Mädchen, das sie je gesehen hatten sitzen und sie anlächeln. Die peinliche Stille war unerträglich. Zelda musterte mich sorgfältig, bis sie ihren Blick auf meinem „Tattoo“ ruhen ließ. Ihre Augen wurden groß, vermutlich vor Erstaunen, und sie ließ den Mund leicht offen stehen. „Woher hast du das?“, fragte sie mich leicht verwirrt und sah mir wieder in die Augen. „Äh…“, ich konnte nicht klar denken und wusste nicht was ich antworten sollte, also beschloss ich es einfach zu sagen. „Also, das Ding hier habe ich glaube ich seit meiner Geburt, keine Ahnung woher das kommt.“ Ich grinste und hielt meine linke Hand hoch. „Oh…“, sagte Zelda und sah sich meine Hand genau an. „Willst… willst du dich vielleicht heute nach dem Unterricht mit mir treffen? Ich bin noch neu hier und würde mich freuen, wenn du mir etwas von hier erzählst und mir alles erklärst.“ „Öh…“ Mit so etwas hatte ich nun wirklich nicht gerechnet, aber ich freute mich riesig, dass sie mich gefragt hatte. „Natürlich, ich würde mich gerne mit dir treffen.“


Endlich. Da war er. Der Schulgong, der das Ende des Unterrichttages bestätigte. Es war Freitag, also stand das Wochenende bevor. Glücklich warf ich mir den Rucksack über die Schultern und wartete nur darauf, dass Zelda fertig wurde. Sie nahm sich ihre Tasche und lächelte mich wie immer an. Ich grinste zurück und verließ gemeinsam mit ihr das Gebäude. Die anderen musterten uns mit großen Augen und breitem Grinsen, ich war mir sicher, dass irgendjemand sagte „Uh, da läuft was“ und das auch noch mit einem dämlichen Grinsen untermalte. Wenn ich gewusst hätte wer es war hätte ich ihm ordentlich meine Meinung gesagt und dass mit meiner Faust. Aber ich wollte auch vor Zelda nicht wie ein hirnloser Schläger rüberkommen. Ich ignorierte die anderen und folgte Zelda mit stolzem Schritt. Sie führte mich von anderen Menschen weg geradewegs in eine einsame Gasse. Ich dachte nicht darüber nach was dieser Ort bedeuten könnte und ging ebenfalls immer tiefer, bis sie abrupt zum Stehen kam. Sie drehte sich zu mir um und sah mich mit funkelnden Augen an. „Könntest du vielleicht jetzt schon… mit zu mir kommen?“, fragte sie mich mit schon fast erstickender Stimme. Ich sah ihr freundlich in die Augen und meinte: „Aber natürlich, mein Onkel ist nicht so streng bei so etwas. Er vertraut mir.“ Erleichtert sah Zelda mich an. „Dann folge mir.“ Sie ging immer tiefer in die Dunkelheit. Es war so zwar nicht stockdunkel, aber schon relativ finster. Ich folgte Zelda und wartete darauf, dass wir das Ende erreichen würden. Knappe zehn Minuten liefen wir durch die doch recht enge Gasse, bis wir den Ausgang erreichten. Ich verließ die Gasse und Zelda schloss eine Tür, die den Ausgang dieses düsteren Weges versperrte. Ich blickte mich voller Erstaunen um. Saftig grünes Gras wuchs aus dem Boden und kleine bunte Blumen sprenkelten das Gras wie kleine Farbtupfer. Ein kleines Baumhaus in dem prächtigsten Holz war etwas weiter weg aufgestellt. Auf der anderen Seite des Grundstückes erstreckte sich eine riesige Villa, aufgebaut aus schönstem und strahlend weißem Marmor. Man könnte meinen, es sei ein winziger Palast. Riesige Fenster zierten das Gebäude, vollkommen makellos, ohne Kratzer, Flecken oder sonstiges. In der Mitte stand ein See mit kristallklarem Wasser, aus dem ich sogar getrunken hätte. Die Sonne schien darauf und es glitzerte prächtig. In der Mitte wurde eine riesige Statue aufgestellt, eine Frau aus weißem Gestein. Sie hielt eine Art Harfe in die Höhe und hatte einen ernsten Blick. „Wohnst du hier?“, fragte ich Zelda mit vollster Bewunderung. Etwas verlegen senkte sie ihren Kopf. „Ja, das ist mein zu Hause. So besonders ist es nun auch nicht.“ „Machst du Witze? Es ist wunderscherschön hier. Ich würde sofort hierher ziehen.“ „Ja ja, hör auf, ich werde ja noch ganz rot. Komm, oben in dem Baumhaus haben wir unsere Ruhe.“ Ich nickte und folgte ihr. Sie bedeutete mir als erstes die Leiter hochzusteigen. Ich öffnete die Bodenplatte und stieg hinein. Selbst hier drin sah es einfach nur umwerfend aus. Es lagen kleine gemütliche Sessel und Sitzkissen auf dem Boden und ein kleiner Tisch stand in der Mitte. Zelda kam hinterher und setzte sich auf ein Kissen. Mit ihrer rechten Hand tippte sie auf einem Kissen neben ihr um mir zu zeigen, dass ich mich dorthin setzen sollte. Ich nickte und ließ mich auf dem weichen Sitzplatz nieder. Ihre Miene verfinsterte sich ein wenig, als sie mein „Tattoo“ sah. „Ich… ich muss dir etwas zeigen“, flüsterte sie mir leise zu. Ich sah sie ein wenig verwundert an. „Ach ja? Und was?“ Leicht zitternd führte sie ihre Hand zu ihrer Mütze und nahm diese vorsichtig ab. Sie legte es auf den Boden und strich ihre Haare hinter ihr linkes Ohr. Was ich dann sah ließ meine Augen groß werden. „Du.. du hast ja auch…“ Sie nickte. „Ja, ich habe auch solche Ohren wie du. Mein Vater hat sie auch, aber er meinte, ich solle sie in der Öffentlichkeit nicht zeigen. Das könnte nur Probleme bedeuten oder ungebetene Menschen anlocken.“ Verwirrt starrte ich sie an. “Was meint sie mit ‚Probleme bereiten’“, dachte ich mir. „Aber ich zeige meine doch auch ständig. Ich wurde zwar früher gemobbt deswegen, aber das ist jetzt auch schon längst nicht mehr der Fall.“ Ratlos schüttelte Zelda ihren Kopf und sah mich betrübt an. Dieser Gesichtsausdruck passte überhaupt nicht zu ihr, dieses traurige und ratlose. „Ich weiß es ja nicht. Ich habe noch nie jemand anderes mit solchen Ohren getroffen. Ich hatte gehofft du wüsstest etwas…“ Ich sah nun noch verwirrter und dümmer aus, da war ich mir sicher. Wollte sie sich etwas nur deshalb mit mir treffen? Dieser Gedanke gefiel mir nicht, deshalb schlug ich ihn schnell aus meinem Kopf. „Aber das ist noch nicht alles…“, sagte sie und hob ihre linke Hand. Vorsichtig nahm sie das Pflaster ab und eine Art Zeichen war zu erkennen. Meine Augen weiteten sich und ich starrte meine linke Hand an. „Aber du hast ja dasselbe wie ich… du hast dich überhaupt nicht geschnitten…“ Sie nickte. „Es tut mir Leid, dass ich nicht die Wahrheit gesagt habe, aber in der Schule waren zu viele andere. Ich wollte nicht, dass sie es auch mitbekommen.“ „Und weißt du vielleicht was es bedeutet?“, fragte ich sie. Zelda schüttelte ihren Kopf und sah ein wenig enttäuscht aus. Aber ihr Blick erhellte sich ein wenig, als sie das folgende aussprach: „Aber ich weiß vielleicht eine Antwort darauf. Mein Vater hat ein altes Buch. Auf dem Einband ist genau dasselbe Zeichen abgebildet. Er hat mir ausdrücklich verboten es zu lesen, aber ich kann nicht warten. Ich will es jetzt wissen.“ Ohne auf eine Reaktion meinerseits zu warten sprang sie auf und ging zum Ausgang. „Warte, ich bin gleich wieder da.“ Und dann war sie weg. Immer noch sehr verwirrt starrte ich mein „Tattoo“ an. Aber ich wollte auch schon immer wissen, was es mit dem Ding auf sich hatte. Ein wenig freute ich mich jemanden getroffen zu haben, der dieselben Merkmale wie ich hat.


Mein Blick erhellte sich ein wenig, als die Bodenplatte sich bewegte und Zelda zurück in das Baumhaus hineinkletterte. Sie war schneller wieder zurück, als ich es vermutet hätte. Sie hatte ein breites Lächeln im Gesicht und setzte sich zurück auf ihr Kissen. Vor unsere Füße stellte sie ein Buch mit braunem Einband ab. Es war mit demselben goldenen Zeichen verziert, dass ich und Zelda auf unserem Handrücken trugen. Mit leuchtenden Augen betrachtete Zelda das Stück Schrift. Mein Herz begann vor Aufregung ein wenig schneller zu schlagen. Was mochte wohl darin niedergeschrieben sein? Ich blickte Zelda in ihre Augen und sie erwiderte meinen Blick freudestrahlend. „Wollen wir?“, fragte sie mich. Ich nickte vorsichtig und sah ihr zu, wie sie langsam die erste Seite aufschlug. Zelda las mit sanfter Stimme vor was dort geschrieben stand.
„Vor langer Zeit, als unsere Erde noch nicht existent war, durchstreiften drei Göttinnen das kalte und leere Weltall – die Göttin des Mutes Farore, die Göttin der Weisheit Nayru und die Göttin der Kraft Din. Sie wollten ihr größtes und bedeutendstes Werk schaffen. Eine bewohnbare Welt mit zahlreichen Lebewesen und Eigenheiten. Din begann als erstes. Mit ihrem feurigen Odem schuf sie das Grundgestein, auf dem das Werk geschaffen werden sollte. Nayru schenkte dieser Welt die Gabe der Weisheit und bestimmte die physikalischen Gesetze, alle Logik stammt von ihrer Hand. Der letzten Aufgabe widmete sich Farore. Sie schuf alles Formen des Daseins; Pflanzen, Tiere, Insekten. Auch schuf sie intelligente Lebensformen, welche sich weiterbilden können und den Großteil der Bevölkerung ausmachen sollten. Die Goronen – Körper so hart wie Stein, eiserne Krieger, fester Wille – schickte sie in die Berge. Die Zoras – Halb Mensch halb Fisch – ließ sie Meer und Fluss bevölkern. Die Dekus – heimtückische und selbstsichere Wesen – sollten den Wald bevölkern. Die Menschen hatten die Aufgabe, die restliche Welt zu bereisen und sich seinen eigenen Wohnsitz zu suchen. Im Gegensatz zu heute hatten sie spitze Ohren und waren der Magie bemächtigt. Nur einige wenige besitzen diese Eigenschaften heute noch.“ Zelda ließ ihre Stimme senken und betrachtete mich. Sie hatte solche Ohren wie beschrieben, ich hatte solche Ohren wie beschrieben. „Aber… aber wieso haben nur noch so wenige diese Eigenschaft?“, fragte ich etwas vorsichtiger. „Ich weiß nicht“, wusste Zelda nur zu sagen. „Ich schätze, das wird hier noch irgendwo stehen. Mich würde noch mehr interessieren, was mit den ganzen anderen Wesen geschehen ist. Mit den Goronen zum Beispiel.“ Ich nickte zustimmend. Was mochte wohl mit ihnen geschehen sein? Stimmte das, was in dem Buch stand, oder war das bloß eine erfundene Geschichte? Zelda blätterte etwas weiter. „Hier steht noch etwas über andere Wesen.“ „Ach ja? Lies vor.“ „Also gut. Zu sehr alten Zeiten existierten noch viele andere Wesen, welche allerdings im Laufe der Zeiten ausgestorben sind. Einige andere unsterbliche Wesen haben sich gewandelt und verändert… Hier steht noch etwas über Menschen. Das wichtigste Volk waren die Hylianer. Es lag im Königreich Hyrule. Ein Schattenvolk diente ihnen, die Shiekah. Doch wurden sie von der königlichen Familie verraten und starben mit der Zeit ebenfalls aus, nur noch wenige Überlebende existieren… Wie alt ist dieses Buch denn? Das würde schließlich bedeuten, dass es heute noch immer solche Shiekah gibt.“ „Hm…“ Ich wusste nicht was ich hätte sagen sollen. Die gesamte Geschichte klang für mich so unwirklich. „Oh, hier ist etwas wichtiges!“, sagte Zelda etwas aufgeregter als zuvor. „Ich glaube etwas über das Zeichen auf unseren Händen. Warte ich lese vor… Nachdem das Werk der Göttinnen vollbracht war hinterließen sie ihrer Welt noch ein Geschenk. Ein göttliches Artefakt. Es besteht aus drei Fragmenten: das Fragment der Kraft, das Fragment des Mutes und das Fragment der Weisheit. Sie nannten es das Triforce. Ihm wohnt die Kraft inne einem jedweden Wunsch zu erfüllen. Doch müssen die Eigenschaften des Artefakts in der Person, die den Wunsch ausspricht, im Gleichgewicht stehen. Ansonsten zerspringt es in seine drei Fragmente. Ihm wird das Fragment überreicht, dessen Tugend er am meisten verkörpert, die anderen suchen sich einen Träger der es am meisten wert ist ihre Eigenschaft zu verkörpern….“ „Aber das würde ja bedeuten, wir tragen solch ein Fragment in uns…“ Zelda blätterte um, doch die restlichen Seiten waren alle leer. Hektisch blätterte sie hin und her, doch auch die Vorderseiten waren nicht mehr beschriftet. „Was soll das? Wie ist das möglich?“, fragte sie sich verwirrt. „Ich habe keine Ahnung…“

Vorsichtig klappte Zelda das Buch zu und legte es vor unsere Füße. Ich starrte sie mit leicht geöffnetem Mund an und wartete auf eine Reaktion ihrerseits. „Jetzt wissen wir wenigstens ein bisschen mehr“, sagte sie und brachte ein Lächeln zustande. Es steckte mich an, sodass sich meine Mundwinkel ebenfalls ein wenig nach oben bewegten. „Und jetzt… lass uns etwas essen. Ich habe Hunger.“ Diese Aussage von ihr wunderte mich ein wenig. Ich musste sehr verwirrt ausgehen haben, Zelda hielt sich die Hand vor den Mund und begann leise zu kichern. Ich stand auf und folgte ihr. Zelda öffnete die Falltür und ging die Leiter hinunter. Sie rief mir von unten hinterher und rannte in das Haus. Ich sah ihr zufrieden hinterher und wollte ihr ebenfalls folgen, wurde allerdings aufgehalten. Ich hörte ein dumpfes Geräusch hinter mir. Ich drehte mich langsam um und sah, dass das Buch aufgeschlagen war. Es hatte sich von selbst aufgeschlagen. Ich war mir unsicher, beschloss allerdings zu dem Buch zu gehen und es mir genauer anzusehen. Ich kniete mich davor und betrachtete eine der leeren Seiten. Meine Augen weiteten sich, als ich folgendes zu sehen bekam. Auf dem Buch erschienen Buchstaben, wie von Geisterhand geschrieben. Sie bildeten Wörter und mit diesen Wörtern bildeten sie Sätze. „Link…“, stand dort zuerst geschrieben. Ungläubig bückte ich mich weiter vor und nahm es in die Hand. „Auserwählter… Nachkomme der legendären Helden… du bist der Einzige, der es aufhalten kann.“ Mein Mund stand weit offen, nachdem diese Zeilen sich gebildet hatten. „W-was?“, stammelte ich und starrte es weiter an. „Doch um dich deine Bestimmung erfüllen zu lassen, musst du erst erfahren woher du kommst und wer du wirklich bist. Du musst die verloren Geschichten erleben.“ Nach diesen Worten verschwand die Schrift und das Buch war erneut bloß ein Einband mit leeren Blättern. Ich blätterte weiter durch das Buch, konnte aber nichts Seltsames entdecken. „Halluziniere ich schon?“, sagte ich leise. Ich klappte das Buch zu und beschloss zu Zelda zu gehen. Ich wollte bereits losgehen, doch ich kam nicht weit. Das Buch  öffnete sich erneut von selbst und blätterte so schnell durch die Seiten, bis es begann sich langsam aufzulösen. Nur noch ein goldener Staub, der durch die Luft flog blieb übrig. Ich wusste nicht wieso, aber ich wollte meine Hand in das goldene Zeug halten. Es fühlte sich an wie normale Luft, als wäre dort nichts. Ein goldfarbenes Gas vermutlich. Aber ich konnte nicht verschwinden. Wie hypnotisiert schaute ich dem Tanz des goldenen Staubes zu, der um meine Hand herum stattfand. Ich war fasziniert von diesem Spektakel. Ich ‚spielte’ sozusagen damit. Doch plötzlich fror es in der Luft ein. Ich blinzelte ein paar Mal und konnte mich von meinem tranceartigen Zustand lösen. Ich nahm meine Hand langsam zurück und stand wie angewurzelt da, ohne glauben zu können, was sich vor ein paar Sekunden ereignet hatte. Gefühlt eine Stunde stand ich auf der Stelle bis der goldene Staub blitzschnell auf meine Augen zuflog. Erschrocken hielt ich mir die Hände vor das Gesicht. Doch es war so, als wäre nie etwas geschehen. „Das glaubt mir keiner“, flüsterte ich scherzhaft und verließ das Baumhaus.

In Zeldas riesiger Villa angekommen blickte ich mich erstaunt um. Die Eingangshalle zierte ein riesiger Kronleuchter und der Boden musste aus feinem Marmor gefertigt sein worden. Ein roter Teppich stand in der Mitte des Raumes und die Wände waren mit Bildern dieses ‚Triforce’ verziert. Zelda stand am Ende des Raumes und lächelte mich an. „Sei nicht so erstaunt. So toll ist es nun auch wieder nicht. Wo warst du denn so lange?“ „Ich war… nichts Wichtiges. Tut mir Leid.“ „Achso? Na dann, komm. Lass uns auf mein Zimmer gehen, dort können wir uns in Ruhe unterhalten.“ Ich nickte etwas geistesabwesend und folgte ihr. Immer mal wieder hatte ich auf diesem kurzen Weg kleine Schwindelanfälle. Einmal musste ich stehen bleiben und fasste mir an den Kopf um nicht umzukippen. Besorgt fragte sie mich, ob es mir gut gehen würde. Ich nickte immer wieder und folgte ihr weiter. Doch in ihrem Zimmer angekommen blieb mir keine Zeit um mich um zusehen. Vor meinen Augen verschwamm alles und meine Augen wurden immer träger, ich konnte sie nicht mehr offen halten. Ob es wohl an dem goldenen Staub lag? Ich wusste es nicht. Ich spürte noch wie ich auf dem Boden aufschlug. Dann bemerkte ich nichts mehr von meinem Umfeld. Schwärze umhüllte mich.


Ich erwachte schwer. Der Boden unter mir war hart gewesen, kein geeigneter Ort zum schlafen. Ich streckte mich und versuchte meinen steifen Nacken zu entspannen, meine Augen hielt ich noch immer geschlossen. Nachdem ich etwas wacher wurde öffnete ich sie vorsichtig. Vor Schreck hielt ich angespannt die Luft an, ich spürte wie mein Herz begann schneller zu schlagen. Ich war nicht in Zeldas Zimmer. Es war ein Ort, den ich noch nie zuvor gesehen hatte, vollkommen verwüstet und zerstört. Ich realisierte die Situation nicht, ich begann bloß zu rennen. Die karge Landschaft raste an mir vorbei, doch überall sah es gleich aus, es kam mir so vor als würde ich auf der Stelle laufen. Ich wollte bereits zu weinen anfangen. Das war sonst nicht meine Art, aber schließlich war ich irgendwo im nirgendwo, alles schien zerstört und ich war ganz allein. Ich lief immer weiter, eine gefühlte Ewigkeit tat ich nichts anderes. Doch plötzlich blieb ich stehen. Ich konnte jemanden erkennen. Nicht nur eine Person, viele Menschen waren an einem Punkt versammelt. Seltsamerweise war es die einzige idyllische Stelle in der gesamten riesigen Landschaft. Die Menschen schienen vor etwas Angst zu haben, ihre Gesichter waren bleich, einige zitterten. Die Kinder weinten, Mütter hielten sie fest in den Armen und Väter stellten sich schützend vor sie, doch auch ihnen war die Panik anzumerken. Ich ging langsam auf sie zu. Doch meine Augen wurden groß als ich die seltsamen Wesen sah, die sich um die Menschen herum versammelt hatten. Sie sahen so seltsam aus, ich konnte sie nicht beschreiben. Hatten die Menschen vor ihnen Angst? Ich wollte es herausfinden. Recht schnell bemerkte ich, dass sie nicht der Grund waren. Die Wesen konnten scheinbar sprechen, sie redeten auf die Menschen ein und schienen ihnen Mut zusprechen zu wollen. Ich wollte bereits zu ihnen gehen und fragen was hier vor sich ging und wo ich mich befand, als alle verstummten und eine Frau vor die Menschenmenge trat. Sie trug ein weißes Gewand, ihre goldenen Haare flogen im Wind. In ihrer rechten Hand trug sie eine Art Harfe. Alle starrten sie gebannt an. Sie winkte kurz und die Wesen entfernten sich langsam von den Menschen. Zuversichtlich nickte sie der panischen Menge zu und wartete. Die Menschen begannen vorsichtig zu nicken und hielten sich gegenseitig fest. Die Frau lächelte müde und hob ihre Harfe heroisch in die Höhe. Meine Augen weiteten sich und ich schaute leicht irritiert. Es schien mir unmöglich, doch bei der Frau musste es sich um dieselbe wie die Statue in Zeldas Garten handeln. Sie glich ihr haargenau, mit der Ausnahme, dass sie nicht aus Stein, sondern lebendig war. Die Harfe in ihrer Hand begann in einem hellen Licht zu leuchten und erstrahlte das komplette Umfeld. Augenblicklich begann der Boden zu beben, ich bekam die Befürchtung, dass sich der Boden unter meinen Füßen spalten würde, allerdings konnte ich mich nirgendwo festhalten. Die Erschütterung ließ mich hinfallen und hart auf dem Boden aufschlagen, mit dem Kopf zuerst. Ich hatte Glück, dass ich mich nicht ernsthaft verletzt hatte, aber dennoch tat es höllisch weh und ich schrie laut auf. Ich hielt meine Hand an meinen Kopf und versuchte so die Schmerzen zu mindern, vorsichtig versuchte ich mich trotz des Bebens aufzusetzen. Mit Glück konnte ich behaupten, dass  meine Annahme sich nicht bestätigt hatte. Leicht stöhnend sah ich dem zu, was sich vor mir ereignete. Um die Menschenmenge bildeten sich riesige Risse im Boden, Unmengen von Staub wurden in der Luft aufgewirbelt. Ich hielt meine rechte Hand schützend vor mich um nichts in Auge zu bekommen. Einen Moment lang konnte ich nichts sehen, wie ein dichter Nebel hatte der Staub sich vor mir aufgetan. Einige Minuten mussten bereits vergangen sein, bis ich wieder etwas erkennen konnte. Doch mein Mund blieb weit offen stehen, als ich das folgende zu sehen bekam. Das Stück Erde auf dem die Menschenmassen sich versammelt hatten schwebte in der Luft und bewegte sich langsam in Richtung Himmel. Die Frau nickte zufrieden und sah noch einige Zeit ihrem Werk zu, bis sie sich schließlich umdrehte. Die Wesen um sie herum taten es ihr gleich und schauten alle mit ernster Miene in eine Richtung. Ich verharrte noch eine Weile in meiner Position und starrte ungläubig zu wie die schwebende Erde mitsamt der vielen Menschen immer schneller in Richtung Himmel stieg. Es dauerte nicht lange, bis sie nicht mehr zu erkennen war. Ich hatte meine Schmerzen nun völlig vergessen. Meine Augen waren größer als je zuvor und ich hatte dem dämlichsten Blick aller Zeiten drauf, da war ich mir sehr sicher. Etwas nervös folgte ich dem Blick der Frau und den fremden Wesen und starrte eine dunkle, nebelartige Wolke an. Sie schien sich immer weiter auszudehnen, es war mir ein Rätsel wie ich das übersehen konnte. Bei genauerer Betrachtung fiel mir auf wie kleine Gestalten daraus traten. Es sah so aus, als würden sie gezielt in eine Richtung stürmen, mit erhobenen Waffen kamen immer mehr von ihnen aus der Wolke gerannt. Diese ‚Monster’ hatten Ähnlichkeit mit Schweinen, so sah es jedenfalls für mich aus. Es kamen immer mehr Gestalten hervor, untote Skelette, zombieartige Wesen und vieles mehr was ich nicht definieren konnte. Die Wesen um die Frau herum stürzten sich mit lautem Gebrüll auf die Monster und metzelten sich gegenseitig nieder. Es war ein einziges Blutbad. Wenn ein Monster getötet wurde löste es sich in einer lila Wolke auf, doch die anderen Wesen sanken leblos zu Boden und blieben dort liegen. Ich befürchtete bereits jeden Moment einen Herzstillstand zu bekommen, die Ereignisse vor mir waren zu grausam für mich. Ich wendete meinen Blick erneut an den dunklen Nebel. Ich war mir nicht zu hundert Prozent sicher, allerdings war ich davon überzeugt einen Schatten in der Wolke erkannt zu haben, weitaus größer als alle Monster auf dem Schlachtfeld. Ich kroch langsam darauf zu um mir ein besseres Bild zu machen, aber hielt mich noch auf sicherem Abstand. Das letzte was ich wollte war in die Ereignisse mit hinein gezogen zu werden. Tief in mir wünschte ich, dass es kein Monster und bloß Einbildung war. Doch damit lag ich komplett daneben. Ein riesengroßes Ungeheuer kam aus dem Nebel hervor. Es war mindestens fünf Meter groß, sehr muskulös gebaut und von einer schuppigen Haut überzogen. Die Haare, wenn man es denn Haare nennen konnte, bestanden vollständig aus Feuer und flackerten auf seinem Kopf. In seiner Hand trug es ein riesiges, schwarzes Schwert, mit einer zackigen Form. Ich war mir sicher, dass es ausnahmslos alles aufschlitzen konnte. Es hatte ein mordlüsternes Grinsen im Gesicht und sah dem Spektakel zu. Die Frau starrte ihn wütend an und ging langsam auf ihn zu. Mit jedem Schritt erstrahlte sie immer heller in einem goldenen Licht. Sie hob die Hand in der sie ihre ‚Harfe’ festhielt. Das Instrument löste sich in Luft auf und formte ein Schwert aus dem edelsten Metall. Mit Erstaunen sah ich zu, wie auch sie immer weiter wuchs, bis sie ungefähr auf Augenhöhe mit dem riesigen Monster war. Belustigt sah es der Frau zu und hielt sein Schwert fest in der Hand. Die Frau hob ihres und beide Schwerter klirrten aneinander, eine gewaltige Druckwelle ging von dort aus. Ich wollte weglaufen, aber ich konnte mich nicht bewegen. Wie aus Stein verharrte ich in meiner Position, unfähig auch nur einen kleinen Muskel anzuspannen. Dann verschwamm das Bild vor mir.

Mit der Zeit fügte sich ein weiteres Bild vor mir zusammen. Ich musste mich noch immer an meinem vorherigen Platz befinden, doch es herrschte eine andere Atmosphäre. Unzählige Tote waren auf dem Boden verteilt. Vieles stand in Flammen. In der Mitte standen die restlichen Überlebenden, es waren nicht sehr viele. Ich konnte an die zehn Stück zählen. Ich betete, dass noch mehr überlebt hatten und sich bereits auf dem Weg an einen anderen Ort begeben hatten. Die Überlebenden Wesen standen um die Frau herum. Sie atmete schwer und hielt eine Art Stein in der Hand, der im Boden befestigt war. Die anderen schienen ihr panisch etwas sagen zu wollen, doch sie befahl ihnen zu schweigen und lächelte warm. Sie schloss ihre Augen und begann sich vor den Wesen in Luft aufzulösen, einige falteten ihre Hände, oder das was ihre Hände sein mussten, und schlossen ihre Augen, als würden sie beten wollen. In einem goldenen Staub stieg sie in den Himmel. Ich starrte ihr hinterher und konnte noch ein grelles Licht, das von dem Stein ausging erkennen, bevor alles um mich herum erneut in Schwärze gehüllt wurde und ich das Bewusstsein verlor.


Ich öffnete die Augen. Leicht stöhnend setzte ich mich auf. Mit einer Hand stützte ich mir den Kopf ab. Mein Sichtfeld war gänzlich verschwommen und mein Körper fühlte sich taub an. Ich brauchte meine Zeit um mich zu sammeln. Mein Blickfeld normalisierte sich langsam und ich begann wieder meine Gliedmaßen als auch die Umgebung um mich herum wahr zunehmen. Gleichzeitig begann ich auch einen plötzlichen stechenden Schmerz an meinem Hinterkopf zu spüren. „Au!“, schrie ich und presste meine Hände gegen die schmerzende Stelle. „Alles in Ordnung?“, fragte mich eine Stimme. Es war Zelda. Sie kniete vor mir und blickte mich etwas entsetzt an. „Ich… ich weiß nicht…“ „Du warst eine Stunde lang bewusstlos“, hörte ich eine fremde Stimme sagen. Es war eine tiefe und männliche Stimme. Trotz meiner noch immer benebelten Sinne konnte ich eine fremde Person erkennen. Es war offensichtlich ein älterer Mann, relativ rundlich gebaut und er hatte bereits weiße Haare sowie einen weißen Bart. Er trug einen schwarzen Anzug. Ernst sah er mich an. „Link… das ist mein Vater“, flüsterte Zelda mir zu. Er musterte mich ein wenig spöttisch. „Ihr habt also das Buch gelesen?“, fragte er und starrte dabei vor allem mich leicht wütend an. Ich war überrascht. Hatte Zelda es ihm verraten oder hatte er es selbst herausgefunden? „Ja, Vater“, sagte Zelda mit gesenktem Blick. „Hatte ich dir nicht verboten es zu lesen?“ Er lief langsam durch den Raum und hatte die Arme verschränkt. Würde Zelda nun bestraft werden? War ich daran schuld? „Nein, sie wollte schließlich das Bauch lesen, mir es relativ egal“, dachte ich mir, auch wenn ich mich noch immer schuldig fühlte. Ich musste einen sehr gequälten Blich gehabt haben, die Schmerzen an meinem Hinterkopf brachten mich förmlich um. Ich stellte mich langsam auf, doch das erwies sich als fataler Fehler. Vor mir verschwamm erneut alles und ich begann zu taumeln. Ich wäre sicher erneut auf den Boden geknallt, hätte Zelda mich nicht festgehalten. „Du solltest dich nicht überanstrengen“, sagte sie leise und führte mich zu einem Stuhl. Vorsichtig stützte ich mich daran ab und keuchte. Ich spürte wie sich Schweißperlen auf meiner Stirn bildeten. „Oh man…“, sagte ich leise und ließ mich auf den Komfort fallen. Zeldas Vater hatte uns derweil nicht beachtet. Er lief weiterhin langsam durch das Zimmer und schien angestrengt nachzudenken. Zelda hatte sich an die Kante ihres Bettes gesetzt und die Hände in den Schoß gelegt. Plötzlich kam ihr Vater zum Stehen. Er seufzte tief und sah aus dem Fenster. „Früher oder später hättet ihre es sowieso erfahren müssen.“ Er drehte sich zu seiner Tochter um. „Zelda, bitte verlasse das Zimmer.“ Zelda fuhr hoch und sah ihm flehend in die Augen. „Aber Papa…“ „Zelda, bitte. Das muss ich mit Link klären.“ Zelda stand verwirrt vor ihrem Vater und schien nach passenden Worten zu suchen. „Na schön…“, sagte sie nur und verließ den Raum. Ich fühlte mich mit Zeldas Vater alleine in einem abgeschlossenen Raum nicht wohl. Er stellte sich vor das Fenster und starrte in die Ferne. „Link…“ Ich blickte auf und sah in seine Richtung. „Während deiner Ohnmacht hattest du einen Traum, nicht wahr?“ An den Traum hatte ich nicht mehr gedacht. „Jetzt wo Sie es erwähnen, ich hatte tatsächlich einen Traum“, sagte ich und versuchte angestrengt mich daran zu erinnern, doch meine Schmerzen machten es mir nicht unbedingt einfach. „Du musst mir alles erzählen, jedes kleinste Detail könnte von Bedeutung sein. Ich werde soweit es mir möglich ist versuchen, deinen Traum zu deuten.“ „Aber… was ist denn an dem Traum so wichtig?“, fragte ich vorsichtig. Er drehte sich zu mir um und blickte mir in die Augen. Ich schluckte einmal und wartete auf eine Antworte. „Nun… ich hatte eigentlich vor meine Tochter soweit es geht aus dieser Sache raus zuhalten. Ich wollte damit bis zu ihrem 18. Lebensjahr warten. Allerdings ist mir das Schicksal wohl zuvor gekommen…“ Er machte eine kurze Pause und dachte nach. „Ich muss dir scheinbar etwas erklären. Meine sowie deine Familie sind die letzten direkten Nachkommen eines längst vergangenen Königreichs, davon hast du sicher aus dem Buch erfahren. Kennzeichnend dafür sind die spitzen Ohren, die das Volk damals als besonders hervorheben sollten. Doch das Königreich ist nach einem langen und schrecklichen Krieg untergegangen, der Großteil wurde ausgerottet. Bloß einige wenige Flüchtlinge konnten überleben, unsere Vorfahren. Wir, Zelda und ich, stammen offensichtlich von der königlichen Familie ab. Link… das Buch hat dich als „Auserwählten“ bezeichnet, nicht wahr?“ Ich nickte vorsichtig, sagte allerdings kein Wort. „Wie ich es mir dachte… Link, dieses alte Königreich wurde des Öfteren von dem Bösen heimgesucht. Das Böse konnte nie gänzlich vernichtet werden, aber es gab immer einen auserwählten Helden, der das Böse besiegen und zur Versiegelung beitragen konnte. Du bist offenbar ein Nachfahre dieser Helden, wobei ich eine Reinkarnation für wahrscheinlicher halte.“ Ich nickte immer zu, wusste allerdings nichts Passendes zu sagen. „Die Erlebnisse dieser Helden wurden zu Legenden und sind im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten, bloß noch meine Familie weiß darüber Bescheid. Scheinbar musst du zuerst selbst erfahren was damals geschehen ist, in Form von Träumen… deshalb musst du mir davon erzählen, damit ich dir erklären kann was sie bedeuten.“ Ich senkte meinen Kopf und versuchte zu verstehen. Einerseits klang es logisch, andererseits unwirklich. Zudem kamen langsam die Erinnerungen an meinen Traum zurück. Ich schloss meine Augen um mich besser konzentrieren zu können und berichtete ihm, an was ich mich noch erinnern konnte.


„Hm…“, kam es von Zeldas Vater, der seine Augen geschlossen hielt und mir aufmerksam zuhörte. Ich beendete meinen Bericht und seufzte einmal erleichtert. Erschöpft legte  ich meinen Kopf auf die Stuhllehne. Die Schmerzen hatten langsam nachgelassen, dafür bildete sich an der Stelle nun eine dicke Beule. Ich fasste mit einer Hand die Stelle an und spürte, wie die Schmerzen dadurch kurzzeitig intensiver wurden. Ich stieß ein gequältes Geräusch aus und biss meine Zähne zusammen. „Ich muss schon krass auf dem Boden aufgeschlagen sein, wenn ich jetzt so ne Beule habe“, dachte ich mir und schloss meine Augen. „Ich bin mir nicht so sicher wovon dein Traum handelt… es muss ein sehr altes Ereignis sein. Bevor ich dir irgendetwas erzähle was nicht stimmt sollte ich mich noch einmal genauestens erkundigen.“ Ich seufzte einmal und richtete mich erneut richtig auf. Ein Blick aus dem Fenster verriet mir, dass ich bereits länger hier war als beabsichtigt. Der Himmel hatte sich in dem wunderschönen Rot gefärbt, dass ich immer gerne beobachtete, wenn die Sonne langsam hinter dem Horizont verschwand. Ich erhob mich von meinem Platz und hielt Zeldas Vater meine Hand hin. „Sie können mir ja Bescheid geben, sollten Sie wissen worum es in meinem Traum ging. Ich muss jetzt jedenfalls nach Hause, es ist schon spät. Mein Onkel fragt sich bestimmt warum ich so lange brauche.“ Zelda Vater zögerte kurz und warf einen flüchtigen Blick auf die Uhr, die in Zeldas Zimmer an der Wand hing. „Du hast Recht… der Tag war sicher lang für dich.“ Er erwiderte meine Geste und wir schüttelten uns die Hände. Er hatte einen festen Griff, so wie ich es mir gedacht hatte. „Du hast eine Menge durchgemacht. Es wäre sicher nicht schlecht sich noch einmal alles in Ruhe durch den Kopf gehen zu lassen.“ Ich nickte und wünschte ihm noch einen schönen Abend, ehe ich mich auf dem Weg zur Tür befand. „Nur eins noch“, kam es von Zeldas Vater. Ich drehte mich um. „Solltest du erneut solch einen Traum wie heute haben, lass es mich so schnell wie möglich wissen.“ Ich lächelte und nickte ihm zu. Langsam führte ich meine Hand zu dem Türgriff und verließ den Raum, behutsam schloss ich die Tür hinter mir. Vorsichtig ging ich durch den Flur, auf dem Weg zu dem Ausgang aus dieser prachtvollen Villa. „Das war einfach viel zu viel“, dachte ich mir und verließ das Haus. Im Garten saß Zelda auf dem Rand des Brunnens und fuhr sich durch die Haare. Sie starrte mit trübem Blick in die Leere und schien über etwas nachzudenken. Ich schaute zu ihr herüber und konnte mir kein Lächeln verkneifen. Ich bewegte mich kurz und sie wurde auf mich aufmerksam. Sie warf ihre Haare elegant zurück und erhob sich von ihrem Platz, ihr Gesicht hatte wieder dieses süße Lächeln aufgesetzt, das ich so mochte. Sie ging auf mich zu. „Und? Was wollte mein Vater denn so dringend mit dir bereden?“ „Also…“ Ich überlegte ob ich es ihr erzählen sollte. Ihr Vater hatte schließlich gemeint, er wolle Zelda nicht in diese Angelegenheiten mit hineinziehen. „Es war nicht wirklich wichtig“, meinte ich mit einem möglichst natürlichen Lächeln. „Ach so… und wie geht es dir jetzt?“, fragte sie ein wenig enttäuscht. „Du hattest ja solche Schmerzen.“ „Ach das… ja, die sind bereits zum Großteil verflogen, mach dir am besten gar keine Gedanken mehr darüber… Jedenfalls, wollte ich mich noch von dir verabschieden.“ Ich hielt ihr meine Hand hin. „Wir sehen uns ja am Montag wieder.“ Sie starrte meine Hand an als wäre sie etwas vollkommen Fremdes. Ich hatte ihr mit Absicht die Hand ohne dieses ‚Triforce’ hingehalten, um sie nicht noch neugieriger zu machen. Sie hob vorsichtig ihre Hand und legte sie in meine. Mein Herz begann ein wenig schneller zu schlagen. „Nicht dein Ernst oder? Sie gibt mir doch nur ihre Hand“, dachte ich mir in diesem Augenblick. „Also… auf Wiedersehen“, sagte ich zu ihr. „Warte, ich begleite dich noch bis zur Tür“, sagte Zelda mit einem Lächeln. Ich nickte und wir gingen gemeinsam zu dem Eingang in die Gasse. „Ich muss jetzt dringend in mein Bett“, dachte ich und bekam solch eine Sehnsucht nach dem warmen und gemütlichen Bett wie noch nie zuvor.


Wir waren an der Tür angekommen. Eine einfache, braune Holztür, befestigt an einer riesigen Steinmauer. Ich hatte bisher noch nicht darüber nachgedacht, doch langsam begann ich mich zu fragen, weshalb Zelda und ihr Vater so sehr von der Außenwelt abgeschnitten waren. Zelda kam vor der Tür zum Stehen und ich tat es ihr gleich. Zelda sah etwas beklemmt auf den Boden und spielte mit ihren Fingern. Ich sah sie an und hoffte auf eine baldige Reaktion, die unerträgliche Stille war bereits dabei mich umzubringen. Langsam hob sie ihren Kopf und bewegte ihre Mundwinkel leicht nach oben. Ich starrte sie an. Vorsichtig ging sie auf mich zu. Mein Herz begann wieder zu pochen. Behutsam legte sie ihre Arme um mich. Ich stand wie angewurzelt auf der Stelle und wusste nicht was ich tun sollte. Meine Augen wurden groß und meine Wangen leicht rot. Der Geruch ihrer Haare flog in meine Nase, es roch gut. Die paar Sekunden in denen sie mich umarmte waren unangenehm und kamen mir zugleich warm und schön vor. Ich war schon fast traurig, als sie sich wieder von mir löste. Sie lächelte mich an und ich stand ein wenig perplex auf der Stelle. Ich musste richtig bescheuert ausgesehen haben. Belustigt schloss sie ihre Augen und meinte: „Du bist süß.“ Mir schoss noch mehr Blut in die Wangen und ich sah verlegen zu Boden. „Also… man sieht sich“, sagte Zelda zu mir und hob zum Abschied ihre Hand. Vorsichtig hob ich meinen Kopf und sah sie erneut an. Ein kühler Wind kam auf, der Zeldas Haare majestätisch durch die Luft wehen ließ. Ich begann zu grinsen. „Ja… bis Montag.“ Ich bewegte meine Hand zu dem Griff und zog die Tür leicht zu mir hin. Sie knarrte ein wenig. Ich holte noch einmal tief Luft und lächelte Zelda ein letztes Mal an, ehe ich die Tür hinter mir schloss. „Was für ein Tag“, murmelte ich vor mich hin. „Oh, mein Rucksack!“ Ich wollte bereits zurückgehen, als die Tür sich hinter mir öffnete. Ich drehte mich um und sah Zelda, die mir meinen Rucksack entgegenhielt. „Ich glaube, du hast da was vergessen“, sagte sie. Ich nahm ihr meinen Rucksack langsam aus der Hand. „Vielen Dank, den hätte ich fast hier liegen lassen. Nun… jetzt aber wirklich auf Wiedersehen“, sagte ich scherzhaft zu ihr. „Bis bald“, kam es von ihr. Sie schloss die Tür und ich war wieder alleine. Ich seufzte einmal und warf mir den Rucksack über die Schultern.

Ich schleppte mich durch die Gasse und dachte über den heutigen Tag nach. Als erstes kam mir das Buch in den Sinn. „Hätte ich das Teil doch nur nicht angefasst“, grummelte ich. „Wegen diesem Zeug werde ich noch Probleme kriegen. Was wenn ich…“ Ich blieb ein wenig entsetzt stehen. „Werde ich jetzt öfter umkippen? Wenn ich mitten im Unterricht umkippe, was ist dann? Oder in der Stadt? Oder bei einem Kumpel zu Hause? Oder irgendwo ganz allein, wo mir niemand helfen kann?!“ Ich begann mich total aufzuregen. Wütend stapfte ich weiter. „Das ergibt doch alles gar keinen Sinn! Ich hatte einen Traum, toll. Das ist jetzt auch nichts Ungewöhnliches. Aber da war auch dieses goldene Zeug… und das ist definitiv nicht normal… Wieso ist das so kompliziert? Ich verstehe das nicht! Und was soll ich denn sagen, wenn ich umkippe und mich danach jemand fragt was los ist? ‚Ach, ich bin bloß so ein Auserwählter der die Geschichten seiner Vorfahren noch mal neu erleben muss, stell dich also schon mal drauf ein, dass so was öfter passiert’, oder was? Damit komm ich doch sofort in eine Irrenanstalt! Und jetzt führe ich auch noch Selbstgespräche, Gott! Ich werde noch völlig verrückt!“ Ich steigerte mich urplötzlich immer mehr in die Sache hinein. Je mehr ich mich aufregte, desto mehr begann ich auch ein wenig mit den Armen zu fuchteln. „Ich bin ganz alleine in einer einsamen Gasse, wer sollte mich schon sehen?“, dachte ich mir immer wieder. „Und da ist dann auch noch Zelda… ich verstehe das nicht, normalerweise werde ich in der Gegenwart von Mädchen doch gar nicht so nervös. Aber… sie ist anders. Sie ist… ach keine Ahnung was sie ist! Sie ist…“ Ich senkte meine Stimme ein wenig. „…sie ist so wie ich und noch dazu wunderschön…“ Ich blieb stehen und seufzte einmal tief. Ich starrte in den Himmel, es war noch dunkler geworden, einige Sterne waren bereits zu erkennen. „Wie spät ist es?“ Ich griff in meine Hosentasche um mein Handy herauszunehmen. „Scheiße, schon halb zehn!“ Ich steckte das Handy wieder weg und begann meine Geschwindigkeit etwas zu erhöhen. „Mein Onkel ist zwar nicht allzu streng“, dachte ich mir, „aber wenn ich solange weg bin ohne vorher Bescheid zu sagen macht er sich bestimmt Sorgen…“


Ich stand vor meiner Haustür. Ich stieß einen Seufzer aus und starrte den Türgriff an. Es war ein langer Tag. Ich wollte jetzt nur noch schlafen. Oder etwas essen. Eins von beidem wäre auf jeden Fall in diesem Moment das tollste auf der Welt gewesen. Ich griff in die Tasche meiner Jacke und zog einen Schlüsselbund heraus. Die Schlüssel klirrten aneinander und machten ein Geräusch, das ich nicht unbedingt gut leiden konnte. Ich steckte den richtigen Schlüssel in das Schlüsselloch und drehte ihn einmal um.

Ich warf die Tür hinter mir zu. Innerlich stieß ich einen lauten Freudenschrei aus. „Endlich zu Hause“, murmelte ich. Ich warf meinen Rucksack in die nächste Ecke und mein Jackett direkt hinterher. Schnell schlüpfte ich aus meinen Schuhen und kickte sie unachtsam von mir weg. Ohne klar zu denken beschloss ich als erstes in die Küche zu gehen und mir etwas zum essen zu besorgen. Ich lief durch das Wohnzimmer. Mein Onkel saß auf der Coach und sah irgendwas im TV, er hielt eine Tüte Chips in der Hand und hatte seine Füße auf dem Kaffeetisch abgelegt. Mit einem „Hey“ machte ich ihn auf mich aufmerksam ehe ich in die Küche verschwand. „Alter“, sagte mein Onkel und pausierte das Programm. Ich öffnete den Kühlschrank und sah mich nach etwas essbarem um. Mein Onkel erhob sich von seinem bequemen Platz und ging zu mir herüber. „Wo warst du solange?“ „Bei wem zu Hause“, antworte ich während ich mir eine Dose Cola und einen Hot Dog vom Vortag schnappte. „Aha und bei wem?“, fragte er mit leicht hochgezogener Augenbraue. Ich schmiss meinen Hot Dog auf einen Teller und legte ihn in die Mikrowelle, für zwei Minuten und 30 Sekunden würde er nun auftauen. „Kennst du nicht, die ist neu.“ Zu spät bemerkte ich die Dummheit, die ich begangen hatte. „Wie konnte ich nur ‚DIE ist neu’ sagen?“, fragte ich mich wütend. Ich hätte mir auch gleich selbst eine reinhauen können. Wenn mein Onkel wusste, dass ich mich mit Mädchen treffe, zog er mich tagelang damit auf. „Interessant“, meinte er mit einem breiten und sehr dämlichen Grinsen. „So krass nun auch wieder nicht“, meinte ich während ich meine Dose öffnete. Ein zischendes Geräusch war zu hören und ein wenig spritzte es aus der kleinen Öffnung heraus. „Doch ich finde das SEHR interessant“, sagte meinen Onkel und ging näher zu mir. Ich kippte einen Schluck und legte die Dose danach zur Seite. „Ist sie hübsch?“, fragte er mich. Ich spürte wie mir das Blut in die Wangen schoss. Verlegen schaute ich zu Boden um ihm nicht ins Gesicht sehen zu müssen. Sein Grinsen machte mich wahnsinnig. „Nun ja… schon…“, brachte ich hervor. „Oh diese Qualen“, ging es durch meinen Kopf. Die Mikrowelle begann zu piepen und ich nahm den Teller heraus. Er war heiß und ich war unvorsichtig. „Autsch“, sagte ich leise und biss meine Zähne zusammen. Ich legte den Teller auf die Theke. Mein Onkel klopfte mir auf die Schulter. „Du Kleiner du“, sagte mein Onkel lachend. Ich wurde noch roter, das spürte ich ganz deutlich. „Wie heißt sie“, fragte er mich neugierig. „Muss das sein?“, fragte ich ihn flehend. „Na ich werde doch wohl wissen dürfen mit welchen Mädchen mein Neffe sich trifft.“ Ich seufzte einmal tief. „Na schön… sie heißt Zelda.“ „Moment wie?“, fragte mein Onkel verdutzt. Das Grinsen war aus seinem Gesicht verschwunden. „Äh… Zelda…“, sagte ich noch mal und starrte ihn etwas perplex an. So hatte er noch nie reagiert. „Cool… schöner Name…“ , meinte mein Onkel. „Du kannst jetzt von mir aus auf dein Zimmer gehen, ich schaue noch weiter Fußball.“, sagte er zu mir und verließ die Küche wieder. Diese Reaktion von meinem Onkel war ungewohnt. Normalerweise kamen danach noch solche Kommentare wie ‚Du und Zelda, mögt ihr euch denn ganz doll?’ oder ‚Soll ich Zelda einladen und ihr zeigen wie unordentlich du bist?’ Langsam nahm ich mein Essen und die Cola und stieg die Treppe nach oben.

Ich schmiss mich auf mein Bett und legte den Teller auf meinem Nachttisch ab, die Cola direkt daneben. Ich drückte mein Gesicht gegen ein Kissen und stöhnte. Ich könnte ewig in dieser Position verweilen, Hauptsache ich war einfach nur faul und musste mich nicht bewegen. Eine kleine Weile blieb ich so liegen. „Ich sollte mich mal umziehen“, sagte ich in Gedanken. Ich setzte mich langsam auf und ging zu meinem Schrank. Mit leerem Blick starrte ich hinein und griff sofort zu meiner Lieblingshose – eine bequeme dunkelgrüne Jogginghose. Grün war ohnehin meine Lieblingsfarbe. Ich schmiss meine Jeans zurück in den Schrank und schlüpfte in das gemütlichere Teil. Einen Moment lang blieb ich auf der Stelle stehen. Was konnte ich nun machen? Fern schauen? Was zocken? Musik hören? Mich weiter über den Mist von heute aufregen? Zelda anrufen? „Scheiße!“, rief ich und klatsche meine Hand gegen die Stirn. „Ich hab sie nicht nach ihrer Nummer gefragt!“ Ich ließ mich auf mein Bett fallen und starrte die Decke an. „Schöner Dreck“, murmelte ich und seufzte einmal lautstark. „Als erstes sollte ich essen…“

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BeitragThema: Re: The Legend of Zelda: Lost Stories   Sa Mai 10 2014, 11:04

„Wo zum Teufel bin ich?“ Ich war an einem seltsamen und befremdlichen Ort. Alles vor mir war blau, himmelblau, dazu noch weiße Farbsprenkel… vermutlich Wolken? Es war kein fester Boden unter mir zu spüren, stattdessen fühlte ich mich leicht, sehr leicht. So als würde ich schweben. Vorsichtig blickte ich auf mich herab. Ich war… in der Luft! Mit Schrecken stellte ich fest, dass ich keinen Körper besaß. „Was zum… Soll ich jetzt Angst haben oder was jetzt?“, murmelte ich aufgeregt vor mich hin. Vorsichtig hob ich meinen Blick und starrte die weißen… Wolken an. Sie verzogen sich langsam. Ganz schwach konnte ich etwas dahinter erkennen. Es war… eine Art Insel. Mitten in der Luft! Ich hätte verwundert sein müssen, aber angesichts der Tatsache, dass ich keinen Körper besaß und ebenfalls in der Luft schwebte, haute es mich nicht um. Doch ich konnte mir nicht helfen… dieses Szenario kam mir sehr bekannt vor. „Diese Insel… das ist doch die aus meinem Traum!“ Ich begann automatisch auf das Land zu zufliegen. Immer mehr näherte ich mich diesem Mysterium und entdeckte einige Menschen, die vergnügt ihrem Alltag nachgingen. So etwas hatte ich mir nie vorstellen können… eine schwebende Insel und Menschen, die dieses Geschehen vollkommen normal fanden! Als ich mich direkt darüber befand setzte ich eine Landung an und kam immer mehr Richtung Boden. Ich sah mich erstaunt um, es war alles komplett anders, als wie ich es selbst kannte. Befremdlich, aber dennoch faszinierend.

Ganz ohne Vorwarnung sauste jemand an mir vorbei. Ich drehte mich zu ihm hin und konnte ihn wage von hinten erkennen, ehe er von einer Art Plattform sprang… „Ist der Typ lebensmüde?!“, schrie ich und bewegte mich schnell an seine Absprungstelle. Vorsichtig blickte ich in die Tiefe um nach der Person zu schauen. Doch dann sauste er auf dem Rücken eines riesigen Vogels in die Lüfte und zog mich mit einem kräftigen Luftstoß mit in die Höhe. Es war ein Kerl, gekleidet in seltsamen Klamotten. Ganz in grün. Dazu trug er noch eine etwas komisch aussehende Zipfelmütze, farblich abgestimmt mit seiner Kleidung. „Strange, der Typ…“, murmelte ich vor mich hin während ich ihm folgte. Er sprang von dem Rücken des Vogels geradewegs in ein gelbes Licht, welches ein Loch in den Wolken verursachte. Nachdem er unter der Wolkendecke verschwunden war verschwamm das Bild vor mir.

Ich stand direkt vor einer mir unbekannten Person, an den Klamotten konnte ich mir zusammenreimen, dass es derselbe wie auf dem Vogel sein musste. Um uns herum war nichts außer gähnende schwarze Leere. Er streckte ein Schwert in die Höhe und starrte mit strengem Blick gerade durch mich durch. Eine seltsame Gestalt flog aus der Klinge seines Schwertes heraus. War es eine… eine Frau? Dieses… Ding… hatte jedenfalls weibliche Züge. Der seltsam gekleidete Typ nickte dem Ding zuversichtlich zu. Dann flog das Wesen an mir vorbei. Ich richtete meinen Blick auf das Etwas und sah zu, wie es vor drei großen Flammen stand. Die Flammen hatten jeweils eine andere Farbe, die eine war rot, die nächste blau und die letzte grün. Dieses Ding hob die ‚Arme’ in die Höhe. Sofort reagierten die Flammen und wurden größer, bis jedes einen Feuerball auf das Wesen schoss. Es wurde von Flammen umhüllt. Augenblicklich flog es durch die Luft und knallte immer wieder gegen unsichtbare Wände, bis es unmittelbar vor dem Kerl landete und ihn anstarrte. Er hielt sein Schwert fest umschlossen und hielt es vor das brennende Etwas. Kleinere Flammen schossen auf die Waffe zu und hüllten es in ein seltsames Licht. Die Flammen des Wesens erloschen mit der Zeit und es schwebte bloß noch in der Luft und sah den Taten des Typen zu. Heroisch hielt er das Schwert in die Höhe. Es wurde länger und auch der Griff hatte sich verändert. Zufrieden blickte das Ding den Kerl an. Er nickte es zu und es verschwand erneut in der Klinge. Dann verschwamm das Bild wieder.

„Langsam nervt es…“, murmelte ich, nachdem ich schon wieder an einem anderen Ort war. Ich blickte auf einen… noch verrückter aussehenden Kerl als der grün gekleidete Typ. Er war komplett weiß und hatte einen mehr als nur seltsamen Haarschnitt, zudem trug er eine Art Umhang in einer roten Farbe. Er… tanzte? Ich war mir ziemlich sicher, dass er tanzte. Und das um ein in der Luft schwebendes Mädchen. Sie trug ein weißes Gewand und hatte goldblonde Haare. Sie schien nicht bei Bewusstsein zu sein, dennoch hatte sie ein gequältes Gesicht. Der Grünling stand vor ihm und hielt sein Schwert in die Richtung des tanzenden Typen. Er bekam scheinbar einen Wutanfall und schleuderte das Mädchen mehrere Meter weit Richtung Himmel. Eine Art Plattform erschien unter ihnen und sie wurden in die Höhe gehoben. Das Aussehen des seltsamen und schon fast gruseligen Typen begann sich drastisch zu verändern. Er hatte nun einen eher braunen Farbton und auch die Frisur hatte sich verändert. Dann begannen die zwei zu kämpfen.

Der Kampf war nach einiger Zeit beendet und der komische braune Kerl starrte seinen Gegner fassungslos an. Doch mit einem Mal begann er laut zu lachen. „Was ist so lustig?“ Aus einem Stein kam ein seltsamer lilafarbener Nebel. Augenblicklich war ein seltsames Monster zum Vorschein gekommen. Es sah aus wie ein Wal mit Schuppen, zwei Beinen und vielen Zähnen, der Stein befand sich an seinem Kopf. „Das ist doch dieser Stein auf dem diese Frau in meinem Traum gelegen hat…“ Das Mädchen über ihm begann zu leuchten und zu schreien, ein goldenes Licht flog auf das gruselige Vieh zu. Sie fiel zu Boden. Der Grünling bekam Panik und rannte los um sie aufzufangen, aber diese Arbeit wurde ihm von einem… anderen sehr seltsam aussehenden Typen abgenommen. „Wieso sehen die alle so komisch aus?“ Der braune Typ lachte vergnügt und sah zufrieden dabei zu, wie das Monster begann sich zu verändern. Ich traute meinen Augen nicht. „Derselbe wie in meinem Traum!“, rief ich. Da ich offensichtlich nicht präsent war machte ich mir keine Sorgen darum, dass ich entdeckt werden konnte. Der braune Kerl verbeugte sich vor ihm, scheinbar war das Monster so eine Art König. Doch er streckte bloß seine Hand aus. Eine Art Energieschub schoss daraus hervor. Der braune Kerl sackte in sich zusammen und wurde in die Luft erhoben, sofort begann er herzhaft zu lachen, als dieses Monster etwas aus seinem Bauch heraus beschwörte. Er hatte nun wieder dieses riesige und bedrohliche Schwert und ließ den braunen Kerl darin verschwinden, genau wie das Wesen von diesem Grünling. Das Monster wandte seinen Blick an eben diesen und zog seine Mundwinkel nach oben. Gebannt sah ich der Situation zu. Doch dann verschwand meine Sicht. „Nein, nicht jetzt!“, rief ich.

„Verdammter Dreck!“, kam es von mir. Das Bild, das sich mir nun bot fand ich sehr überraschend. Der Grünling hatte sein Schwert in den Bauch des Monsters gerammt. Schnell zog er es wieder heraus und machte einen Rückwärtssalto, geradewegs von dem Monster hinweg. Es kam keuchend und röchelnd auf die Beine und starrte den Grünling wütend an. Das Schwert begann sich in dessen Hand aufzulösen. Doch das machte ihm offenbar nicht wirklich etwas aus. Er begann krankhaft zu lachen, bevor er sich selbst ebenfalls in schwarzem Rauch auflöste. Der Grünling hob sein Schwert in die Höhe und absorbierte die Essenz darin. „Cool“, sagte ich erstaunt. „Ich weiß was jetzt kommt…“ Ich seufzte. „Szenenwechsel.“

Der Grünling stand vor einer Art Fels. Es hatte ein Loch in der Mitte, genau die richtige Größe um das Schwert hineinstecken zu können. Er starrte betrübt das weiblich anmutende Wesen an. Es nickte ihm bloß aufmunternd zu und verschwand durch die Scheide in die Klinge des Schwertes. Der Kerl zog zögerlich sein Schwert. Mit ganzer Kraft, unterstützt durch einen heldenhaften Schrei, hämmerte er die Waffe in den Fels hinein. Ein weißes Licht ging davon aus und hüllte den Raum in seiner Pracht. Doch dann erneut…

Schwärze.


Ich fuhr erschrocken auf. Ich lag auf meinem Bett, ein leerer Teller war auf meinem Schoss platziert. Stöhnend rieb ich mir den Nacken. „Schon wieder so ein Traum…“


Es war still und dunkel, einzig in meinem Zimmer brannte das Licht. Ich war wohl eingenickt und hatte vergessen es auszuschalten. Ein einziger flüchtiger Blick aus dem Fenster verriet mir, dass es bereits sehr spät sein musste. Der Himmel war in ein dunkles blau, schon fast schwarz, getaucht worden. Eine dicke Wolkenschicht bedeckte den Himmel, sodass weder Mond noch Sterne zu erkennen waren. Übermüdet rieb ich mir über die Augen und gähnte dabei einmal kräftig. Um mich nach der Uhrzeit zu erkunden nahm ich mein Handy in die Hand und schaltete es kurz ein. „Drei Uhr früh…“ Zwar war es noch zu früh zum aufstehen, allerdings wollte ich auch nicht wieder einschlafen. Normalerweise war schlafen das größte für mich, doch so sehr ich den Schlaf auch liebte, so wenig hatte ich Lust auf einen weiteren Traum dieser Art. Ich nahm mir ein Kissen zur Hand, schüttelte es einmal kräftig aus und legte es sorgfältig an die Bettkante, um mich gemütlich hinsetzen zu können. Gedankenverloren fixierte ich einen unsichtbaren Punkt und dachte nach. Ja, ihr habt richtig gehört, ich dachte tatsächlich nach. Es grenzte fast schon an ein Wunder. So oft wie an diesen Tagen hatte ich noch nie wirklich angestrengt nachgedacht. Es war so viel auf einmal. Zu viel für meinen Geschmack. Ich war zwar immer offen für neues, aber es existierte definitiv ein Limit. Und dieses war bereits dabei überschritten zu werden. Ein Seufzer wurde von mir ausgelassen. „Zeldas Vater hat gemeint ich soll ihn kontaktieren, wenn ich wieder so einen Traum habe“, murmelte ich leise vor mich hin. „Aber ich habe keine Möglichkeit dazu…“ Kein Wunder, ich hatte schließlich weder die Telefonnummer, noch irgendeine andere Kontaktmöglichkeit. Und ich bezweifelte, dass er begeistert gewesen wäre, hätte ich ihn um diese Uhrzeit gestört. Ich beschloss am Montag Zelda zu fragen, ob ich erneut zu ihr zu Besuch kommen könnte, und beließ es dabei.

Einige blonde Strähnen hingen mir ins Gesicht. Ich strich sie behutsam zur Seite. Mir wurde schon oft gesagt ich solle zum Friseur gehen und mir die Frisur schneiden lassen, aber ich mochte meine Struppelfrisur. Bei dem Gedanken daran musste ich leicht schmunzeln. Ich fand es immer sehr lustig, wenn andere anfingen über meinen einzigartigen Haarschnitt zu diskutieren. Meist stand ich daneben, hörte aufmerksam zu und musste versuchen nicht laut loszuprusten. Vor allem die Mädchen, meist in der Klasse, führten hitzige Diskussionen darüber. Das sah dann immer ungefähr so aus:

„Er sollte sich die Haare dringend kürzer schneiden lassen! Das sieht doch abnormal aus!“
„Nein! Ein Link mit kurzen Haaren geht nicht! Er braucht diese Frisur, sonst ist er nicht so süß!“
„Pah, den findest du süß? Mit den Haaren sicher nicht!“
„Halt die Klappe, du hast ja keine Ahnung!“
„Erzähl mir nichts! Ich habe in Bezug auf solche Sachen immer viel mehr Ahnung als du!“
„Wer sagt das?“
„Jeder sagt das.“
„Ach ja? Ich glaub dir nicht. Link behält diesen Schnitt, Basta!“
„Glaub mir, irgendwann werd ich ihn noch zu einem Haarschnitt zwingen…“
„Wenn du das tust!“
„Was ist dann?“
„Dann lernst du mich richtig kennen!“
„Ich geb dir gleich kennen lernen!“

Es war schon seltsam. Wenn ich diese Aufmerksamkeit zu mir heute mit früher verglich, erkannte ich immer sofort den gewaltigen Unterschied. Früher war ich DAS Mobbingopfer schlecht hin. Es wurde sogar schon fast zu einem Trend mich wegen meiner Ohren fertig zu machen. Sogar vollkommen fremde Leute sahen mich deshalb schief an. Ich wusste noch ganz genau, wie wenig Selbstvertrauen ich damals hatte, wie sehr ich mich für meine eigenen einzigartigen Merkmale hasste, wie sehr ich mir gewünscht hatte, dass alle auf der Stelle tot umkippten und ich am besten gleich mit. Es war der pure Horror für mich. Am meisten verletzte die Tatsache, dass es ihnen Spaß machte, mich leiden zu sehen. Irgendwann wollte ich nicht mehr… bis wir endlich umgezogen waren. Ganz weit weg von der alten Stadt. Ich hatte zwar Zweifel, dass ich an der neuen Schule besser empfangen werden würde als an meiner alten, da meine Ohren schließlich immer noch spitz waren, bis ich allerdings den ersten Tag dort hatte. Die Ohren fielen natürlich allen sofort auf, ich wurde schief angestarrt und einige mussten lachen. Ich wurde hochrot und setzte mich alleine auf einen Platz. Dann kam Sven zu mir stolziert – mein bester Kumpel. Er setzte sich neben mich und lächelte mich verschlagen an. Ich hatte schon mit einer Beleidigung gerechnet. Aber das… es war so fremd für mich…

„Hey du, du bist neu, stimmts? Ich bin Sven!“
„H-hallo. Ich heiße Link…“
„Nicht so schüchtern, wir sind alle ganz nett! Na ja, fast alle.“
„Freut mich zu hören.“
„Interessante Ohren hast du da!“
„…“
„Nein, im Ernst! Ich find die sau cool!“
„Ja klar…“
„Nein wirklich, glaub mir! Erinnert mich an Elfen! Ich finde Elfen toll, das sind meine Lieblingswesen of all time!“
„Findest du?“
„Na logisch, Junge! Los komm, setzt dich zu uns. Wir beißen nicht! Jedenfalls haben wir gerade keinen Hunger….“

Ich lächelte, als ich daran zurückdachte. Ohne ihn wäre ich wohl heute noch ein nervliches Wrack gewesen. Einen besseren Kumpel konnte man sich einfach nicht vorstellen.


Ein tiefer und genervter Seufzer entglitt meinen Lippen. Das Wochenende war ein einziger Reinfall, keine wirkliche Entspannung und kein richtiger Schlaf. Mit müden Augen saß ich auf dem unbequemen Stuhl und gähnte einmal herzhaft.
„Junge, du siehst total fertig aus. Was ist los?“
Ich richtete meinen Blick auf und sah Sven vor mir stehen. Er musterte mich ein wenig besorgt, hatte allerdings noch immer dieses für ihn typische Grinsen im Gesicht.
„Nichts besonderes, Alter. Hab nur schlecht geschlafen.“
Die Augen meines Kumpels wurden vor Irritation größer, bis er anfing laut zu lachen.
„Ich kann es nicht fassen, der Elfenkopf konnte nicht richtig schlafen! Du schläfst doch sonst immer so fest, dass man dir heißes Wasser über den Kopf kippen könnte ohne das du es merkst!“
Ich rollte meine Augen und verschränkte meine Arme hinter meinem Kopf.
„Ja man, schon kapiert, mach dich ruhig lustig über mich wenn du keine anderen Hobbys hast.“
Er hatte daraufhin nichts zu sagen, sondern boxte mir nur leicht gegen meinen Arm. Als Antwort hielt ich ihm meinen Mittelfinger ins Gesicht und lächelte dabei wie besessen.
„Ja ja, du mich auch“, kam es von Sven, der mich danach alleine zurückließ und sich auf seinen Platz setzte. Ich grinste ihm hinterher.

Immer wieder warf ich einen flüchtigen Blick auf die Tür. Ich war zwar heute etwas früher dran als sonst, allerdings hoffte ich darauf, dass Zelda sich bald blicken lassen würde. Ich musste noch etwas mit ihr bereden. Aber auch einfach nur so wollte ich sie in meiner Nähe haben. Ein breites Lächeln huschte über meine Lippen, als ich an sie dachte.
„Es ist schon komisch“, ging es durch meinen Kopf, „ich kenne sie gerade mal seit zwei Tagen und trotzdem kann ich sie richtig gut leiden.“
Mein Lächeln wurde breiter als ich sie endlich durch die Tür spazieren sah. Sie grinste mich an und ließ sich auf den Platz neben mir fallen. „Na du?“, sagte sie und streckte ihre Hände aus um mir eine Umarmung zu geben. Ich starrte sie an und war mir nicht sicher, ob ich sie hier in der Klasse in die Arme schließen sollte, die anderen würden sich bloß wieder irgendeinen Blödsinn zusammenreimen. Zelda stöhnte merkbar gespielt.
„Vielleicht heute noch?!“, sagte sie mit einem genervten Ton, allerdings hatte sich noch immer dieses süße Lächeln auf den Lippen. Kurzerhand entschloss ich mich sie einfach zu umarmen. Sollte man doch von uns denken was man wollte, solange ich selbst wusste, dass es bloß freundschaftlich gemeint ist, war alles okay.
„Hey du, ich hab dich noch gar nicht nach deiner Nummer gefragt“, sagte ich zu ihr in einem möglichst lässigen Ton.
„Ja?“, kam es von ihr.
„Also… kannst du mir deine Nummer geben?“
„Klar doch… warte.“ Sie nahm einen Zettel und einen Stift aus ihrer Handtasche, legte es auf den Tisch und begann zu schreiben. „Das hier ist meine Handynummer und das hier die Hausnummer… so, bitteschön!“
Sie nahm den Zettel eilig in die Hand und streckte ihn mir entgegen. Dankend nahm ich ihn ihr ab und steckte ihn in mein Mäppchen.

Der Gong ertönte und wie auf Stichwort trat ein Lehrer ein.
„Hm? Haben wir nicht jetzt Geschichte bei einer Frau?“, fragte Zelda mich leicht verwirrt. Wir stellten uns hin und begrüßten ihn.
„Ja schon… keine Ahnung wer das da ist“, gab ich ihr als Antwort zurück.
Der Lehrer war abnormal groß gewesen, mindesten zwei Meter, kleiner war auf keinen möglich. Er hatte sehr dunkelbraune Haut und seine roten langen Haare zu einem Zopf zusammengebunden. Stechend gelbe Augen und eine große Nase schmückten sein Gesicht. Im Allgemeinen musste er sehr muskulös gewesen sein. An Kleidung trug er ein schwarzes Hemd und eine blaue Jeans. Mit einer tiefen und finsteren, schon fast unwirklichen Stimme begann er zu sprechen: „Mein Name ist Herr Dragmire. Ich werde fürs nächste eure Geschichtslehrerin vertreten, da sie einen… Unfall… erlitten hat. Es wäre hilfreich, wenn ihr ein paar Namensschilder aufstellen würdet.“
Als Herr Dragmire einen Unfall erwähnte, begann das Gemurmel in unserer Klasse. Die Klassensprecherin – Leonie – hob ihre Hand und wurde von dem neuen Lehrer aufgefordert zu reden.
„Was ist mit Frau Kramm denn passiert?“, fragte sie mit leicht besorgter Stimme. Herr Dragmire rümpfte die Nase und machte eine abweisende Handbewegung.
„Das geht euch nichts an“, meinte er streng.
„Den Typ kann ich jetzt schon nicht leiden“, murmelte ich leise in mich hinein. Ich stellte mein Namensschild auf und verschränkte leicht genervt die Arme. Ich wusste nicht ob es bloß reine Einbildung war, allerdings hatte ich das Gefühl, dass er vor allem mich und Zelda immer wieder mit einem strengen Blick musterte, sein gruseliges Gesicht dabei war mir unheimlich. Ich lugte kurz zu Zelda herüber und auch sie schien sich mit dem neuen Lehrer nicht ganz anfreunden zu können.


„Och nö“, murmelte ich in mich hinein, nachdem ich die letzten Hausaufgaben für den Tag in meinem Timer eingetragen hatte. Es war viel zu viel auf einmal. In nahezu jedem Fach gab es eine Aufgabe zu erledigen und vor allem in Geschichte wurde die Klasse von Herr Dragmire nicht verschont. Entnervt und nicht gerade motiviert warf ich den Rucksack auf meine Schulter und verließ den Raum.
„Ich glaub ich spinn!“, hörte ich Sven hinter mir rufen. „Fünf Seiten über die Französische Revolution! Und dabei haben wir das Thema schon vor fast einem Jahr abgeschlossen!“
„Das kannst du laut sagen Alter“, gab ich stöhnen von mir. Mein Kumpel trottete zu mir und kam vor mir zum Stehen. Er fuhr sich gelangweilt durch sein schwarzes, leicht lockiges Haar, so wie immer wenn er genervt war.
„Wie auch immer. Bis morgen Bro“, sagte er. Wir gaben uns zum Abschied die Faust und trennten uns fürs erste. Nun liefen noch und Zelda miteinander.
„Ich weiß nicht…“, sagte sie mit nachdenklicher Stimme. Während dem Laufen starrte sie immerzu den Boden an, nicht für eine Sekunde hatte sie ihren Kopf angehoben und mich zumindest kurz angelächelt. Seit Herr Dragmire den Raum betreten hatte, hatte sie diesen betrübten Gesichtsaudruck angenommen.
„Was?“, fragte ich sie, nachdem einige Zeit vergangen war und Zelda keinen Ton mehr von sich gegeben hatte.
„Dieser Dragmire… irgendwas stimmt mit ihm nicht. Ich weiß nicht wie ich das erklären soll. Es ist viel mehr ein Gefühl, das mir sagt, ich soll mich von ihm fernhalten.“
„Jetzt wo du es sagst.“
Nachdenklich verschränkte ich meine Arme vor der Brust. So etwas in der Art spürte ich auch, doch ich machte mir keine großen Gedanken darüber.
„Nun, er kommt auch nicht gerade sympathisch rüber.“
„Hattest du auch das Gefühl, dass er uns die ganze Zeit beobachtet hat?“, fragte sie mich mit einem schon fast sorgenvollen Unterton. Ich wollte ihr nicht sagen, dass es mir ebenfalls so vorkam, dass würde ihre Sorgen vermutlich nur erhöhen. Ich war mir sicher, sie steigerte sich bloß in etwas hinein.
„Ach, ich bin sicher der hat nur die ganze Zeit auf meine Ohren gestarrt. Die fallen nun mal auf. Du trägst ja die ganze Zeit eine Mütze, also denke ich eher, es war wegen mir.“
„Gut möglich…“

Erschöpft ließ ich mich auf mein Bett fallen. Zelda war bereits bei sich zu Hause, wir hatten uns bereits vor einer Weile voneinander verabschiedet. Mein Onkel war wohl noch auf der Arbeit, jedenfalls war ich nun alleine. Erschöpft schloss ich meine Augen und stöhnte laut. Wegen diesen seltsamen Träumen hatte ich nicht wirklich schlafen können. Über das Wochenende hinweg träumte ich zwar nichts dergleichen, allerdings hatte ich auch nicht wirklich versucht zu schlafen.
„Ich sollte jetzt Zeldas Vater anrufen.“
Genervt schwang ich mich von meinem Bett und griff zu meinem Handy. Den Zettel mit Zeldas Telefonnummern hatte ich in meine Hosentasche gesteckt. Schnell zog ich ihn heraus und wählte die Nummer für ihr Festnetz. Am Hörer piepte es. Ich wartete darauf, dass jemand abnahm und hoffte, dass nicht Zelda rangehen würde. Was sollte ich ihr wohl sagen? Wenn ich ihr sagen würde, ich wolle mit ihrem Vater reden, würde sie sicher denken es geht um den Vorfall von Freitag, doch ich wollte nicht, dass sie dachte, ich würde ihr etwas verheimlichen.
Was ich im Prinzip auch tat, allerdings mehr oder weniger unfreiwillig.
„Major, hallo?“
Ich atmete erleichtert aus, als ich die tiefe Stimme von Zeldas Vater am Hörer vernahm.
„Hallo, hier ist Link.“
„Ah Link, du rufst gerade recht an, ich habe herausgefunden worum es in deinem Traum ging.“
„Freut mich zu hören. Ich wollte auch noch sagen, dass ich letztens wieder so einen Traum hatte. Ich kann mich zwar nicht mehr genau an alles erinnern, aber wenn Sie wollen, kann ich Ihnen soviel wie möglich davon berichten.“
„Alles Klar, dann fang du zuerst an.“
„Okay“, antwortete ich und berichtete ihm von dem Traum, den ich am letzten Wochenende gehabt hatte.
„Hm, wie es aussieht finden die Ereignisse in deinen Träumen in chronologischer Reihenfolge statt. Dein Traum müsste genau nach dem Krieg aus deinem Traum, den du während deiner Ohnmacht hattest, stattgefunden haben.“
„Und wovon genau?“
„Dein erster Traum handelte von dem Siegelkrieg. Die Göttin Hylia befand sich im Kampf gegen den Todbringer und seine Gefolgschaft. Um die Menschen in Sicherheit zu wissen hat sie einen Teil der Erde in den Himmel gehoben, wo sie in Frieden leben konnten. Mit den letzten Bewohnern aus dem Erdland, so wurde die Erde damals genannt, hat sie sich dem Todbringer gestellt. Goronen, Kyus, Parakwa, Mogma und antike Roboter waren die Wesen, von denen du gesprochen hast. Nachdem Hylia den Todbringer besiegen konnte, hatte sie ihn in dem Stein versiegelt, dem Siegelstein. Doch sie wusste, dass dieses Siegel nicht ewig halten würde, genau so wie sie wusste, dass sie ihn kein zweites Mal besiegen konnte. Also hat sie ihren göttlichen Körper aufgegeben, damit sie im Falle eines erneuten Angriffs als Mensch wiedergeboren werden konnte und mithilfe des Triforce das endgültige Ende des Tobringers wünschen konnte. Denn Göttern war es nicht möglich einen Wunsch davon gewährt zu bekommen. Ihre Reinkarnation hast du auch in deinem letzten Traum gesehen. Sie war das Mädchen, um das dieser seltsam aussehende Kerl getanzt hatte. Dieser Kerl war ein Untergebener des Tobringers, der mit ihrer Hilfe seinen Meister wieder zum Leben erwecken wollte. Sein Name war Ghirahim. Er war ein Schwertgeist, sozusagen die Waffe des Feindes.“
„Die Waffe?“
„Ja. Er war ein Schwert. Die große, schwarze Waffe des Todbringers war er.“
„Ok…“
„Genauso wie dieses feminine Wesen aus dem Schwert des Grünlings. Sie ist so etwas Ähnliches wie Ghirahim, das gute Gegenstück könnte man sagen. Sie wurde zusammen mit dem Schwert geschaffen um dem auserwählten Helden zur Seite zu stehen.“
„Und der Held war der Grünling?“
„Korrekt. Dieser Held war dein Vorfahre, Link.“
„Und was hat es mit diesen farbigen Flammen auf sich?“
„Das waren die drei Flammen der Göttinnen. Anfangs war das Schwert nicht sonderlich stark, erst durch die Stärkung dieser Flammen und den Segen Hylias konnte es seine wahre Kraft erhalten und zur legendären Klinge werden. Dem Masterschwert. Dieses Schwert kann nur von dem Auserwählten geführt werden. Es müsste auch heute noch in einem Stein stecken, ich wüsste nur nicht wo.“
„Sehr interessant…“
„Ich hoffe ich konnte dir helfen. Hast du denn auch alles verstanden?“
„Ja, habe ich. Ich müsste jetzt auflegen, ich muss noch Hausaufgaben machen. Jedenfalls rufe ich Sie an, wenn ich wieder träume. Auf Wiedersehen.“
„Ich warte auf deinen Anruf, Link. Bis dann.“

Ich legte das Telefon zur Seite. Es waren schon wieder so viele Informationen auf einmal gewesen. „Es nervt…“


Die Tür gab ein knarrendes Geräusch von sich, als sie geöffnet wurde. Ich trat erschöpft ein und sprang direkt auf das Sofa um mich auszuruhen. Eine Woche war bereits vergangen, vollkommen traumlos und ohne jegliche Komplikationen. Allerdings sollte man in diesem Fall Herr Dragmire nicht dazuzählen. Er war definitiv der schrecklichste Lehrer den es gab und er hatte es eindeutig auf mich abgesehen. Sein Ekel mir gegenüber war nicht zu übersehen. Meinen Namen sprach er stets mit einem solchem Spott und Hass aus, dass es mir jedes Mal eiskalt den Rücken runter lief. Ich wünschte mir sehnlich unsere Lehrerin zurück. Bei ihr hatte Geschichte immerhin noch Spaß gemacht, es war sogar eines meine Lieblingsfächer gewesen. Aber nun war es das meistgehasste Fach in der gesamten Klasse. Sein Verhalten grenzte schon an Mobbing. Die Klasse hatte beschlossen, sollte er sich morgen erneut so aufführen, würden wir es dem Direktor melden. Wie konnte solch ein Lehrer nur zugelassen werden?

Mein Onkel saß ebenfalls auf dem Sofa. Er starrte mich besorgt an. Diesen Blick sah ich seit meiner Verabredung mit Zelda öfters auf seinem Gesicht.
„Man, wieso bist du denn erst so spät zurück?“ „Nachsitzen“, antwortete ich. Ungläubig zog er eine Augenbraue hoch. Immerhin war ich sonst immer so lieb und brav wie kein anderer, nicht einmal in der Grundschule hatte ich auch nur eine kleine Strafarbeit erledigen müssen. „Bei dem Dragmire“, fügte ich noch hinzu. Geräuschlos öffnete er seinen Mund um mir zu verstehen zu geben, dass er verstand.
„Und was hast du so schlimmes angestellt?“ „Wenn ich das wüsste. Er kam nach dem Unterricht zu mir, hat mich wütend angesehen und mir die Strafe aufgelegt. Ich musste dann da bleiben und er hat mich dabei die ganze Zeit beaufsichtigt. Mit einem richtig gruseligen Gesicht. Richtig creepy.“
Als Antwort bekam ich bloß ein Einfaches „Hm“ zu hören. Genervt stand ich wieder auf und machte mich auf den Weg in mein Zimmer.
„Hey, willst du nichts essen?“ „Ne hab kein Hunger.“ „Wie du meinst….“

Sofort warf ich mich auf das Bett. Ich zog meine Hose aus und warf sie achtlos auf den Boden, mein T-Shirt behielt ich an. Gemütlich kuschelte ich mich in meine Decke ein und versuchte zu schlafen. Und es funktionierte überraschend einfach und schnell.

Ein Junge. Ein kleiner Junge gekleidet in dem Grün der Wiesen. Auf seinem Rücken trug er ein kurzes Schwert und einen Schild aus Holz mit einem aufgemalten Zeichen in roter Farbe. Er müsste um die zwölf Jahre alt sein, vielleicht auch etwas jünger. Um ihn herum schwirrte eine leuchtende blaue Kugel mit kleinen durchsichtigen Flügeln. Es zog eine Spur aus funkelndem Glitzer hinter sich her. Dem Jungen stand ein hübsches kleines Mädchen gegenüber. Sie musste ungefähr in demselben Alter sein. Ihre Haare waren in eine Art Kopftuch gehüllt und ihre Kleidung bestand aus einem königlich anmutenden Kleid. Ich stand unmittelbar neben ihnen, doch sie schienen mich nicht zu bemerken.
Es musste sich erneut um einen Traum handeln. Allerdings besaß ich dieses Mal einen physischen Körper.
Das Mädchen wollte von dem Jungen, dass er durch das Fenster in ein prächtiges Gebäude sah. Ich stellte mich vorsichtig neben ihn und sah ebenfalls hinein. Ein riesiger Hüne kniete sich vor einem Thron nieder. Er hatte rote Haare und war braun gebrannt, seine Nase war recht spitz. Seine stechend gelben Augen zeigten keinerlei Emotionen, auch wenn ich mir sicher war, dass ich eine Spur von Habgier und Schadenfreude in ihnen erkennen konnte. Dieser Mann kam mir unheimlich bekannt vor. Ich dachte scharf darüber nach, es musste jemanden geben den ich kannte und der so aussah wie der kniende Hüne vor dem Thron. Nach kurzem Überlegen blieb mir kurz die Luft weg. Die Erkenntnis fiel mir wie die Schuppen von den Augen. Er sah aus wie Dragmire, haargenau so. Einzig und allein in der Kleidung unterschied er sich von der Vertretung meiner Geschichtslehrerin.

Mit einem Mal drehte er seinen Kopf zu dem Fenster und starrte mich an. Oder er starrte den Jungen an, ich war mir nicht sicher. Sein Blick war von purem Hass getränkt. Augenblicklich schreckte der Junge zurück und wandte sich sofort wieder an das Mädchen. Sie unterhielten sich. Zumindest sah es so aus. Ihre Münder bewegten sich, aber kein Ton war zu hören, obwohl sie sich direkt neben mir befanden. Überhaut herrschte hier eine unheimliche Stille. Kein einziges winziges Geräusch konnte ich vernehmen, kein Tier, kein Insekt, nicht einmal das Pfeifen des Windes, obwohl ich ihn ganz deutlich auf meiner Haut spürte.

Ein relativ kurzes Gespräch zwischen dem Jungen und dem Mädchen endete und der Junge verließ den Ort. Ich folgte ihm, wenn auch mehr oder weniger unfreiwillig. Meine Beine bewegten sich von selbst hinter ihm her.

Außerhalb bemerkte ich, dass ich mich in einem Schloss befunden haben musste. Es war wahrscheinlich das Schloss der königlichen Familie wovon Zeldas Vater mir erzählt hatte. Jetzt gerade im Moment befand ich mich wohl in der Hauptstadt. Es gab einen riesigen Markt mit viel Trubel, an jeder noch so kleinen Ecke war etwas los. Hektische Menschen in Eile, gaffende Bewunderer der zum Verkauf stehenden Gegenstände, ruhige Leute mit guter Laune und viel Spaß, Wachen in ritterlichen Rüstungen und auch einige Obdachlose hielten sich in dieser großen Stadt alleinig am Marktplatz auf. Der Junge rannte geradewegs aus dieser Stadt hinaus. Mithilfe einer Zugbrücke konnte man den Graben überwinden, welcher die Stadt von einer großen Ebene trennte. Es dämmerte bereits und der Einbruch der Nacht stand kurz bevor. Die Tageszeit änderte sich unnatürlich schnell. Der Junge war bereits verschwunden und ich stand alleine vor dem Eingang zur Stadt. „Jetzt könnte ich auch aufwachen.“

Die Nacht dauerte viel länger, als der Tag gedauert hatte, gefühlte zehn Stunden war es bereits stockdunkel. Nachdem die Sonne untergegangen war wurde die Zugbrücke hochgefahren, ich konnte also nicht zurück in die Stadt gehen und mich genau umsehen. Genauso wenig hatte mein Gehirn es wohl nötig endlich wieder aufzuwachen. Aus dem Boden kamen immer wieder untote Skelette heraus gekrochen und wandelten orientierungslos durch die Gegend. Mich selbst ignorierten sie gekonnt. Ich hatte mich hingesetzt und versucht es mir gemütlich zu machen. Doch ich langweilte mich unglaublich stark. In Wirklichkeit waren mit Sicherheit nur ein paar Minuten vergangen und ich saß hier in dem Traum gefühlte Stunden fest. Ein kräftiger Seufzer entglitt meinen Lippen und ich beschloss kurzerhand mich hinzulegen.

Die Sterne glitzerten wunderschön am Nachthimmel des mir unbekannten Landes. Aus purer Langeweile versuchte ich ein paar Sternenbilder zu erkennen, aber ich fand keines, dass mir bekannt war. Vermutlich lag es an dem extremen Zeitunterschied, der zwischen der damaligen und der heutigen Zeit bestand.
Plötzlich kamen in einem rasendschnellen Tempo dunkle Wolken auf, die jeden noch so kleinen Fleck des Sternenhimmels bedeckten. Ein riesiger Blitz erhellte die Düsternis der Nacht und sofort begann es wie aus Eimern zu regnen. Doch die seltsame Stille herrschte noch immer, sodass ich weder das Prasseln des Regens noch einen Donner hören konnte. Aber spüren konnte ich ihn ganz deutlich, binnen weniger Sekunden war meine Kleidung vollkommen durchnässt und eine fröstelnde Kälte durchfuhr mich. Wäre es kein Traum gewesen hätte ich sofort versucht einen Unterschlupf zum trocken bleiben zu suchen. Ich stellte mich auf und gab erstmal ein fluchendes Wort von mir. Wieso musste alles in diesen Träumen auch so realistisch sein? Etwas weiter weg konnte ich bei genauerem hinschauen etwas Grünes erkennen, das immer näher in meine Richtung kam. Es war sicher der Junge aus dem Schloss. Als er nahe bei mir war blieb er sofort stehen und starrte an mir vorbei. Ich drehte mich um und sah, dass die Zugbrücke sich langsam öffnete. Sofort rannte ein Pferd mit Höchsttempo aus der Stadt heraus, auf seinem Rücken trug es das kleine Mädchen und eine ältere Frau. Ich konnte sie nicht genau erkennen, das Pferd war zu schnell unterwegs. Der grün gekleidete Junge sah ihnen mit einem irritierten Gesichtsausdruck hinterher. Das Mädchen warf etwas Blaues in den Wassergraben. Ich rannte an die Stelle wo es landete und konnte wage einige Umrisse im Wasser erkennen. Genau konnte ich nicht deuten, was das darstellen sollte, aber ich tippte darauf, dass es sich um ein Instrument handeln musste. Ein seltsam geformtes Blasinstrument oder ähnliches. Langsam drehte ich mich um und wartete darauf, dass der Junge dieses Etwas aus dem Graben fischte. Doch dieser wurde aufgehalten. Von dem riesigen Mann aus dem Schloss auf einem pechschwarzen Pferd. Der Junge hatte sein Schwert gezogen und starrte den Hünen mit einem ernsten Blick an. Allerdings zeigte dieser sich vollkommen unbeeindruckt und lachte belustigt. Jedenfalls sah es so aus als würde er lachen. Abweisend hob er seine Hand. In dieser lud er eine Art gelbe Kugel aus Energie auf und schoss den kleinen Jungen damit ab. Er hielt dem Druck des Angriffs nicht stand und fiel einige Meter weit von dem Mann weg. Empört richtete er sich auf und sah in mit einem schmerzlichen Gesichtausdruck vom Boden aus in die Augen. Ich wollte schon los schreien und dem Jungen zur Hilfe eilen, doch in dem Traum konnte mich so oder so niemand wahrnehmen, es würde sich also nicht lohnen etwas zu versuchen. Ohne sich weitere Gedanken um das Kind zu machen ritt er weiter in die Schwärze der Nacht.

Das Kind richtete sich auf und klopfte sich den matschigen Dreck so gut es ging von seiner Kleidung. Nachdem der Mann verschwunden war hatte es sofort aufgehört zu regnen, doch ich war noch immer klatschnass. Die fliegende Kugel flog aus seiner Mütze heraus und der Junge schien sich offenbar mit ihr zu unterhalten. Das Gespräch dauerte nicht lange, kurze Zeit später begab das leuchtende Etwas sich wieder unter die Kopfbedeckung des Jungen und dieser sprang sofort in das Wasser um das Artefakt von dem Mädchen hervor zu holen. Ich hatte wohl recht mit meiner Vermutung, es handelte sich dabei definitiv um ein Blasinstrument. Just in dem Moment war die Sonne aufgegangen und die Zugbrücke wurde erneut ausgefahren. Der Junge stieg aus dem Wasser und ging in die Stadt hinein. Ich folgte ihm.

Der Junge ging dieses mal an einen Ort, der mir bei meinem ersten Aufenthalt in dieser Stadt nicht aufgefallen war. Es war ein großes Gebäude ganz in braun, wohl eine Art Kirche oder etwas Ähnliches. Ich folgte dem Kind in das Innere und staunte nicht schlecht. Es hatte etwas Mysteriöses an sich. Der Raum war komplett in weiß gehalten, der Boden musste aus einem noch edleren Stein als das in Zeldas Villa gemacht sein. In der Mitte befand sich eine Plattform, auf der das Triforce abgebildet war und etwas weiter weg ein Podest. Neben diesem gab es eine Treppe, die zu einer großen verschlossenen Tür führte. Gleichzeitig mit meinem Eintreten meldete sich auch mein Gehörsinn wieder. Ich konnte jeden einzelnen Schritt hören, der von dem Jungen getan wurde, jedes einzelne Tun echote im gesamten Raum. Langsam folgte ich ihm in die Richtung des Podests. Davor kam er zum Stehen. Vorsichtig nahm er drei verschiedene, wunderschön aussehende Edelsteine aus seiner Tasche, einer war grün, einer rot und der andere blau. Jeder hatte jeweils eine individuelle Form und war mit etwas Gold geziert. Der Junge legte die Steine behutsam auf dem Podest ab. Unmittelbar danach zog er sofort das Instrument von dem Mädchen aus der Tasche und begann eine liebliche und mir fern vertraute Melodie zu spielen.

Der Junge beendete sein Spielen und sofort öffnete sich die schwere Tür hinter der Treppe wie von Geisterhand ganz von selbst. Der Junge entfernte sich von seinem Aufenthaltsort und stieg die Treppe nach oben, langsamen Schrittes folgte ich ihm, geradewegs durch die Tür. Etwas weiter weg in der Mitte des nächsten Raumes gab es einen Stein, wo etwas drinsteckte. Ein einzelner Lichtstrahl viel darauf und sorgte dafür, dass dieses Ding das erste war, worauf man in diesem Raum achtete. Die Kugel flog sofort aus der Mütze des Kindes und bewegte sich in einem rasanten Tempo darauf zu. So als wäre es aufgeregt tanzte es schon beinahe um den Gegenstand in dem Stein herum. Der Junge kam mit Ehrfurcht langsam näher. Er atmete einmal tief ein und aus, bevor er seine Hände um den Griff des Gegenstandes legte und ihn vorsichtig herauszog. Nun konnte ich erkennen worum es sich handelte. Es war ein Schwert, dasselbe Schwert wie das des Helden aus meinem vorigen Traum. Ein grelles Licht kam aus dem Spalt des Steins geschossen und blendete mich. Ich hörte bloß noch ein dunkles Lachen…

Schnell schlug ich meine Augen auf. Ein seltsames Geräusch hatte mich aus meinem Schlaf gerissen, was ich allerdings nicht unbedingt schlecht fand. Einige Zeit brauchte ich um meine Sinne vollständig wahrzunehmen. Es war noch mitten in der Nacht. Schlaftrunken stieg ich aus meinem Bett und schaltete das Licht ein. „Was zum…“ Ich war komplett nass, meine Haare als auch meine Kleidung trieften vor Wasser. So wie es in meinem Traum war, vollkommen durchnässt von dem Regen. „Zum Teufel?“


Sofort griff ich zu meinem Handy und wählte die Nummer von Zeldas Festnetz. Es war zwar gerade mal vier Uhr in der Früh, aber ich musste unbedingt wissen, warum ich nun so verdammt nass war. Nachdem ich gewählt hatte führte ich das Gerät an mein Ohr und lief währenddessen nervös durch mein Zimmer. „Hoffentlich geht er ran und ist nicht wütend…“, murmelte ich geistesabwesend vor mich hin. „Link, bist du das?“ Mit einem Mal blieb ich stehen und spürte, wie die Farbe aus meinem Gesicht wich. Es war die Stimme von Zelda, die ich am Ende des Hörers vernehmen konnte. „Wieso rufst du mich um die Zeit an? Ich habe gerade noch im Bett gelegen.“ „Oh tut mir Leid“, sagte ich zu ihr und überlegte angestrengt, was ich ihr nun sagen sollte. „Ich wollte mit deinem Vater reden.“ „Mit meinem Vater?“, fragte sie mich überrascht. „Warum denn mit dem?“ „Ja weißt du…“ Nun befand ich mich in einer echt blöden Situation. Was war nun eine Option? „Mein Onkel wollte, dass ich über etwas mit ihm rede.“ Die Worte „Bitte kauf mir das ab!“ gingen in diesem Moment an die tausendmal in meinem Kopf umher. Ich konnte ein Seufzen hören. „Na gut“, sagte sie, „mein Vater ist gerade wach geworden. Ich geb ihn dir mal.“ Erleichtert atmete ich einmal ein und wieder aus. „Danke! Ich hoffe ich habe dich nicht geweckt.“ „Keine Sorge, ich konnte heute sowieso nicht wirklich schlafen.“

„Link“, hörte ich nun die tiefe Stimme von Zeldas Vater. „Was ist der Grund für deinen Anruf?“
„Es tut mir wirklich sehr Leid, dass ich so früh anrufe, aber nach meinem Traum diese Nacht ist etwas verdammt Komisches passiert und ich muss unbedingt wissen woran es liegt.“
„Etwas Komisches sagst du? Ich höre.“
„In meinem Traum hat es ganz plötzlich angefangen wie aus Eimern zu regnen. Als ich dann aufgewacht bin war ich so nass wie es in dem Traum war. Ich bin immer noch total nass und mir ist kalt.“
„Hm… das ist nicht gut Link.“
„Was meinen Sie.“
„Wenn meine Vermutung stimmt, dann ist dein physischer Körper mit dem aus deinem Traum verbunden. Insofern du in deinen Träumen also einen Körper besitzt, überträgt sich alles was mit dir passiert auch auf deinen Körper in der Realität.“
„Wie bitte?!“
„Link, ich weiß es ist schon etwas länger her, aber bist du in deinem ersten Traum auf den Kopf gefallen?“
„Ich…“ Sofort legte ich meine Stirn in Falten. Genau konnte ich mich wirklich nicht mehr erinnern, aber ich meinte, da wäre etwas in der Art gewesen. „Ich glaube schon. Nach einem Erdbeben oder so. Warum?“
„Als du wieder aufgewacht bist hattest du schreckliche Schmerzen an deinem Hinterkopf. Ich schätze, dass kommt auch daher, dass du dir in deinem Traum weh getan hast.“
„Hä? Ich dachte ich wäre einfach nur auf den Kopf gefallen, als ich ohnmächtig geworden bin.“
„Selbst wenn, es wäre nie im Leben so schlimm gewesen wie es letztendlich war. Du bist immerhin auf einem sehr weichen Teppich gelandet. Außerdem hat Zelda mit damals erzählt, dass du zur Seite gekippt bist und nicht gerade nach hinten.“
Meine Augen weiteten sich. Wenn das stimmte, was er mir gerade erzählte, dann konnte ich sterben sollte ich mir im Traum eine ernsthafte Verletzung hinzufügen. Auf einmal war die ganze Sache nicht nur nervig und verwirrend, sondern auch noch extrem gefährlich.
„Mach dir am besten nicht allzu viele Gedanken darüber und halte dich in deinen Träumen so weit wie möglich von Extremsituationen fern. Wenn die Personen dich weiterhin nicht wahrnehmen können wirst du auch nicht angegriffen werden.“
Ich nickte mit dem Kopf, als Zeichen, dass ich ihn verstanden hatte, auch wenn es nicht viel Sinn machte, da Zeldas Vater mich über das Telefon nicht sehen konnte.
„Ich muss jetzt auflegen, Link. Es ist noch sehr früh. Gute Nacht wünsche ich dir noch.“
„Ich Ihnen auch“, sagte ich, ehe das Piepen am Ende des Hörers zu vernehmen war. Fassungslos senkte ich meinen Arm und warf das Handy auf mein Bett.

Der nächste Tag in der Schule war grauenvoll gewesen. Zelda war anscheinend krank, jedenfalls hatte sie Niemandem Bescheid gesagt, und auch Sven hatte sich aufgrund eines Fußballspiels im Ausland, wo er mit seinem Verein teilnahm, abgemeldet. Nun war ich also alleine in der Klasse, wo mir alle auf die Nerven gingen und ich konnte mit keiner einzigen Person vernünftig reden. Als wäre das noch nicht genug wollte mir der Gedanke, ich könnte in meinen Träumen umkommen, nicht aus dem Kopf gehen. Herr Dragmire war ebenfalls keine große Hilfe, im Gegenteil, jetzt da Zelda nicht da war begann er mich unaufhörlich zu terrorisieren. Das schon teilweise so krass, dass unsere Klasse beschlossen hatte es beim Direktor zu melden. Jeder darauf folgende Tag lief so ab. Zelda war nicht da und die Geschichtsvertretung ging mir gehörig auf den Geist. Immerhin konnte ich einen kleinen Lichtblick erkennen, nachdem mein bester Kumpel wieder zurück war. Allerdings bereitete es mir Sorgen, dass Zelda nach ungefähr zwei Wochen noch immer nicht in den Unterricht gekommen war und so beschloss ich, dass ich sie besuchen und fragen würde, was los war.

Da war ich also nun, vor dem Eingang in die Gasse, der Weg zu Zeldas wunderschönem zu Hause. Wie sie wohl reagieren würde, wenn sie mich vor ihrer Tür sah? Würde sie glücklich darüber sein, überrascht oder was konnte ihre Reaktion sein? Ich wollte sie zwar anrufen und Bescheid sagen, aber sie war weder an ihr Handy noch an das Festnetz gegangen. Ich lief den elendig langen Gang entlang und versuchte mein Herzklopfen gekonnt zu ignorieren. Das war das letzte was ich brauchte, Herzklopfen wegen einem verdammten Mädchen. Ein verdammt hübsches Mädchen. Aber immerhin hatte ich sie zwei Wochen lang nicht mehr gesehen, meine Nervosität war mit Sicherheit nicht unbegründet.

Die knarrende Holztür schloss ich ganz vorsichtig hinter mir. Wieder stand ich in diesem wunderschönen Garten. Es verschlug mir jedes Mal die Sprache. Langsam ging ich in Richtung der Villa um zu klingeln. Oder doch lieber anklopfen? Was würde weniger aufdringlich sein? Und warum dachte ich wieder über solch unwichtige Kleinigkeiten nach? Ich würde nie eine Antwort darauf bekommen. Auf halbem Weg konnte ich erkennen wie jemand am Rand des Brunnens saß. Ein Mädchen, mit Sicherheit Zelda. Nun wurde ich noch viel nervöser als vorher, na toll. Mit einem Ruck ging ich näher zu ihr heran, und mit jedem Schritt überkam mich ein immer schlechter werdendes Gefühl. Zelda sah schrecklich aus. Ihre Kleidung war komplett zerfetzt und dreckig, ihre Haare zu einem unordentlichen Pferdeschwanz hochgesteckt und ihre Arme…. Was sah ich da? Ich war mir nicht sicher, aber ich hatte ein ungutes Gefühl. Ohne einen Ton zu machen stellte ich mich unmittelbar neben sie, aber sie bemerkte mich nicht, so wie die Figuren in meinem Traum. So als wäre ich unsichtbar. Mit starrem und leerem Blick sah sie in die Ferne, ihr Gesicht war fleckig, vermutlich weil sie geweint hatte. Und allem Anschein nach sprach sie mit sich selbst, allerdings in einer Sprache, die ich nicht kannte. Jedenfalls konnte ich nicht genau verstehen was sie von sich gab, sie sprach sehr undeutlich und leise. Sehr vorsichtig musterte ich sie. Mit einem gewaltigen Schrecken stellte ich fest, dass meine Vermutung stimmte… sie hatte sich geritzt. Ihre Arme waren blutverschmiert und mit lauter tiefen Kratzern übersehen, anscheinend war das letzte Mal, als sie diese Tat begangen hatte, noch nicht so lange her. Mit geweiteten Augen und pochendem Herzen starrte ich Zelda an – ein deprimiertes Mädchen, das sich schon beinahe selbst umbrachte. „Zelda?“, fragte ich sie mit zittriger Stimme. Keine Reaktion ihrerseits, also versuchte ich es noch einmal. „Zelda? Ich bin es, Link. Ich habe mir Sorgen um dich gemacht, weil du so lange in der Schule gefehlt hast. Was ist passiert?“ Ich starrte sie weiterhin fassungslos an. Endlich tat sie etwas. Langsam drehte sie ihren Kopf zu mir. „Link?“, fragte sie so leise, dass man es kaum verstehen konnte. Augenblicklich begannen ihre Augen sich mit funkelnden Tränen zu füllen. Sie stand vorsichtig auf und musterte mich ein wenig ungläubig. Doch dann fiel sie mir plötzlich um den Hals und begann bitterlich zu weinen. Ich wusste nicht was ich tun sollte, ich war sichtlich überfordert. Stocksteif stand ich wie angewurzelt auf der Stelle, unfähig mich auf irgendeine Art und Weise zu bewegen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit gab ich mir einen Ruck und legte vorsichtig meine Arme um sie. Das Geräusch von ihrem kläglichen Weinen gefiel mir überhaupt nicht, es machte mich traurig und depressiv. Ich wollte sie unbedingt aufheitern, ihr helfen. Aber dazu musste ich erst einmal herausfinden, was sie so schrecklich bedrückte. „Zelda, was ist passiert?“, fragte ich sie noch einmal, dieses mal noch vorsichtiger. Langsam löste sie sich von mir und sah zu Boden. „Mein…“ Ihre Stimme brach ab und sie begann wieder laut zu schluchzen. Ihre Tränen wurden mehr und sie schlug ihre Hände vor das Gesicht, nur um noch lauter weinen zu können. Ich geriet in Panik und reagierte instinktiv – beide Hände legte ich auf ihre Schultern und zwang sie dazu, mir ins Gesicht zu sehen. Ihre Lippen bebten und ihre Augen waren knallrot geworden. „Zelda, du musst mir sagen, was passiert ist!“, sagte ich in solch einem befehlenden Ton, dass es mir im Nachhinein zu übertrieben vorkam. „Mein… mein…“, begann sie wieder, doch erneut begann sie wieder zu schluchzen und zu weinen, ihr Kopf senkte sich und das Schluchzen wurde noch lauter. „Zelda!“, schrie ich aus lauter Frust und hoffte auf eine Antwort. Irgendwie musste ich ihr doch helfen können. „Mein Vater ist tot!“, schrie sie mir ins Gesicht und riss sich von mir los. „Was?“, fragte ich sie mit leiser Stimme. Ich konnte nicht glauben, was ich gerade gehört hatte. „Tot! Ermordet! Gefoltert! Er ist einen schrecklichen Tod gestorben!“, rief sie weiter, während sie zu Boden sank und weiter weinte.


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BeitragThema: Re: The Legend of Zelda: Lost Stories   Sa Mai 10 2014, 11:04

Etwas, ganz egal was, musste ich doch für sie tun können. Aber was bitte, was? Diese Art von Situation war so neu für mich, so fremd. Zelda war nun ein verwaistes Mädchen, hatte eine wichtige Person in ihrem Leben verloren und vermutlich auch keine Verwandten, bei denen sie nun leben konnte. Sie hatte gesagt er wurde ermordet. Wer war für solch eine schlimme und unmenschliche Tat verantwortlich? Die Wut übernahm Besitz von meinem Körper, ließ mich meine Zähne zusammenbeißen und meine Hände zu Fäusten ballen. Ich schwor mir der Person, die dafür verantwortlich war, schlimmeres anzutun als wie der Tod je sein könnte. Wer auch immer so etwas tat, für so jemanden war der Tod zu gut. So jemand hatte es verdient in der hintersten Ecke der dreckigsten Höhle zu verrotten und einsam einen langwährigen qualvollen Tod zu sterben in Hunger, Not und Verzweiflung. Für so jemanden kam jede Hilfe bereits zu spät.

Ich starrte sie an. Mehr tat ich nicht. Ich starrte sie einfach nur an! Zelda heulte, schluchzte, lag auf dem Boden und schlug immer wieder auf das Gras ein. Und ich konnte nichts tun. Ein toller Auserwählter war ich, der noch nicht einmal einer Freundin aus so einer Lage heraushelfen konnte? Aber was sollte ich auch tun? Ich wusste zwar wie es war ohne Eltern zu leben, aber anders als Zelda konnte ich meine nie kennen lernen, konnte nie eine Beziehung zu ihnen aufbauen. Und Zelda hatte ihr ganzes Leben mit ihrem Vater verbracht, war mit ihm aufgewachsen, hatte vieles mit ihm erlebt und hatte ihn geliebt. Und nun war er plötzlich fort, für immer, ohne Aussichten auf eine Rückkehr. Ganz plötzlich und ohne eine Vorwarnung. Was war denn eigentlich mit ihrer Mutter? Es würde wohl besser sein sie nicht nach ihr zu fragen, sie war wahrscheinlich schon verstorben. Würde ich sie jetzt darauf ansprechen dann würde es ihr bloß noch viel schlechter gehen. „Verdammt!“, schrie ich innerlich in mich hinein. Es machte ich krank sie so zu sehen, es machte mich krank ihr nicht helfen zu können, in diesem Moment machte ich einfach alles krank! Warum musste es auch ausgerechnet sie so schlimm treffen? Zelda war so ein liebes Mädchen, sie war die Letzte, die so etwas verdient hatte. Das Schicksal konnte einfach nur grausam sein.

Eine gefühlte Ewigkeit tat sich nichts. Einfach gar nichts. Ich stand weiterhin einfach nur da, versuchte die unkontrollierbare Wut in mir zu bändigen, starrte sie an und hörte immer wieder ein Schluchzen, das an mein Ohr drang und sämtliche Sicherungen in mir durchbrennen ließ. Wenn sich nicht bald etwas tat würde ich noch durchdrehen und hier Amok laufen, dabei krankhaft nach dem Mörder suchen und ihn eigenhändig bestrafen. Aber ich wollte ganz bestimmt nicht, dass mir ausgerechnet jetzt schwindelig wurde. „Scheiße, scheiße, scheiße, scheiße. Nicht jetzt verdammter Dreck noch mal!“ Doch die Gedanken halfen mir auch nicht weiter. Ich wusste bereits zu gut, dass ich die Träume nicht verhindern konnte. Trotzdem versuchte ich mich dagegen zu wehren. Es war der schlechteste Zeitpunkt, den man sich hätte aussuchen können. Vor mir drehte sich alles immer schneller, mir wurde übel, meine Beine fühlten sich an wie Pudding, aber ich musste wach bleiben. Ich musste wach bleiben und Zelda beistehen. Ich musste gegen die Müdigkeit und den Schwindel ankämpfen! Aber es half alles nichts. Ich war zu schwach. Meine Beine gaben nach und ich fiel auf die Knie, im letzten Moment stützte ich mich noch mit den Händen ab. Immer wieder gab ich mir kleine Ohrfeigen und flüsterte: „Bleib wach, bleib wach, bleib wach, bleib wach, …“ Es war ja sogar ein Brunnen in der Nähe! Wenn ich mir etwas von dem kalten Wasser ins Gesicht spritzte würde ich mit absoluter Sicherheit etwas wacher werden. Aber ich schaffte es nicht mehr. Gerade als ich mich umdrehte und meine Hand nach dem Brunnen ausstreckte knallte ich auf den Boden und verlor das Bewusstsein.

„So ein Scheißdreck… hoffentlich dauert das nicht zu lange…“, murmelte ich verärgert in mich hinein. Es musste auch ausgerechnet in solch einem unpassenden Moment passieren! Nach zwei Wochen! Hätte es nicht früher sein können? Gestern oder so? Aber nein, natürlich musste es jetzt sein! Vielen Dank, an wen auch immer. Ich. Hasse. Dich. Vorsichtig atmete ich einmal tief durch um mich zu beruhigen. Mich jetzt aufzuregen würde niemandem weiterhelfen. Aber es war auch verdammt scheiße, dass es ausgerechnet jetzt passieren musste, das konnte niemand abstreiten.

Nachdem ich eine kleine Weile weiter in mich hinein geflucht hatte bemerkte ich, dass ich mich in exakt demselben Raum befand wie zum Schluss von meinem letzten Traum. Allerdings herrschte hier nun eine komplett andere Atmosphäre. Es war düster und kalt, nur mattes Sonnenlicht, das durch die großen Fenster schien, spendete dem riesigen Saal ein wenig Licht. Letztes Mal kam mir das Gebäude wie eine Heiligkeit vor, nun schien sie jede Heiligkeit verloren zu haben. Es war derselbe Ort, aber er lag in einem sehr krassen Kontrast zu meinem letzten Traum. Direkt neben mir befand sich eine kleine Erhebung, in der zuletzt, dieses Schwert in einem Stein gesteckt hatte, nun war dort nichts mehr. Dieser Stein hatte mit Sicherheit eine noch größere Bedeutung, bloß wüsste ich nicht welche. Ich wusste nur, dass das Schwert sehr wichtig sein musste. Das „Masterschwert“ oder wie auch immer Zeldas Vater es genannt hatte. Es sah schon ganz cool aus, es wäre schon ziemlich geil es mal selbst verwenden zu dürfen. Aber das war jetzt im Moment nur Nebensache. Vor dem Stein erschien ohne jegliche Vorwarnung eine in einem kräftigen Blau leuchtende Lichtsäule. Sie verschwand so schnell wie sie gekommen war und ließ bloß einen jungen Mann zurück. Er sah den anderen Jungen aus meinen letzten Träumen sehr ähnlichen, vermutlich war es sogar derselbe wie aus meinem letzten, er war bloß älter. Ich schätze ihn auf 17 oder 19 Jahre. Er mutete sehr muskulös an, jedenfalls war er deutlich stärker als ich. Aus seinem Rücken trug er das „Masterschwert“ und einen Schild. Er unterhielt sich eine Weile mit der blau leuchtenden Kugel, auch wenn ich kein Wort verstehen konnte. Ja, ich konnte sie dieses Mal sprechen hören, aber sie sprachen eine mir fremde Sprache, auch wenn sie mir bekannt vorkam. „Moment…“, flüsterte ich. „Das ist doch…“ Nun fiel es mir wieder ein. Es war exakt dieselbe Sprache, die auch Zelda gesprochen hatte, bevor sie mich bemerkt hatte. Das musste irgendeine Bedeutung haben.

Nun war ich mir sicher, dass die Kugel ein Lebewesen sein musste. Sie machte Geräusche und sprach die Sprache auch. Vielleicht war es ein sprechendes, leuchtendes Insekt oder ähnliches.

Nach nur kurzer Zeit machte das Ding es sich unter der grünen Zipfelmütze des Jungen gemütlich. Er wollte sich gerade umdrehen und zum Ausgang begeben, als plötzlich ein seltsames Geräusch zu hören war. Ich konnte es nichts zuordnen, genauso wenig konnte ich irgendetwas Verdächtiges finden. Der Mann vor mir blieb augenblicklich stehen und verharrte einen Moment in seiner Position. Angespannt starrte ich ihn an und wartete auf eine Reaktion. Schnell zog er Schwert und Schild von seinem Rücken und drehte sich um, fixierte dabei mit ernstem Blick einen anderen Mann. Ich hatte nicht mitbekommen wie er hierher gekommen war. Für mich sah er aus wie eine Kreuzung aus Ninja und Assassine. Seine Haare waren in eine Art Kopftuch gehüllt, trotzdem hingen noch eine Menge Strähnen heraus, er schien längere Haare als ich zu haben und das auch noch in einem goldenen Blond. Dazu kam noch, dass er ein Mundtuch trug, welches ihm bis zur Nase hochgezogen wurde und nur noch seine stechend roten Augen zu sehen waren. Sie unterhielten sich noch etwas länger, bis der Junge plötzlich kehrt machte und aus der ‚Kirche’ oder was auch immer das hier war verschwand.


Natürlich folgte ich dem Typen nach draußen, was hätte ich auch sonst tun sollen? Ach wenn es hier nicht mehr ganz so schön war wie beim letzten Mal. Es war seltsam kalt hier draußen und ein kräftiger, peitschender Wind sauste an meinen Ohren vorbei, ließ meine Kleidung mitsamt Haaren tanzen und die Pflanzen um mich herum beinahe umknicken. Der Himmel war in ein blutiges Rot getaucht und die gesamte Stadt vollends zerstört. Dazu kam noch, dass hier überall irgendwelche Zombies herumliefen und schreckliche Schreie von sich gaben. Ich war zwar ein Fan von Zombieapokalypsen und solchen Geschichten, aber trotzdem hatte ich nie vorgehabt selbst einem zu begegnen. Ganz langsam und vorsichtig folgte ich dem Mann. Ohne irgendwelche Anstalten zu machen die untoten Viecher auch nur eines einzigen Blickes zu würdigen lief er einfach an ihnen vorbei und verließ den Marktplatz über die Zugbrücke und damit gleichzeitig auch die Stadt. Diese ganzen ‚Helden’ aus meinen Träumen waren schon verdammt krank. Der eine sprang einfach von einer Plattform in die Tiefe und kämpfte gegen ein riesiges Monster, der andere wollte es mit einem überdimensional großen Typen mit magischen Kräften aufnehmen und ignorierte Zombies. Wenn ich der Nachfahre von ihnen war musste ich dann auch solche Sachen tun? Mit Schwert und Schild bewaffnet gegen untote Monster und Riesen bestehen… ich war mir nicht ganz so sicher, ob ich wirklich für solche Sachen geschaffen war. Immerhin hatte ich in meinem ganzen Leben ein richtiges Schwert noch nicht einmal angefasst und damit gekämpft schon gar nicht.

Stumm folgte ich dem Typen durch die riesige Landschaft. Wenn ich im wirklichen Leben so extrem viel laufen müsste wäre ich mit absoluter Sicherheit schon längst verreckt. Ich war zwar nicht der Schlechteste in Sachen Sport, aber für so etwas war ich dann doch zu faul. Man müsste mir schon etwas gigantisch Tolles dafür anbieten. Jedes Computerspiel meiner Wahl umsonst… für immer. Also das wäre schon eine Überlegung wert.

Nach einem viel zu langen Fußmarsch kamen wir bei einer Farm an. Der Typ trat ein und ich wollte ihm logischerweise folgen, aber mir wurde direkt das Tor vor meiner Nase zugeknallt. Nun heiß es wohl wieder abwarten und zu Tode langweilen. Hoffentlich dauerte es nicht wieder so lange wie beim letzten Mal. Am Ende würde es sogar wieder anfangen zu regnen und ich würde extrem nass werden. Das waren wirklich tolle Aussichten. Ich freute mich schon darauf – nicht. Zu meinem Glück (Oh Wunder, ich hatte auch mal Glück) kam er schnell wieder zurück. Aber nicht auf normale Weise, so wie in das Tor öffnen und einfach weitergehen, sondern mit einem Pferd über das Tor springend und mich dabei fast erschlagen. Im letzten Moment konnte ich noch zur Seite springen und mich ganz gut abrollen. Es war ein stattliches und elegantes Pferd in einem wunderschönen Braun. Leider waren sie zu schnell davon galoppiert, sodass ich es mir nicht genauer anschauen konnte. Wie ein Wirbelwind sauste es durch die Steppen, der Staub wurde hinter ihnen aufgewirbelt und hinterließ eine riesige Wolke. Und ich war natürlich viel zu langsam und wurde von dem fliegenden Dreck eingehüllt. Blitzartig schlug ich die Hände vor mein Gesicht um keinen Dreck in die Augen zu bekommen. Jetzt fehlte bloß noch, dass ich auf den Kopf knallte und alles wäre wieder wie beim ersten Mal.

Als ich langsam meine Augen öffnete, war ich nicht mehr auf der Steppe und auch von der Farm fehlte jede Spur. Stattdessen befand ich mich im… Weltall oder so. Ein sehr seltsames Weltall ohne Sterne, Kometen und was es nicht alles für gewöhnlich im All gab. Einfach nur gähnende schwarze Leere und ab und zu mal eine riesige Säule in blauer Farbe. Ich selbst stand auch auf solch einer. Der Boden sah so aus, als würde es dort Wasser geben, aber dem war allem Anschein nach nicht so. Gewöhnlicher Boden mit Lichteffekten. Direkt unter mir war dieses Triforce in goldener Farbe auf dem Boden abgebildet. Ich selbst wurde von sechs Gestalten umringt. Einige sahen menschlich aus, andere wiederum ganz und gar nicht. Mir direkt gegenüber stand ein alter, dicklicher Mann. Er hatte keine Haare direkt auf dem Kopf, dafür aber einen interessant aussehenden Bart und buschige Augenbrauen komplett in weiß. Zudem hatte er spitze Ohren, genauso wie ich, Zelda, mein Onkel und noch ein paar andere. Im Allgemeinen erinnerte mich sein Aussehen stark an einen Mönch. Links von ihm stand ein kleines Mädchen in komplett grüner Kleidung. Ähnlich wie die von all den ‚Helden’, allerdings mehr in Richtung Jumpsuit mit kurzer Beinbekleidung und Ärmeln. Darunter trug sie einen dunkelgrünen Pullover und dazu noch dunkelgrüne Stiefel. Ihre Taille wurde mit einem Gürtel geschmückt. Ihre großen und freundlichen Augen waren himmelblau und auch ihre Haare hatten eine grüne Farbe, mitsamt einem Haarreif. Die spitzen Ohren waren bei ihr ebenfalls vorhanden. Neben ihr stand ein muskulöses… Etwas mit einem dicken Bauch. Er erinnerte mich an ein paar von den Wesen, die in meinem ersten Traum gemeinsam mit der Göttin gekämpft haben. Seine Haare sahen schon fast so aus wie die Mähne eines Löwen in einem grauen Farbton. Er mutete männlich an (falls diese Wesen ein Geschlecht hatten) und trug keine Kleidung, bloß Arm- und Fußbänder. An seinen Oberarmen hatte er jeweils dasselbe Zeichen in einer roten Farbe, was ein wenig Ähnlichkeit mit einem Fußabdruck hatte. Allerdings hatte es bloß drei Zehen, vermutlich der Abdruck von der Kralle eines Vogels oder ähnliches. Neben ihm stand ein weiteres Etwas. Aber dieses Mal mutete es weiblich an. Sie sah aus wie eine Kreuzung aus Mensch und Fisch. Auch sie trug kein bisschen Kleidung und hatte komplett blaue Haut. An ihren Armen wuchsen flossenähnliche Dinger, die sie ebenfalls auch an ihrer Hüfte vorhanden hatte. Ihr Kopf war weiter oben etwas breiter als unten, und an den Rändern sah es so aus, als hätte sie dort ein weiteres Paar Augen. Das sah etwas gruselig aus. Sie wurde von einer jungen Frau benachbart. Sie war muskulös und braungebrannt, ihre Kleidung erinnerte mich an einen Dschinni. Ihr langes, feuerrotes Haar war zu einem strengen Pferdeschwanz zusammengebunden worden und das Haargummi hatte einen dicken Kristall als Schmuck. Allgemein trug diese Frau sehr viel, aber wirklich sehr viel Schmuck. Von Ringen, zu Halsketten und Ohrringen war wirklich alles dabei, selbst auf ihrer Stirn hatte sie einen Edelstein befestigt. An Schminke fehlte es ihr auch nicht. Anders als die anderen menschlichen Wesen hier hatte sie aber runde und keine spitzen Ohren. Neben ihr stand eine weitere Frau. Ich konnte ihr Alter nicht einschätzen, einerseits hatte sie kurze weiße Haare, andererseits war sie sehr muskulös und strotzte nur so vor Energie. Ihre Augenfarbe war in einem stechenden Rot gehalten und auch sie hatte wieder spitze Ohren. Ihre Kleidung war wirklich sehr seltsam, ich wusste bei bestem Willen nicht, wie ich das beschreiben sollte. Ich konnte bloß ein Zeichen erkennen, ein Auge mit einer Träne. Sie alle machten irgendeine komische Handbewegung und beschwörten Lichter in verschiedensten Farben. Das Farbenspiel tanzte in der Luft über mir herum, bis es auf mich zuflog und mir die Sicht versperrte.

Wieder befand ich mich in dieser Kirche. Der Held und dieser Ninja-Assassinentyp standen sich erneut gegenüber und unterhielten sich. Natürlich wieder in einer fremden Sprache, die ich nicht verstand.

Das Gespräch dauerte so seine Zeit. Ich wünschte, ich hätte es verstanden. Aber was hätte ich auch groß machen sollten? Immerhin tat sich jetzt etwas. Der Ninja hob seine linke Hand und ein goldenes Triforce leuchte auf, wobei das linke Symbol in einem ganz besonderen Licht erstrahlte. Es war dasselbe, das auch Zelda und ich auf unseren Handrücken trugen. Der Raum wurde in gleißendes Licht getaucht und brannte in den Augen, schnell schloss ich sie und wartete auf eine Besserung der Dinge. Es dauerte auch nicht allzu lange. Aber statt des Ninjas stand dort nun eine hübsche junge Frau mit goldgelbem Haar und einem eleganten Kleid. Sie sah Zelda sehr ähnlich, sofort musste ich an sie denken, als ich sie sah. Der Kerl neben mir schien sehr überrascht über ihr Auftauchen zu sein. War sie die ganze Zeit der Ninja gewesen? Dann lag ich ja völlig daneben mit der Vermutung, dass sie ein Kerl war. Sofort führte sie das Gespräch fort, aber mit großer Verwunderung konnte ich ein Wort verstehen. Sie sagte ‚Zelda’. Hatte sie denselben Namen wie meine Freundin? Es konnte sich dabei entweder bloß um einen Zufall handeln, oder aber sie und Zelda hatten eine engere Verbindung zueinander. Aber kurze Zeit später erwähnte sie auch meinen Namen. Das konnte kein Zufall sein. Hieß der grüne Typ etwa auch Link? So wie ich? Ich würde wohl Zeldas Vater… nein, niemand konnte mir meine Träume nun erklären. Ich musste damit leben, dass ich kein bisschen hier verstehen konnte.

Zelda hob ihre Arme und wurde von goldenem Licht umgeben. Der andere Link trat ehrfürchtig von ihr zurück und beobachtete sie mit großen Augen. Pure Energien sammelten sich in den Händen der Frau und leuchtende Pfeile erschienen, die dem Jungen in die Hände flogen. Für einen Moment schien alles perfekt – Zelda hatte sich Link offenbart und ihm eine offenbar mächtige Waffe verliehen. Aber dieser Moment war nur von kurzer Dauer. Von einem Augenblick auf den Anderen begann die Erde zu beben und das Mädchen wurde von einem roten Kristall eingeschlossen. Sie schrie und hämmerte panisch gegen das Glas, der Junge befreite sich aus einem Schockzustand und versuchte ebenfalls verzweifelt ihr Gefängnis zu zerstören. Aber es half alles nichts. Eine dunkle und angsteinflössende Stimme begann aus dem Nichts heraus zu sprechen. Wieder die selbe Sprache wie sonst auch, aber ich brauchte keine Kenntnisse in dieser um zu verstehen, dass keine guten Nachrichten übermittelt wurden. Das Kristallgefängnis erhob sich in die Höhe und verschwand, bloß noch ein dunkles Lachen war zu hören. Wütend ballte Link die Fäuste und rannte so schnell er konnte aus der Kirche heraus. Ich folgte ihm sofort.

Schon nach kurzer Zeit befanden wir uns an dem Zielort. Hier hatte beim letzten Mal ein wunderschöner und prachtvoller Palast gestanden, jetzt war hier genau das Gegenteil von einem schönen Schloss. Das Gebäude war potthässlich und hatte für meinen Geschmack auch etwas zu viel schwarz. Der Graben war mit glühend heißer Lava gefüllt. Wie konnte man es hier nur aushalten? Also schön wohnen war das nicht.

Lichter in allen Farben des Regenbogens rieselten vom Himmel herab in den Graben des Schlosses und eine Regenbogenbrücke entstand. Sie passte zwar überhaupt nicht in die Atmosphäre dieses Ortes, aber immerhin konnte man nun das Gebäude betreten. Der andere Link war sichtlich nervös und angespannt, aber er schien vollkommen überzeugt von dem zu sein, was er jetzt tun musste. Er atmete einmal tief durch und ging langsamen Schrittes auf die andere Seite der Brücke, dicht gefolgt von mir.

Im Schloss gab es eine riesige Treppe mit einem roten Teppich. Leise konnte ich Orgelmusik wahrnehmen. Wütend funkelte Link mit den Augen und stieg die Stufen herauf. Je weiter wir kamen, desto lauter wurde das Spiel des Instruments. Am anderen Ende befand sich eine riesige Tür. Der Typ zog einen großen Schlüssel aus seiner Tasche hervor und öffnete sie mit einem lauten Geräusch. Wir traten ein. Sofort fiel mein Blick auf einen riesengroßen Mann, der tatsächlich an einer Orgel spielte. Das Stück gefiel mir ehrlich gesagt gar nicht und ließ auch in mir Wut aufkeimen, obwohl ich die Person nicht kannte. In der Luft hing das Kristallgefängnis, in dem Zelda gefangen gehalten wurde. Der grüne Typ neben mir starrte den Orgel spielenden Mann mit einem wütenden Blick an und hörte sich an, was er zu sagen hatte.

Nach einem kurzen Wortaustausch stand der offenbare Gegner des anderen Links ruckartig auf und drehte sich. Als ich sein Gesicht sah, blieb mir die Luft weg. Nicht nur, dass es derselbe war, der in meinem letzten Traum im Schloss vor dem König gekniet hatte, nein, er hatte auch noch eine erschreckende Ähnlichkeit mit Herr Dragmire. Das musste etwas zu bedeuten haben. Er fackelte nicht lange und begann direkt mit einem Kampf. Schnell hob er sich in die Höhe und der Boden um mich herum begann in sich einzustürzen. Ich lief schnell in die nächste Ecke des Raumes, in der Hoffnung, dass mir hier nichts passieren würde. Link zog sein Masterschwert und visierte seinen Gegner an. Besagter hob seine linke Hand in die Höhe und erschaffte einen Ball aus purer Energie, mit dem er Link beschoss. Zum Glück nicht mich, wer weiß ob ich eine Berührung mit diesem Ding überleben würde. Link schleuderte die Kugel mit seinem Schwert auf seinen Gegner zurück und der Andere machte genau das gleiche. Und so ging es ewig weiter. Immer wieder wurde der Energieball hin und her geschleudert, ohne dass irgendjemanden etwas passierte. Trotz meiner Anspannung begann ich langsam mich zu langweilen.

Endlich tat sich etwas. Der Energieball war zu schnell für Links Gegner geworden und er wurde direkt frontal davon getroffen. Sofort wurde er paralysiert und war bewegungsunfähig. Link überlegte nicht lange und zog sofort einen Bogen. Ein leuchtender Pfeil wurde von ihm abgeschossen und traf seinen Gegner direkt. Er sank keuchend zu Boden und konnte nicht mehr viel machen. Sofort sprintete der Held los und rammte ihm sein Schwert in den Bauch. Meine Augen weiteten sich vor Entsetzen. Er hatte den Kerl vor meinen Augen umgebracht. Sofort schlug er Link von sich und richtete sich unter grauenhaften Schmerzen auf. Er fasste sich an seine Verletzung und begann grünes Blut zu spucken. Grün… er war definitiv nicht normal. Wütend schrie er auf und begann in einem grellen Licht zu leuchten. (Fragt mich nicht, warum hier irgendwie alle leuchten, ich habe keine Ahnung.) Das Dach des Schlosses zersprang und er sackte in sich zusammen. Nun musste er tot sein. Das Kristallgefängnis von Zelda löste sich auf und sie war wieder frei.

Man konnte die Erleichterung in den Gesichtern der Beiden gut erkennen. Ich hätte gerne gewusst was der Feind vorgehabt hatte. Aber jetzt war es vorbei und ich wartete sehnlich darauf, dass ich wieder aufwachte. Aber es passierte nicht. Es war doch nun zu Ende, oder etwa nicht? Die Erde begann wie verrückt zu beben und das gesamte Schloss fiel nach und nach in sich zusammen. Offenbar doch nicht. Link und Zelda begannen zu flüchten und ich lief ihnen schnell hinterher. Man konnte kaum gerade stehen und riesige Trümmer fielen von oben herab. Jetzt war ich in mehr Gefahr als je zuvor. Wenn mich ein zu groß geratener Fels auf dem Kopf treffen würde könnte ich tödlich verenden. Und das wollte ich mit absoluter Sicherheit nicht. Mir fiel nichts Besseres ein, also rannte ich den Beiden einfach hinterher und hoffte, dass ich den Ausgang schnell finden würde. Es war ja bloß die Treppe, die ich herunter laufen musste und dann war ich draußen.

Vor dem Ausgang musste es natürlich passieren. So oder so war ich schon überrascht, dass ich diese Höllenflucht heil und unbeschadet überlebt hatte, aber so kurz vor dem Ende wurde ich doch noch getroffen. Ein Stein fiel mir mit einer gewaltigen Wucht direkt auf den Fuß. Ein schmerzerfüllter Schrei entglitt meine Kehle und sofort biss ich mir die Zähne zusammen. Ich zwang mich selbst dazu mit meinen Schmerzen klar zu kommen. Ich war ja nur knapp vor dem Ausgang, also musste ich nicht weit laufen. Aber das Auftreten fiel mir unfassbar schwer. Ich betete, dass er nicht gebrochen war.

So schnell es mir nur möglich war humpelte ich so weit von dem einstürzenden Gebäude weg wie nur irgend möglich. Ganz vorsichtig setzte ich mich hin, aber die Bewegung würde mir teuer zu stehen kommen. Der Schmerz intensivierte sich und wurde für einen kurzen Augenblick unerträglich. Eine seltsame Mischung aus lachen und stöhnen kam aus meinem Mund, was ich immer tat, wenn ich mich schlimm verletzt hatte. „Scheiße. Ich muss jetzt sofort aufwachen und mir den Fuß ansehen.“

Ein polterndes Geräusch war zu hören. Ich hätte Link gerne gefolgt und auch nachgesehen woher es kam, aber mein Fuß machte es mir unmöglich mich zu bewegen. Also konnte ich nur zusehen und abwarten. Ganz langsam und vorsichtig ging der Held auf die übrig gebliebenen Trümmer des Schlosses zu. Zelda hatte beide Hände vor ihren Mund gelegt und sah ihm mit einem nervösen Blick hinterher. Offenbar erwarteten sie nichts Gutes von dem Lauf der Dinge. Ehrlich gesagt hatte auch ich kein gutes Gefühl. Leider täuschte dieses Gefühl mich nicht. Der Feind von Link und Zelda flog aus den Trümmern empor. Gleichzeitig bildete sich eine undurchdringliche Feuerwand, die mich und Zelda von Link trennte. Das Gesicht des Gegners strotzte nur so von Wahnsinn und man konnte ihm klar und deutlich ansehen, dass er auf Rache sinnte. Gebieterisch ballte er seine linke Hand zur Faust und das Triforcefragment auf seinem Handrücken begann zu leuchten. Er setzte ein teuflisches Lächeln auf und begann sich vor meinen Augen in ein riesiges Monster zu verwandeln. Als Waffen trug er zwei gewaltige, goldene Schwerter in den Händen. Er hatte eine große Ähnlichkeit mit einem Schwein, aber trotz dieses eigentlich lächerlichen Aussehens sah er furcht erregend und krank aus. Er schlug wie besessen auf Link ein und riss ihm das Schwert aus der Hand. Es flog durch die Lüfte und landete knapp in der Nähe von Zelda, blieb in dem Boden stecken und Link hatte keine Waffe zum Kämpfen mehr. Es war dunkel geworden und bloß am Himmel zuckende Blitze spendeten Licht, gleichzeitig tauchten sie das Monster in ein gruseliges Licht.

Hinter dem Feuer konnte ich nicht viel von dem Kampf erkennen. Ich glaubte zwar nicht an ein Versagen des Helden, aber man konnte nie genau wissen. Angespannt ballte ich meine Hände zu Fäusten

Das Feuer erlosch und Zelda rief Link etwas zu. Schnell sprintete er zu ihr hin und hob sein Masterschwert auf. Das Monster lag bewegungsunfähig auf dem Boden und atmete schwer. Mit festem Blick fixierte er das Monster und ging langsam auf ihn zu. Zelda streckte ihre Arme nach dem Gegner aus und entsendete ein goldenes Licht in seine Richtung, welches ihn offenbar gefangen hielt. Das Schwert in Links Händen begann blau zu strahlen und mit voller Bewunderung betrachtete der Träger es. Nun stand er unmittelbar vor ihm, wahrscheinlich fest dazu entschlossen ihn jetzt ein für alle mal zu töten. Er stieß einen Schrei aus und rammte ihm das Schwert in den Kopf. Für einen Augenblick war nichts außer Stille. Dann begann der besiegte Feind zu schreien und sich zu winden. Zelda streckte ihre Arme gen Himmel. Eine goldene Kugel aus Energie bildete sich in der Luft. Alles um mich herum wurde in Gräulichkeit getaucht.


Geschockt schreckte ich hoch. Ein Schmerz machte sich in meinem Bein breit. Ich stöhnte und biss meine Zähne so fest zusammen, dass es schon fast weh tat. Mit Erstaunen stellte ich fest, dass ich in einem Bett lag und nicht auf dem Boden in Zeldas Garten. Wie ich wohl hierher gekommen war? Neben mir auf dem Bett lag Zelda und schlief. Hatte sie mich getragen? Hoffentlich war ich nicht allzu schwer für sie gewesen. Sie wirkte seelenruhig, man konnte ihr den Schmerz durch den Verlust ihres Vaters schon beinahe nicht mehr ansehen. Ein Lächeln schlich sich auf mein Gesicht, während ich sie so beobachtete.


„Ah Shit, scheiße… Oh gosh…“ Ich fluchte und winselte, während ich ganz vorsichtig meinen Schuh und anschließend meine Socke von meinem verletzten Fuß auszog. Es tat schon weh, wenn ich mich nur ein kleinen wenig bewegte, aber jetzt wo ich direkten Kontakt mit dem Fuß hatte war es ein brennender und höllischer Schmerz, der meinen ganzen Körper erschaudern ließ. Qualvoll verzog ich das Gesicht, kniff immer mal wieder kräftig meine Augen zusammen, biss meine Zähne aufeinander, alles nur damit der Schmerz auch nur für eine kleine Millisekunde nachließ, aber es half leider überhaupt nicht. Und dazu musste ich auch noch leise leiden, ich wollte Zelda in ihrem momentanen Zustand ganz bestimmt nicht aufwecken. Etwas Ruhe würde ihr mit Sicherheit gut tun, einfach um sich mal eine Auszeit von der harten Realität zu gönnen.

Ganz langsam und extrem vorsichtig versuchte ich mein Bein anzuwinkeln um mir meinen nackten Fuß genauer anzuschauen. Aber schon auf halber Strecke bereute ich es. „Au, ah, autsch! Ganz schlechte Idee…“ Sofort hörte ich auf damit und versuchte es anschließend damit ihn ganz normal aus gewöhnlicher Entfernung zu betrachten, auch wenn ich meinen Fuß leicht in der Luft hielt. Die kleinste Belastung konnte unsagbare Schmerzen bedeuten.

Vielleicht hätte ich lieber doch nicht nachsehen sollen. Mein Fuß hatte eine ganz unnatürliche Form angenommen, es war seltsam nach außen gebeugt. Dazu kam noch, dass es total blau angeschwollen war. „Also wenn der nicht gebrochen ist, dann weiß ich auch nicht weiter…“ „Mit wem redest du?“ Ich erschrak mich und zuckte zusammen. Dabei knallte ich meinen Fuß natürlich direkt und mit voller Wucht gegen den Boden. Der Schmerz wurde sofort schlimmer und mir stiegen leicht Tränen in die Augen, ich begann sogar schon mir auf die Lippe zu beißen. Aber ich konnte mir schon denken, von wem diese Frage kam. Ich warf meinen Blick über meine Schulter und konnte sehen, wie Zelda sich ein wenig aufgerichtet hatte, noch immer etwas schlaftrunken rieb sie sich die Augen. „Ach mit niemandem. Hoffentlich habe ich dich nicht geweckt.“ „Nein nein, keine Angst.“

Noch immer hatte sie einen leicht geknickten Gesichtsausdruck. Für einen Moment vergaß ich meinen Fuß, als ich die Schnittverletzungen auf ihrem Arm sah. Sie litt in diesem Moment viel mehr als ich. Seelischer Schmerz konnte oft viel schlimmer sein als körperlicher und ich wusste in der Beziehung wovon ich sprach. Aber das Pochen an der Bruchstelle meldete sich in zehnfacher Geschwindigkeit zurück und ich verzog wieder das Gesicht. Besorgt musterte Zelda mich. Warum sah sie mich besorgt an? SIE war doch in diesem Moment viel ärmer dran als ich, ein verletzter Fuß war gar nichts gegen den Tod des eigenen Vaters. ICH müsste sie eigentlich trösten, ganz egal wie, aber natürlich musste ich mir wegen diesen verdammt dummen Träumen den Fuß brechen. Aber trotzdem zwang ich mich dazu, sie anzulächeln, auch wenn es sicher total unecht und dazu noch dumm aussah. „Hast du irgendwas?“, fragte sie mich und kam näher an mich heran, bis sie an der Kante direkt neben mir saß. Ich starrte zuerst sie an und anschließend wieder meinen Fuß.

„Na ja“, kam es von mir. „Wie man ’s nimmt.“ Zuerst schien sie nicht ganz zu verstehen, folgte dann aber meinen Blick und, wider meiner Erwartungen, schnappte sie erschrocken nach Luft und hatte einen entsetzten Gesichtsausdruck angenommen. „Was zum Teufel hast du gemacht?“, fragte sie mich mit leicht quietschender Stimme. Ich konnte es ihr ja nicht vergelten. Zuerst brach ich einfach so ohne ersichtlichen Grund in ihrem Garten zusammen und jetzt wachte ich auf und hatte einen entstellten Fuß. „Äh… lange Gesichte.“, gab ich ihr bloß als einfach Worte. „Ist der gebrochen?“ „Ich schätze mal schon.“ „Ach du scheiße.“ Das war das erste Mal, dass ich Zelda fluchen hörte. War ziemlich ungewohnt, wenn ihr mich fragt.

„Du musst sofort ins Krankenhaus!“, begann sie auf einmal.
„Ja toll, erstens wie und zweitens wie soll ich denen das erklären?“
„Was hast du denn jetzt bitte gemacht?“
„Das ist kompliziert…“
„Los, sag es mir!“
„Kann ich nicht…“
„Warum nicht?“
„Weil…“

Ich wollte ihr nicht sagen, dass ihr Vater sie nicht da mit reinziehen wollte. Das würde sie vermutlich wieder in Trauer stürzen. Außerdem war er jetzt so oder so nicht mehr hier und da sie ja mehr oder weniger etwas damit zu tun hatte, hatte sie auch das Recht es zu erfahren. Ich seufzte einmal und begann zu erzählen.

„Also gut. Weißt du noch, als ich letztens umgekippt bin?“
„Wie soll ich das denn vergessen?“
„Ok, alles klar. Als ich danach alleine mit deinem Vater geredet habe, hat er mir etwas erzählt. Die Sachen, die in diesem Buch standen, stimmen.“

Zelda verzog keine Miene. Offenbar konnte sie es sich bereits denken. Es klang immerhin alles recht plausibel, was in dem Buch gestanden hatte und sie selbst hatte ja schon die ganze Zeit geahnt, dass irgendetwas unnormal war.

„Hast du dich nicht darüber gewundert, dass das Buch auf einmal verschwunden war?“
„Na ja, eigentlich schon. Als du weg warst wollte ich es holen, aber es war einfach verschwunden.“
„Das mag jetzt vielleicht sehr seltsam klingen, aber kurz nachdem du gegangen bist und ich alleine im Baumhaus war hat es sich von selbst aufgeschlagen und Sachen wie „Auserwählter“ und so geschrieben.“
„Warte, warte, warte. Du willst mir erzählen, dass das Buch von selbst etwas geschrieben hat?“
„Yep.“
„Ok… erzähl weiter.“
„Danach hat es sich zu Goldstaub aufgelöst und sich mit mir „vereint“.

Erst im Nachhinein fiel mir auf, wie furchtbar zweideutig das klang. Ich hätte mir am liebsten dafür gegen die Stirn geschlagen. Zelda schien es nicht aufgefallen zu sein, jedenfalls hatte sie nichts dazu gesagt. Wahrscheinlich war ihr nicht wirklich nach reden zumute, dass konnte ich in Anbetracht ihrer jetzigen Lage auch gut verstehen. Auch wenn es sie etwas irritierte, dass es sich in „Goldstaub“ verwandelt hatte.

„Seitdem habe ich ständig irgendwelche Träume von GANZ alten Zeiten. Über Erlebnisse von meinen Vorfahren. Dein…“

Ich verstummte. Sollte ich ihren Vater erwähnen? Würde sie es mir übel nehmen? Es war so furchtbar kompliziert, für so etwas war ich einfach nicht geschaffen! Es wunderte mich, dass ich mit meinem schmerzenden Fuß überhaupt alles so gut erklären konnte.

„Du brauchst dir keine Gedanken zu machen. Erwähne ihn ruhig. Du kannst ja nichts dafür.“ Als sie das sagte klang sie verdammt traurig. Es machte ihr noch immer zu schaffen. War ja auch kein Wunder. Etwas beschämt starrte ich den Boden an, nickte dann aber in ihre Richtung.

„Dein Vater hat mir erzählt, dass ich eine Art „Reinkarnation“ von diesen Typen aus meinen Träumen bin. Und um meine „Bestimmung“ oder whatever zu erfüllen müsste ich erst einmal die „verlorenen Geschichten“ nachholen. Er hat mir meine Träume immer gedeutet. Außerdem hat er irgendwas davon erwähnt, dass er und du die Nachfahren von der königlichen Familie seid.“

„Dann könnte das ja bedeuten, dass ich eine Prinzessin bin und… mein Vater… ein König war.“
„Vermutlich, ich weiß es nicht…“
„Das klingt alles so komisch. Warum wollte er mir nichts davon erzählen?“
„Ich weiß nicht. Er wollte dich nicht in Gefahr bringen. Wenn du eingeweiht würdest könnte etwas passieren. Er wollte warten bis du 18 bist. Aber jetzt hast du es wohl doch früher erfahren.“

Jetzt schien das Erstaunen und die Verwirrtheit sie wohl doch eingeholt zu haben. Ihre Augen hatten sich geweitet, wenn auch nur einen kleinen wenig, und sie hatte einen richtig krassen „WTF“ Gesichtsausdruck. In einer anderen Situation hätte ich bestimmt gelacht.

„So habe ich auch reagiert, als ich es erfahren habe“, sagte ich locker zu ihr, in der Hoffnung sie würde nicht mehr ganz so seltsam dreinschauen.
„Und was ist jetzt mit deinem Fuß?“
„Weißt du noch als ich einmal mitten in der Nacht angerufen habe?“

Zelda zögerte für einen Moment und starrte ins Leere, als ich diesen Moment erwähnte. Es war so, als würde sie sich nicht daran erinnern wollen. Ich wartete auf eine Reaktion, wollte sie nicht bedrängen, aber es war schon seltsam. Sie nickte dann doch nach relativ kurzer Zeit mit dem Kopf.

„In der Nacht hatte ich auch so einen Traum. Als ich dann aufgewacht bin war ich klatschnass. Ich hab dann deinen Vater gefragt warum ich so nass aufgewacht bin, er hat mir die Antwort gegeben.“
„Und die wäre?“
„Er sagte, dass mein echter Körper mit dem aus meinen Träumen verbunden ist. Alles war mit mir im Traum passiert wirkt sich auch auf mich in der Realität aus. Ich war nass, weil es in dem Traum wie bekloppt geregnet hat.“

Wieder hatte sie diesen Gesichtsausdruck, nur diesmal noch viel krasser. Es war wohl sehr viel auf einmal, was ich auch gut nachvollziehen konnte. Wer rechnete schon damit, dass zuerst sein Vater ermordet wurde und man anschließend so einen unwirklichen Mist an den Kopf geworfen bekommt? Richtig. Kein Schwein.

„In meinem Traum vorhin ist mir ein fetter Stein auf den Fuß gekracht, seitdem ist das so.“
„Das klingt ja schrecklich! Hast du deine Träume überhaupt unter Kontrolle? Nicht, dass du irgendwann irgendeinen Blödsinn machst.“
„Zum Großteil schon, ja.“
„Gut. Darf ich dich fragen, wovon du geträumt hast?“
„Na ja, ich kann mich meist nur wage daran erinnern, wie das nach dem Aufwachen eben so üblich ist mit Träumen, aber ich weiß noch, dass dort ein Mädchen und ein Junge waren, die dieselben Namen wie wir hatten. Ich bin mir sicher, das hat irgendeine Bedeutung. Aber ich weiß nicht welche.“
„Das klingt seltsam.“
„Total.“
„Und wie sollen wir das erklären?“
„Das mein’ ich ja. Was soll ich dem Arzt sagen?“
„Du bist irgendwie runter gefallen oder so…von meinem Baumhaus.“
„Das ist doch lame…“
„Aber glaubwürdig.“
„Hm, stimmt.“

Ich starrte sie an, sie starrte auf den Boden. Zu gerne würde ich sie wegen ihrem Vater ausfragen, aber ich wollte nicht aufdringlich sein und genauso wenig wollte ich, dass sie wieder in Tränen ausbrach, weil sie sich daran erinnerte. Aber ich hatte ihr meine Geschichte erzählt, vermutlich würde sie mir dann auch ihre erzählen. Ich gab mir einen kleinen Ruck und beschloss das Thema anzusprechen.

„Ich würde dich gerne etwas fragen. Darf ich?“ Sie nickte langsam mit ihrem Kopf.
„Wegen deinem Vater… wie war das denn jetzt genau?“

Zunächst sagte sie nichts. Immerzu starrte sie den blöden Boden an, oder sah viel mehr hindurch direkt ins Leere. Aber auch sie gab sich einen Ruck und hob ihren Blick in Richtung Decke. Sie nahm einmal ganz tief Luft und sah dann zu mir herüber.

„Es war in der Nacht, als du wegen dem Traum angerufen hast. Kurz nachdem er aufgelegt hatte schickte er mich wieder ins Bett. Das hab ich dann natürlich getan, aber ich konnte nicht schlafen, so wie die ganze Zeit nicht. Ich war den Tag zuvor mit einem ganz miesen Gefühl aufgewacht. Und immer wenn ich das hatte konnte ich mich darauf einstellen, dass irgendetwas schlimmes passierte, egal ob es mich oder jemand ganz anderen betrifft. Und dieses mal war es halt… das.“

Ihre Stimme begann ein wenig unsicher zu werden und auch ihre Augen röteten sich, ihre Hände begannen zu zittern. Ohne darüber nachzudenken was ich eigentlich tat nahm ich ihre Hand und drückte sie leicht. Dankbar sah sie mich an und umschloss den Griff um meine Hand, was wohl bedeutete, dass ich nicht los lassen sollte.

„Ich konnte einfach nicht schlafen und wälzte mich ständig in meinem Bett hin und her. Irgendwann reichte es mir und ich stand auf um mir etwas zu trinken zu holen, aber in der Küche… es war der blanke Horror.“

Ihr Gesicht wurde auf einmal käsebleich und ihre himmelblauen Augen glasig. Ganz kleine Tränen liefen ihr die Wangen herunter und sie begann zu schniefen. Schnell nahm sie tief Luft um sich wieder fangen zu können.

„Er lag dort auf dem Boden, neben der Theke. Mit leerem Blick, blutüberströmt, zerfetzter Kleidung und übersät mit Stichwunden, er schwamm in einer Blutlache. Der ganze Raum war verwüstet, so als hätte ein Kampf stattgefunden. Wieso hatte ich das nicht gehört? Zuerst konnte ich meinen Augen nicht trauen, realisierte es nicht, es konnte nicht Wirklichkeit sein. Aber es war und ist nun mal die bittere Realität. Sofort brach ich in Tränen aus, heulte so schlimm wie noch nie, sank auf die Knie und ließ mich auf seinem Bauch nieder, nahm seine Hand und wollte, dass er wieder aufwachte. Aber es schlug kein Herz, er hatte keinen Atem, kein Leben, kein gar nichts. Es war mir so egal, ob ich voller Blut sein würde, wenn ich auf seinem zerstochen Bauch lag, es war mir total egal. Warum musste er auch so grausam ermordet werden? Womit hatte er das verdient?“

Sie drückte meine Hand noch fester, es begann bereits weh zu tun, aber ich ignorierte es und hörte ihr zu. Es klang schrecklich, was sie mir da erzählte. Er hatte es wirklich nicht verdient. Nach diesem Erzählen konnte sie sich nicht mehr kontrollieren und weinte erneut. Ohne lange zu warten nahm ich sie in den Arm, unterdrückte dabei die Schmerzen in meinem Fuß, die durch diese ruckartige Bewegung ausgelöst wurden. Zelda brauchte nun eine Schulter, an der sie sich ausheulen konnte, und es war mir eine Ehre, dass ich diese sein konnte. Sie krallte sich an meinem Rücken fest und wurde noch lauter, durchnässte mein T-Shirt, aber ich ließ es über mich ergehen. Warum sollte ich mich auch über ein nasses T-Shirt aufregen?

Sie schluchzte ein paar Mal, bevor sie sich wieder von mir löste. Mit einem schiefen Lächeln sah ich sie an. „Besser?“, fragte ich sie vorsichtig. Sie nickte, während sie ihre Tränen mit der Hand trocknete. Hätte ich doch bloß ein Taschentuch bei mir gehabt.

„Jedenfalls“, begann sie weiter zu sprechen, „bin ich irgendwann eingeschlafen. Und als ich dann am nächsten Tag auf dem Boden aufwachte war er weg. Alle Kampfspuren beseitigt. Keine Ahnung, wie das möglich war, aber seit diesem Zeitpunkt war ich nicht mehr ich selbst. Wie besessen begann ich plötzlich unverständliches Zeug von mir zu geben, verletzte mich selbst, aß und trank kaum etwas, an das meiste kann ich mich schon gar nicht mehr erinnern. Dieser gruselige Zustand hielt so lange an, so lange… bis du gekommen bist. Ab da konnte ich mich wieder selbst finden. Ich schätze, ich sollte mich wohl dafür bei dir bedanken.“

Ich wank ab. „Was? Bei mir bedanken? Ich hab nichts gemacht, ich hab mir nur Sorgen gemacht, weil du so lange gefehlt hast ohne irgendwem Bescheid zu sagen. Aber… ich sollte dir dafür danken, dass du dich mir anvertraut hast.“

Sie lächelte mich leicht an. Es tat ihr sicher gut, endlich mit jemandem darüber sprechen zu können. Was ja auch sehr verständlich war, keine Frage. Mir hatte es auch gut getan, als ich endlich über meine Probleme an meiner alten Schule reden konnte. Manchmal brauchte es einfach nicht mehr, als einen Gesprächspartner.

„Wie wäre es, wenn du fürs’ nächste bei mir bleibst? Ich denke mir was aus, damit mein Onkel dich lässt und dann sehen weiter.“ Zur Antwort nickte sie mit dem Kopf und ich war sichtlich erleichtert darüber.

„Aber zuerst sollten wir sehen, dass du in ein Krankenhaus kommst. Dein Fuß sieht echt nicht gesund aus.“ Ich besah mir noch einmal kurz meine Verletzung und musste mir eingestehen, dass sie Recht hatte.

„Ich rufe mal eben meinen Onkel an, der holt mich dann ab.“
„Alles klar, ich komme mit“, sagte Zelda noch schnell und warf sich ein langarmiges Oberteil über, damit man ihre Schnittverletzungen nicht sehen konnte.
„Gut.“ Ich nahm mein Handy heraus und wählte die Nummer.

„Link, wo bleibst du denn?“, fragte mich mein Onkel unnatürlich besorgt. Ich lachte leicht und schilderte ihm die Lage.
„Du bist verletzt?! Wo soll ich dich abholen?“
„In der Blümstraße. Ich stehe vor einer Gasse und warte auf dich.“
„Ok ich komme sofort.“ Und damit legte er auch auf. Ich steckte das Gerät wieder ein und versuchte aufzustehen, was aber nicht so leicht war. „Warte ich helfe dir“, kam es hastig von Zelda und sie begann mich zu stützen. Ich war ihr dankbar, auch wenn mir die Situation sehr peinlich war. Und so humpelten wir beide den scheinbar endlosen Weg aus Zeldas Grundstück, durch die Gasse bis zu dem Ausgang lang.

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Sö ich hätte ja alles auf einmal abgeschickt, aber ich musste es aufteilen, weil es zu lange Beiträge waren ^^'
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BeitragThema: Re: The Legend of Zelda: Lost Stories   Fr Mai 23 2014, 18:30

Mein Arm war um Zelda geschlungen, mein gesamtes Gewicht auf nur ein Bein verlagert. So gut sie konnte stützte sie mich, was sicher nicht leicht war, schließlich war ich nicht der Leichteste. Die Straße war nicht viel beschäftigt, wenn das Glück auf unserer Seite war würde niemand Bekanntes vorbei kommen und uns so sehen. Die Leute aus meiner Klasse wären am schlimmsten. Nicht auszudenken was dann passieren würde. Am meisten graute es mir vor Chiara. Die kleine Tratschtusse würde es sofort jedem erzählen und spätestens nächste Woche würde die ganze Schule denken, dass wir zwei ein Paar wären. Oder das ich mich von einem Mädchen verprügeln ließ.

Mein Onkel ließ sich ganz schön Zeit. Zu Fuß waren es nur 10 Minuten von zu Hause bis hierher und wir standen schon viel länger hier. Er hatte doch hoffentlich das Auto genommen, ich hatte keine Lust jetzt auch noch nach Hause zu humpeln, außerdem war ich definitiv ein Fall für das Krankenhaus. Ich schaute zur Seite und musterte Zelda vorsichtig. Sie sah schon viel besser aus, war aber noch immer etwas mitgenommen. Sie trug eine graue Jogginghose und einen schwarzen, bequemen Pullover, dazu auch noch diese quietschbunten Sneaker von „Nike“. Ihr blondes Haar war ungleichmäßig zu einem lockeren Pferdeschwanz hochgesteckt worden, einige Strähnen fielen ihr ins Gesicht. Jeder Andere hätte sie sicher für asozial gehalten, aber mich störte das nicht. Die fettige Schicht auf ihrem Haar glänzte in der prallen Sonne. Wäre ich in ihrer Lage gewesen, ich hätte auch keine Lust gehabt mich zu waschen. Auch wenn das Duschen oft hilft um einfach mal abzuschalten.

„Hey, Zelda“, sagte ich nach ein paar Minuten des Stillschweigens. Sie drehte ihren Kopf zu mir und starrte mich fragend an. „Du hast keine Mütze auf. Man sieht deine spitzen Ohren.“ Ungläubig fasste sie sich an besagte Stelle und musste geschockt feststellen, dass ihre Ohren tatsächlich sichtbar waren. Schnell öffnete sie ihr Haargummi und warf sich die Haare so über die Schultern, dass ihre spitzen Ohren nicht allzu sehr auffielen. „Vielleicht sieht es keiner. Und wenn doch, dann ist das jetzt auch egal“, sagte sie daraufhin zu mir und lächelte. Sie lächelte ihr Lächeln, kein gezwungenes, kein gequältes, einfach nur ihr süßes Lächeln, das Lächeln, bei dem ich immer mit lächeln muss, auch wenn die Schmerzen in meinem Fuß mich beinahe umbrachten. „Geht’s?“, fragte sie vorsichtig, als sie mein schmerzverzerrtes Gesicht bemerkte. „Joah“, gab ich wahrheitsgemäß zurück. Es war zwar hart an der Grenze, aber noch immer ertragbar.

Nach gefühlt 500 Jahren kam mein Onkel auch endlich bei uns an, zu meinem Glück mit einem Auto. Wie von der Wespe gestochen sprang er aus dem Fahrzeug und lief auf uns zu. Ohne mir die Möglichkeit zu einer Begrüßung zu geben begann er mich mit Fragen wie „Alles in Ordnung?“ oder „Was ist passiert?“ zu durchlöchern. Natürlich fiel sein Blick sofort auf meinen verkrüppelten Fuß und er begann damit mich erwartungsvoll anzustarren. „Lass uns erstmal ins Krankenhaus fahren. Unterwegs erkläre ich dir alles“, bot ich ihm an. Widerwillig stimmte er zu und ließ uns Zwei endlich einsteigen. Mich jetzt hinzusetzen war wie eine grauenvolle Last, die von mir wich. Vorsichtig setzte Zelda sich neben mich und achtete darauf, nicht aus Versehen meinen (höchstwahrscheinlich) gebrochenen Fuß zu berühren. Mein Onkel vergewisserte sich noch schnell darüber, ob wir richtig saßen, ehe er losfuhr.

„Also“, begann er mit der Fragerei wieder von vorne, „was zum Teufel hast du gemacht?“ „Äh.“ Ich überlegte fieberhaft. Mit der Wahrheit konnte ich nicht rausrücken, es war viel zu absurd und unrealistisch, aber wenn ich damit kommen würde, dass ich von dem Baumhaus gefallen bin, würde er mich mit Sicherheit auslachen.
„Ich-“ „Es war meine Schuld“, fiel Zelda mir ins Wort. Verwirrt starrte ich sie an. „Er hat mir dabei geholfen etwas Schweres durch die Gegend zu schleppen, aber ich war nicht stark genug und dann ist es genau auf seinen Fuß gekracht.“

Überrascht ließ ich meinen Blick immer wieder von ihr zu meinem Onkel hin- und herschweifen. Sie konnte wirklich verdammt überzeugend sein. Statt einer Antwort kam von meinem Onkel einfach nur ein „Hm“. „Es tut mir Leid, Herr…“ „Tom. .Nenn’ mich bitte einfach nur Tom.“ Zelda nickte und gab zu verstehen, dass sie verstanden hatte, während sie sich auf ihrem Sitz zurückfallen ließ.


Eine Stunde lang saßen wie Drei bereits im Wartebereich des Krankenhauses und mit jeder weiteren Minute könnte ich wie ein Irrer laut aufschreien. Hier waren Menschen mit einem Wehwehchen am Finger, die früher dran kamen als ich.
„Was dauert denn das so lange?“, fragte mein Onkel, der offenbar langsam auch an mangelnder Geduld litt. „Ich gehe mal fragen“, sagte er, stand auf und verschwand. Das war die perfekte Gelegenheit, um kurz alleine mit Zelda zu reden. Ich beugte mich vorsichtig zu ihr rüber und versuchte so leise zu sein, dass kein Fremder uns verstehen konnte.
„Warum hast du nicht die Geschichte mit dem Baumhaus erzählt?“
Eine bescheuerte Frage, aber sie brannte mir auf der Zunge.
„Ganz einfach“, begann sie mit ihrer Erklärung, „wenn du von irgendwo heruntergefallen wärst, dann wäre dein Knochen sicher nur durchgebrochen. Aber du hast erzählt, ein Stein ist auf deinen Fuß gekracht. Der Knochen könnte zertrümmert sein und weil der Arzt dich mit Sicherheit röntgen wird, wird er uns die Baumhausgeschichte nicht abkaufen. Dass etwas Schweres auf deinen Fuß gefallen ist, ist weitaus glaubwürdiger und entspricht mehr oder weniger der Wahrheit.“
Verblüfft starrte ich sie an. Über die Art von Bruch hatte ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ein Lächeln stahl sich auf mein Gesicht. Sie dachte wirklich an alles. „Du bist klasse“, flüsterte ich ihr begeistert zu. Sofort wurde sie leicht rot und drehte sich von mir weg. „Ach was. Tut doch nichts zur Sache.“ „Und wie das was zur Sache tut“, kam es von mir. Innerlich musste ich unaufhörlich grinsen.

Nach einiger Zeit kam mein Onkel schließlich wieder. Er hatte sich nun etwas entspannt, vermutlich gab es gute Neuigkeiten. Als er langsam auf uns zuging, musterte ich ihn gründlich. Immerhin hatte er sich etwas Ordentliches angezogen. Zu Hause lief er immer mit einer schlabberigen Hose und einem weiten Oberteil herum, seine Haare standen ständig unordentlich in alle möglichen Richtungen ab. Aber heute hatte er sich für eine Jeanshose und ein hellblaues Polo-Shirt entschieden. Sogar passende Schuhe trug er. Schwarze Turnschuhe, die nicht auffällig waren und an ihm sogar ganz gut aussahen. Selbst seine schwarzen Haare hatte er sich gekämmt! Wirklich sehr beeindruckend, auch wenn es seltsam für mich war ihn so zu sehen. In seinen blauen Augen lag etwas besorgtes, etwas, das ich in seinem Blick noch nie gesehen hatte. „Komm, wir sind dran“, sagte er und hielt mir seine Hand hin, um mir hoch helfen zu können. Dankbar nahm ich seine Hilfe entgegen. Sofort sprang auch Zelda auf und begann damit mich zu stützen.

„Tja, Ihr Fuß ist schon beinahe komplett hinüber“, erzählte mir der Arzt, während er meine Röntgenaufnahme betrachtete. Ein unwohles Gefühl machte sich in meinem Bauch breit. Hoffentlich ging das Ganze gut aus, ich brauchte meinen Fuß schließlich noch. „Ich weiß nicht, ob die Knochen jemals wieder komplett verheilen können“, fuhr er mit seinen Erklärungen fort. „Ich werde Ihnen zunächst ein Gipsverband um Ihren Fuß binden und ein paar starke Schmerzmittel verschreiben. Nehmen Sie diese bitte nur ein Mal pro Tag ein, andernfalls können unschöne Nebenwirkungen auftreten.“
Der Arzt nahm sich einen Zettel hervor und schrieb die Medikamente auf, anschließend übergab er mir das Rezept. Ich schaute einmal kurz darauf, ehe ich es meinem Onkel in die Hand drückte. Ich macht mir gar nicht erst die Mühe auch nur zu versuchen die Schrift zu entziffern, die Sauklaue eines Arztes war einfach unlesbar. Ich warf einen unsicheren Blick zwischen Zelda und meinem Onkel hin und her, starrte dann schließlich den Arzt an. Das war der mit Abstand beschissenste Tag seit die ganze Sache mit den Träumen begonnen hatte.
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BeitragThema: Re: The Legend of Zelda: Lost Stories   Fr Jun 06 2014, 19:08

Völlig erschöpft und ausgelaugt ließ ich mich auf dem weichen Sofa in unserem Wohnzimmer nieder. Ich war mit Sicherheit noch nie so dankbar darüber gewesen einfach mal sitzen zu dürfen und nichts zu tun. Ein erleichtertes Stöhnen entglitt meiner Kehle, als ich endlich gemütlich saß, und sofort ließ ich mich nach hinten fallen. Mein Fuß war in einen dicken Gips verpackt worden, der aus mindesten zehn Bandagen bestand. Aber das spielte im Moment keine Rolle. Der Arzt hatte absolut Recht, die Schmerzmittel waren verdammt stark. Ich spürte meinen Fuß gar nicht mehr, so, als wäre dort einfach gar nichts, als hätte ich dort nie einen Fuß gehabt. Dazu kam noch, dass ich mich zugedröhnt fühlte wie sonst was. Dabei hatte ich nur eine Tablette genommen! Was war da denn bitte schön drin? Wenn ich so darüber nach dachte war ich mir nicht sicher, ob ich es wirklich wissen wollte. Zelda setzte sich neben mich und starrte mich belustigt an. Ich musste wohl sehr bekifft ausgesehen haben, daran bestand kein Zweifel. So fühlte ich mich auch! Nicht, dass ich rauchen würde, aber ich war mir ziemlich sicher, dass man genauso drauf sein musste, wenn man zu viele Zigaretten auf einmal hatte – und zwar die von der harten Sorte…

Bevor ich die Medikamente eingenommen hatte, hatten Zelda und ich mit meinem Onkel über Zeldas ‚kurzweiligen’ Aufenthalt in unserem Haus gesprochen. Zu unserer Erleichterung hatte es keine große Diskussion gebraucht um ihn umzustimmen, er hatte ja sogar unnatürlich schnell eingewilligt. Am nächsten Tag wollten wir noch ihre Klamotten von ihrem Haus holen. Zunächst sollte niemand weiteres von dem Tod ihres Vaters erfahren, dessen waren wir uns relativ einig. Mit der Zeit würde sich das schon geben… hofften wir jedenfalls.


„Hey, Link.“ Eine mir vertraute Stimme drang an mein Ohr, dazu kam noch, dass mich etwas an der Seite anstupste. Ein murriges Geräusch wurde von mir abgelassen, während ich langsam meine Augen öffnete. Bloß verschwommen war die Silhouette eines Mannes vor mir zu erkennen. Mit benebeltem Verstand versuchte ich mich ganz vorsichtig auf meinem weichen Untergrund aufzurichten und blinzelte immer mal wieder, um ein klares Sichtfeld kriegen zu können. Ich musste eingenickte sein, als ich so gemütlich auf dem Sofa lag, dazu kam noch, dass die Medikamente mich müde gemacht hatten. Nach nur ein paar Wimpernschlägen konnte ich erkennen, dass mein Onkel vor mir stand. Warum musste er mich denn unbedingt wecken? Noch immer übermüdet rieb ich mir mit meinen Händen über die Augen und ließ meinen Blick zur Seite wandern. Offenbar hatte Zelda auch geschlafen. Ebenfalls benommen starrte sie zuerst mich und dann meinen Onkel fragend an.

„Endlich seid ihr wach“, sagte er. „Hier, trink das.“ Er hielt mir eine Glasflasche mit einer blutroten Flüssigkeit entgegen, welche mit einem Korken verschlossen war. „Was zum Teufel ist das?“, fragte ich und musterte das Gebräu skeptisch. Appetitlich sah es jedenfalls nicht aus. „Erklär’ ich dir, wenn du es getrunken hast“, meinte er nur und sah mich streng an. Genervt nahm ich das Zeug entgegen. Wenn es nicht wenigstens schmeckte würde er das bereuen! Mit einem lauten Seufzer zog ich den Korken von der Flasche und sofort stieg mir ein beißender Geruch in die Nase. Angewidert schaute ich zu Zelda, die den Geruch auch nicht wirklich gut zu heißen schien.

„Jetzt trink’ endlich! Und zwar alles!“, drängte mich mein Onkel. „Ja doch.“ Ich rollte mit den Augen und nahm einen großzügigen Schluck von dem roten Zeug. Mit großen Augen beobachtete Zelda mich dabei, wie ich das Glas mit jedem Schluck immer weiter leerte. Natürlich schmeckte es widerwärtig. Angeekelt stieß ich Luft aus und konnte beobachten, wie eine kleine rote Wolke aus Atem vor mir entstand, die den Geruch des Tranks mit sich zog. Das Zeug war so widerlich, dass ich am liebsten gekotzt hätte! Ein Würgen wurde von mir abgelassen und ich starrte meinen Onkel leicht entsetzt an. „Was zum Teufel war das denn für ein ekelhafter Mist!“, fragte ich ihn und ich würde mich bestimmt nicht zufrieden geben, ehe ich die Antwort erhielt. „Nun, dieses Gebräu hat über den Lauf der Jahre verschiedene Namen mit sich getragen“, begann er mit seinen Erklärungen. „Heiltrank, rotes Elixier… ich bevorzuge Herztrank.“ Skeptisch musterte ich ihn und zog dabei eine Augenbraue hoch. Wovon redete er das? „Es wirkt besser als jedes Medikament und kann den Heilungsprozess bei jeder Art von Verletzung beschleunigen. Damit wird dein Fuß in Null Komma Nichts geheilt sein.“ Unsicher starrte ich meinen Fuß an. Es wäre zwar schön, wenn es stimmte, allerdings wunderte es mich mehr, wieso ich noch nie etwas von diesem „Wunderheilmittel“ gehört hatte.

„Verzeihen Sie, Tom…“ „Bitte, duz’ mich doch“, unterbrach mein Onkel das Wort von Zelda. Sie nickte und sprach weiter: „Wieso verfügst du über solch ein Mittel?“ Erwartungsvoll starrte ich ihn an. Auch mich interessierte die Antwort brennend. „Ja, und warum kennt es sonst niemand? Wer weiß wie vielen Menschen mit diesem Zeug geholfen werden könnte!“, fügte ich noch hinzu. „Es ist ein Familiengeheimnis. Selbst wenn ich es der Öffentlichkeit präsentieren würde, das Heilkraut für den Trank existiert schon lange nicht mehr, es hätte also keinen großartigen Nutzen für den Rest der Welt. Ich selbst habe davon nur noch fünf Flaschen. Sie dienen bloß für den absoluten Notfall.“

Er setzte sich mir gegenüber und musterte mich von oben bis unten. Ein mulmiges Gefühl machte sich in meinem Körper breit. Aber mein Onkel hatte tatsächlich Recht. Jetzt, wo ich den Trank getrunken hatte, fühlte ich mich viel lebendiger und voller Energie. Vorsichtig versuchte ich meinen verletzten Fuß zu bewegen und es funktionierte, auch wenn es noch immer leicht schmerzte. Erstaunt machte ich große Augen und starrte meinen Onkel irritiert an. „Es gibt noch mehr Tränke dieser Art“, erzählte er weiter. „Aber ihre Wirkung ist uns im Moment noch nicht von Nutzen.“ Er seufzte einmal tief und ließ seinen Blick zwischen mir und Zelda hin und her schweifen.

„Link, Zelda… ich muss euch etwas erzählen. Hört mir aufmerksam zu!“
Er machte eine kurze Pause, vermutlich überlegte er, womit er anfangen sollte. Unsicher sahen Zelda und ich uns an, ehe wir meinen Onkel erwartungsvoll anstarrten.

„Ich weiß sehr gut über alles Bescheid. Über unsere Herkunft, das Zeichen auf euren Handrücken, ja sogar darüber, dass das Schicksal großes für euch vorherbestimmt hat.“ Mit einem Mal hatte ich noch größere Augen, als ohnehin schon. Ich brauchte einen Moment um den Sinn seiner Worte zu verstehen.

„Du wusstest das? Und warum hast du mir nie davon erzählt?“ Ich wurde wütend. Sehr wütend. Es war mein Schicksal, meine Bestimmung, mein Leben! Ich hatte ein Recht darauf zu erfahren woher ich stamme, was mir bevorsteht und auch darauf, wer ich bin! Wieso wurde es mir verschwiegen? Wieso war alles so furchtbar kompliziert?!

„Ich wollte dich nicht in Gefahr bringen. Link… Wissen ist Macht, aber Wissen kann auch gefährlich werden. Sobald du eingeweiht bist steckst du komplett in der Sache mit drin und es gibt für dich kein zurück mehr!“

Ich schluckte. Auch wenn es mir nicht gefiel, aber ich musste mir eingestehen, dass er Recht hatte. Beschämt starrte ich zu Boden. Ich hätte ihn nicht anschreien dürfen.

„Hat das Ganze etwas mit dem Buch zu tun, dass sich mit Link… ‚vereint’ hat?“, fragte Zelda vorsichtig. Mein Onkel nickte. Woher wusste er von dem Buch? Davon hatte ich bis jetzt niemanden erzählt, außer Zelda. Aber ich beschloss nicht zu fragen. Eigentlich war die Antwort selbsterklärend. Wahrscheinlich wusste er von der Existenz dieses Buches bereits und auch davon, dass es eine wichtige Rolle spielte. Oder so ähnlich.

„In dem Buch wurde ein Reich namens Hyrule erwähnt. Was hat es damit auf sich?“ Zelda war deutlich die Neugier anzumerken. Ihre Augen strahlten vor Wissensdurst. Ich selber war mir nicht so sicher, ob ich noch mehr erfahren wollte, aber das Verlangen nach klaren Antworten besiegte mich schließlich doch.

„Hyrule ist ein Königreich, das vor sehr langer Zeit einmal auf dieser Welt existiert hat. Aber nach einem schrecklich Krieg ging das Reich zu Grunde.“ „Weshalb fand dieser Krieg statt?“, fragte ich. Man führte einen Krieg immerhin nicht völlig umsonst, jedenfalls nicht, wenn man noch halbwegs bei Verstand war. „Das weiß man heute nicht mehr genau, aber es müsste sich um einen Glaubenskrieg gehandelt haben. Wie ihr sicher bereits wisst verehrten die Hylianer drei Göttinnen. Allerdings zogen eines Tages Andersgläubige in das Reich ein und wollten durch einen Kreuzzug den ‚heidnischen’ Glauben verbannen, im ihre eigene Religion durchsetzen zu können. Die Waffen der Feinde waren viel fortschrittlich als die der Hylianer. Sie hatten keine Chance. Viel Blut wurde vergossen und nur die königliche Familie mitsamt einigen wenigen konnten fliehen und überleben.“ Das klang wie Geschichtsunterricht für mich. Stöhnend schlug ich mir meine Hände auf das Gesicht. „Das ist alles so kompliziert“, jammerte ich und ließ mich nach hinten fallen.

„Eine Frage hätte ich da noch“, sagte Zelda und verschränkte ihre Arme. „Und die wäre?“, fragte mein Onkel und starrte die Blonde erwartungsvoll an. „Wie kommt es, dass sich niemand mehr an diese Zeit erinnert? Egal wie lange das alles her ist, es muss doch ein paar Überbleibsel geben. Ruinen, Schriften, Malereien… irgendwas, dass auf die Existenz dieses Königreichs hinweist!“
„Das ist eine berechtigte Frage. Die Antwort ist eigentlich recht simpel. Sie lautet: Magie.“

Ungläubig zog ich eine Augenbraue hoch und starrte meinen Onkel skeptisch in die Augen.
„Das soll doch ein Scherz sein, oder?“ „Aber nein! Ihr habt in dem Buch doch mit Sicherheit auch gelesen, dass die Hylianer der Magie mächtig waren, vor allem die Prinzessin verfügte über mächtige Kräfte. Nach ihrem Entkommen versiegelte sie die Erinnerungen an das Reich in den Menschen. Sie verschaffte sich Zugang zum heiligen Reich und wünschte sich von dem Artefakt der Göttinnen – dem Triforce – dass Hyrule und alle Hinweise auf dessen Existenz ausgelöscht werden sollten. Da die neue Bevölkerung keine Magie praktizierte, ging auch der Gebrauch dessen verloren. Die wenigen Überlebenden siedelten sich in einem kleinen Dorf, weit weg von dem Rest der Welt, an und überlieferten ihre Geschichte von Generation zu Generation, allerdings sollte sie unter den Familienmitgliedern bleiben und nicht an die Außenwelt getragen werden. Den Grund für das Handeln der Prinzessin kenne ich allerdings nicht, doch ich vermute, dass sie weitere Auseinandersetzung vermeiden wollte. Ob es eine andere, bessere Lösung gegeben hätte, weiß ich ebenfalls nicht, aber ich zweifle nicht an ihrer Tat, denn die Prinzessinen Hyrules waren immer voller Weisheit.“

Ich war mir mit der ganzen Sache immer noch nicht so sicher. Selbst wenn ich spitze Ohren oder ein Dreieck auf meinem linken Handrücken hatte und selbst wenn ich Träume hatte, in denen ich drauf gehen könnte, ja sogar selbst wenn ich gerade einen Zaubertrank getrunken hatte… es wirkte einfach unwirklich. Nicht real. Egal wie lange ich schon träumte, ich konnte es immer noch nicht glauben. Wie konnte so etwas Wirklichkeit sein? Magie, Auserwählte, Göttinnen, Artefakte, Monster, Helden, Prinzessinnen… das klang wie eine Fantasygeschichte! Wie der Plot eines Filmes und ich war die Hauptrolle!

„Wie lange weißt du schon, dass etwas im Gange ist?“, fragte ich meinen Onkel. Seit ich angefangen hatte zu träumen verhielt er sich anders als sonst. Er war ruhiger, besorgter, vorsichtiger, nicht so, wie ich ihn kannte.

„Seit ich euch Beide abgeholt und ins Krankenhaus gefahren habe weiß ich es sicher, vorher hatte ich bloß Vermutungen. Weißt du noch wie ich reagiert habe, als du mir zum ersten Mal von Zelda erzählt hast, Link?“ Ich erinnerte mich noch sehr gut daran. Als ich ihren Namen erwähnt hatte war er schlagartig ruhiger geworden, die Farbe war ihm aus dem Gesicht gewichen und er war plötzlich wie geistesabwesend. Vorsichtig nickte ich, als Antwort auf seine Frage.

„Nun, es war mir von Anfang an klar, dass du eines Tages auf ein Mädchen namens Zelda treffen würdest. Aber in diesem Moment kam es so plötzlich und unerwartet. Ich hatte Angst, dass die „Zeit reif“ sein könnte, da ich gehofft hatte, dass zumindest deine Kindheit ruhig verlaufen würde. Nur ich war mir nicht sicher, es hätte auch bloß ein Zufall sein können, dass sie ebenfalls Zelda heißt. Aber als ich sie dann gesehen habe, war ich mir wirklich sicher, da du ja auch spitze Ohren hast, Zelda. Ihr müsst wissen, die ‚Prinzessinnen des Schicksals’ aus Hyrule trugen immer den Namen Zelda. Unter deinem Pflaster hast du mit Sicherheit auch dasselbe Dreieck wie Link, nicht war?“ Zelda starrte auf die Hand mit dem dicken Pflaster, sagte allerdings nichts dazu. „Dein Schweigen deute ich als ein ‚Ja’“, sagte mein Onkel.

Prinzessinnen des Schicksals… aber Zelda war doch keine Prinzessin, zwar eine Nachfahrin des Königshauses von Hyrule, aber dieses existierte schon lange nicht mehr. Wobei das ja nichts heißen musste. Ich warf einen kurzen Blick zu Zelda rüber, nur um zu sehen, wie sie auf die Informationen reagierte. So wie es aussah war sie zwar verwirrt, aber sie konnte die Fakten viel leichter verarbeiten und akzeptieren als ich. Zumindest sah es für mich so aus.

„Die ‚Zeit reif’?“, fragte Zelda etwas spöttisch. „Was passiert denn, wenn die ‚Zeit reif’ ist?“ Diese Frage konnte ich mehr als nur nachvollziehen. Was war damit gemeint? Erwartungsvoll starrte ich meinen Onkel an und wartete auf eine Erklärung. Er antwortete nicht sofort, ließ sich Zeit, um die passenden Worte finden zu können.

„Euch jetzt davon zu erzählen könnte gefährlich werden.“ Mit diesen Worten war es amtlich. Wir wurden zum Narren gehalten. Man erzählte uns etwas von Auserwählten und Schicksal, wollte aber nicht erklären, was denn nun Schlimmes passieren sollte. Aufgebracht stöhnte ich und verschränkte meine Arme. „Kannst du es nicht wenigstens im Groben sagen?“, fragte ich ihn. Immerhin wollte ich wissen, WARUM ich auserwählt sein sollte und WIESO das alles her passierte.

„Nun…“ Mein Onkel ließ sich immer noch ganz schön Zeit. Ich konnte es ihm nicht übel nehmen, das Thema war kompliziert, aber ich war schließlich nicht unbedingt für meine Geduld bekannt. Nervös und angespannt begann ich bereits mit meinem gesunden Fuß auf den Boden zu tippen, was ich immer tat, wenn ich dabei war vor Ungeduld zu platzen.

„Ich denke, ich kann euch folgendes erzählen…“ Zelda und ich hoben gleichzeitig unsere Köpfe und hörten ihm aufmerksam zu. „Laut der Legende geschieht immer etwas, wenn der Auserwählte und die Prinzessin sich treffen. Egal in welchem Verhältnis sie zueinander stehen, egal für wie gut und wie lange, dass sie einander kennen hat immer eine größere Bedeutung. Ob die Geschehnisse allerdings gut oder schlecht sein werden, das vermag leider keiner vorauszusehen.“

Unsicher starrten Zelda und ich uns in die Augen, dabei schluckte ich einmal kurz und unmerklich. Wenn das stimmte, dann stand uns noch einiges bevor…
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BeitragThema: Re: The Legend of Zelda: Lost Stories   Di Jul 01 2014, 19:24

Feuer, siedend heißes Feuer, so weit das Auge reicht. Die glühende Hitze nimmt mir den Atem, der schwarze Rauch raubt mir den Verstand und benebelt meine Sinne. Was ist bloß passiert? Was ist falsch gelaufen? Welchen Fehler habe ich gemacht? So viele Gefahren habe ich gemeistert, ein ganzes Königreich habe ich gerettet, durch die Zeit bin ich gereist… doch ein weiteres Mal konnte ich eine solche Tat nicht vollbringen. Dieses Land konnte ich nicht retten. Das Schicksal aller Wesen hier lastete auf meinen Schultern und niemand wusste davon. Niemand wusste von der grauenvollen Katastrophe, von der drohenden Apokalypse, die sich in diesem Moment bewahrheiten würde. Auch ein Held machte Fehler, aber so etwas konnte er sich nicht leisten. Ich habe kläglich versagt, ich habe es nicht geschafft das Böse ein weiteres Mal zu besiegen. Ich bin Schuld an dem Tod zahlreicher Menschen. Mein Blick fällt nach oben. Der Grund für das Ende dieser Welt nähert sich mir immer mehr. Es wird auch meinen Tod bedeuten. Navi, meine Gefährtin, meine Freundin… wegen dir habe ich diese Reise überhaupt erst angetreten. Ich bedauere es, dass wir uns nun doch nicht mehr sehen können. Aber keine Angst. Selbst nach meinem Ableben werde ich dich nicht vergessen. Und obwohl ich meinem Tod schon ins Auge blicken kann muss ich lächeln, weil ich an dich denke. Bitte denke ab und zu an mich, meine kleine Fee. Immer mehr spüre ich die Auswirkungen des Aufpralls von der hässlichen Fratze am eigenen Körper, ich kann mich kaum noch auf den eigenen Beinen halten. Und gerade jetzt in diesem Augenblick muss ich auch an eine weitere Person denken. Prinzessin Zelda… Es tut mir Leid, dass wir uns kein weiteres Mal mehr treffen können. Ich werde dich vermissen. Hoffentlich vergisst du mich nicht… du musst mir versprechen, dass du mich nicht vergessen wirst. Es ist traurig, dass diese Nachricht dich niemals erreichen wird, aber ich will es nicht unausgesprochen lassen. Lebe wohl, Zelda. Und vielen Dank… für alles. Die Hitze beginnt bereits in meinen Augen zu brennen. Ich schlage die Arme vor das Gesicht, obwohl es mich nicht vor meinem Schicksal bewahren wird. Es ist rein instinktives Verhalten. Der Druck wird immer stärker. Lebt wohl, meine Freunde… Salia, Malon, Navi, Zelda… niemals werde ich zulassen, dass ich euch vergesse. Meine Seele wird unsere gemeinsamen Zeiten weiter tragen, von Generation zu Generation. Ich spüre wie der Boden unter meinen Füßen verschwindet. Ein lauter, schallender Schrei entgleitet meiner Kehle und ich werde brutal weggeschleudert, direkt in Richtung der heißen Flammen. Es ist bereits viel zu spät um etwas tun zu können. Ich höre bloß noch das schrille und ohrenbetäubende Gelächter dieses bemitleidenswerten Kindes. Es geht mir immer bis unter die Haut und bereitet mir eine unangenehme Gänsehaut.
Volk von Termina, es tut mir Leid, dass ich euch nicht helfen konnte. Horror Kid, es tut mir Leid, dass ich dich nicht retten konnte. Taya… du und Navi, ihr hättet euch sicher gut verstanden… verzeih mir bitte, dass ich auch dir nicht helfen konnte. Du wolltest unbedingt deinen Bruder retten… du bist eine gute Schwester… Ich hoffe, ihr alle könnt mir verzeihen…


Geschockt schlug ich meine Augen auf. Mein Atem war laut und hysterisch, warme Schweißtropfen liefen mir die Stirn herunter und eine unmenschliche Hitze erschlug mich, so stark, dass ich die Decke von meinem Körper schmiss. Mein Herz schlug so fest gegen meine Brust, dass ich Angst hatte es könnte zerspringen. Sofort richtete ich mich auf und hielt meine Hand an meine Brust um den lauten Atem zu beruhigen. Vorsichtig ließ ich meinen Blick auf meinem Bett ruhen um mich zu vergewissern, dass ich Zelda nicht aufgeweckt hatte. Gestern hatte ich ihr mein Bett zur Verfügung gestellt und es mir selbst auf einer Matratze gemütlich gemacht. Zu meinem Glück schlief sie noch immer ruhig. Schnell stellte ich mich auf, achtete dabei allerdings nicht auf meinen noch immer verletzten Fuß und musste bei dem plötzlichen Schmerz kurz zusammen zucken, biss dabei meine Zähne aufeinander und stöhnte schmerzhaft auf. Der Herztrank hatte zwar ganze Arbeit geleistet, aber noch waren die Knochen nicht komplett verheilt. Für eine schnelle Genesung waren die Verletzungen wohl doch zu stark. Ungeschickt humpelte ich in das Badezimmer und stolperte in den Raum, sofort schloss ich die Tür hinter mir zu. Mein Atem war noch immer laut. Ein Blick in den Spiegel zeigte mein leichenblasses Gesicht und meine weit aufgerissenen, schon fast verstörten Augen. Erst jetzt wurde es mir wirklich bewusst. Ich hätte sterben können. Die Flammen hätten mich verbrennen können. Ich lehnte mich gegen die geschlossene Tür und ließ mich langsam bis zu dem Boden entlang gleiten. Ein Schluchzen wurde von mir abgelassen, ich spürte, wie salzige Tränen meine Wangen herunter liefen. Wäre ich nicht aufgewacht, hätte ich den heutigen Tag nicht mehr erlebt. Meine Hände begannen zu zittern, meine Lippen bebten. Noch nie hatte ich eine solch große Angst gehabt. Ich hatte Todesangst.

Zum ersten Mal erlebte ich die Vergangenheit als der Held selbst und nicht bloß als unsichtbarer Zuschauer. Ich habe all die Probleme, all die Last auf seinem Herzen spüren können. Die Angst, die Verzweiflung, die Enttäuschung, die er in diesem Moment gespürt hatte. Was sollte mir der Traum sagen? Das selbst ein Held verlieren konnte? Wozu einen auserwählen, wenn er genauso versagen konnte wie jeder andere auch? Die Tatsache, dass ich ein Auserwählter der Göttinnen war, dass ich ein Fragment in mir trug, es würde mich nicht vor einer möglichen Niederlage bewahren. Ein weiteres Schluchzen von mir war zu hören. Ich erinnerte mich an dieses schrille Lachen. Dieses verstörende Lachen, das sich für immer in meinen Kopf einbrennen und mir wieder durch Mark und Bein gehen würde, wenn ich nachts nicht schlafen konnte. Und ich sollte ein Held werden? Ich, der hier lag und in Selbstmitleid badete, der vor Angst schlotterte? Warum ich? Der Held in meinen Träumen… er konnte lächeln, obwohl er dem Tod quasi ins Auge geblickt hatte. Er hatte seine letzten Gedanken seinen engsten Freunden gewidmet. Er besaß wahren Mut. Würde ich dasselbe in solch einer Situation tun können? Würde ich einfach lächeln und mein Schicksal akzeptieren können, würde ich in solch einem Moment für mein vorheriges Leben dankbar sein können? Oder würde ich wie jetzt aus lauter Angst verzweifeln und alles und jeden für diese Strafen, für dieses Leiden hassen? Würde ich meine Vorfahren dafür verfluchen, dass ausgerechnet ich mit ihnen verwandt sein musste? Durfte ein wahrer Held solche Gedanken überhaupt haben? Würde ein solcher Held sich seinen Ängsten nicht entgegenstellen anstatt sich von ihnen beeinflussen zu lassen? Würde ein echter Held nicht aufstehen und seinen Weg weitergehen ohne auch nur einen Gedanken an das Aufgeben zu verschwenden?

Vorsichtig hob ich meine linke Hand. Mit von Hass getränktem und mit Tränen erfülltem Blick starrte ich das goldene Dreieck an. Durfte ein Held überhaupt hassen?

Ich war kein Held. Viel zu schnell ließ ich mich unterkriegen. Und dabei musste ich doch stark sein. Es war meine Aufgabe die Leute, die mir lieb waren zu beschützen. Warum fiel es mir in diesem Moment so schwer an mein Schicksal zu glauben? Wieso konnte ich nicht wie die Helden aus meinen Träumen bis zu meinem letzten Atemzug kämpfen und an einem sicheren Sieg festhalten?

„Ich bin kein Held“, flüsterte ich. „Ich bin ein egoistischer Feigling. Ich werde niemals ein ganzes Land retten können, ganz alleine schon gar nicht. Wie soll ich gegen wirkliche Gefahren ankommen, noch gefährlicher als meine Träume, wenn ich jetzt schon das letzte Häufchen Elend bin? Alleine dieses Lachen, dieses grausige, fürchterliche Lachen reicht schon um mich fertig zu machen…“

Noch immer zitterten meine Hände. Es war unheimlich schwer die Fassung zu bewahren, noch schwerer war es mich wieder zu beruhigen. Langsam strich ich mit meinem Daumen die Tränen aus meinen Augen. Ich wollte kein weiteres Mal in den Spiegel sehen. Der Anblick eines Totalversagers würde mich nur noch verzweifelter stimmen. Obwohl meine Beine schwach waren stellte ich mich wieder auf. Schließlich konnte ich schwer für immer so hier sitzen bleiben, auch wenn ich es liebend gerne getan hätte. Vorsichtig richtete ich mich über dem Waschbecken aus, vermied dabei gekonnt jeglichen Augenkontakt mit meinem Spiegelbild, und öffnete den Wasserhahn. Eiskaltes Wasser floss in Strömen heraus und verschwand im Abfluss. Ich formte meine Hände zu einer Schale und hielt sie unter das fließende Wasser. Auf diese Kälte war ich nicht vorbereit gewesen und zuckte bei dem Gefühl kurz zusammen. Ich beugte mein Gesicht weiter vor und spritzte das kühle Nass in mein Gesicht. Es war eine wundervolle Erfrischung und viel effektiver, als ich erwartet hatte.

Sofort schlich ich mich zurück zu meinem Schlafplatz und ließ mich fallen. Erleichtert stellte ich fest, dass Zelda noch immer schlief. Es war schon seltsam… obwohl kaum zwei Tage vergangen waren seit ich sie aus ihrer schrecklichen Verfassung ‚gerettet’ hatte und es ihr noch viel schlechter ging als mir jetzt, wirkte sie nun viel mutiger und selbstsicherer als ich. Dabei sollte ich eigentlich so sein. Ich bewunderte sie für ihre Willensstärke. Hoffentlich würde ich es ebenfalls schaffen können neuen Mut zu fassen, so wie sie.

So leise wie nur möglich tastete ich nach meinem Handy. Die Kopfhörer steckten glücklicherweise noch drin. In dieser Nacht würde ich nicht mehr schlafen können, etwas Musik konnte mir nur gut tun. Eine Ablenkung war nun dringend nötig. Ohne lange darüber nachzudenken steckte ich die Stöpsel in meine Ohren und ließ die Playlist laufen. Dubstep ohne Gesang. Gerade jetzt war das perfekt.

Das Handy verriet mir, dass es erst zwei Uhr in der Früh war. Am nächsten Tag musste ich auch noch in die Schule. Ohne Energy Drink würde ich den Tag nicht überleben, ganz besonders nicht mit Dragmire in der ersten Stunde. Diesen idiotischen Lehrer hatten wir jetzt schon seit Wochen. Ich wünschte mir sehnlichst unsere alte Lehrerin zurück. Was war eigentlich mit ihr passiert? Welcher Unfall konnte so verheerend sein, dass man so lange arbeitsunfähig war? Ohne Frage, ich würde mich nach ihr informieren, völlig egal ob in einer Woche die Sommerferien starten würden und ich wahrscheinlich so oder so nichts mehr mit ihr zu tun haben würde. Das Ganze kam mir einfach nur verdammt seltsam vor. Ich wusste zwar nicht was da vor sich ging, aber normal war das nicht, so viel war klar.

Ich beschloss die ganze Geschichte erstmal auf sich beruhen zu lassen und mich zu entspannen. Ich war immer noch etwas aufgebracht wegen meines heutigen Traumes, da konnte ich nicht wirklich klar denken. Vermutlich redete ich mir auch bloß irgendwelche Hirngespinste ein, wer wusste das schon?
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BeitragThema: Re: The Legend of Zelda: Lost Stories   Fr Aug 01 2014, 12:06

Irgendwie hatte ich es dann wohl doch geschafft einzuschlafen, auch wenn es nur für eine halbe Stunde war. Es war zwar viel mehr eine Art Halbschlaf, aber trotzdem genug um mich noch müder zu machen. Wie viel Sinn es auch machte durch das Schlafen müde zu werden. Jedenfalls hatte Zelda mich geweckt, was nicht ganz einfach war mit der lauten Musik in meinen Ohren. Letztendlich hatte sie es dann dadurch geschafft, dass sie das Kissen unter meinem Kopf weggezogen hatte und ich mit einem riesigen Schock hoch geschreckt war. Am liebsten wäre ich noch länger liegen geblieben, aber ich war ihr dann doch dankbar dafür, dass sie mich geweckt hatte. Auf diesem Weg wurden bloß unnötig irgendwelche Träume verhindert, in denen ich sterben könnte.

Nachdem ich mich ins Bad geschleppt hatte und nichts weiter getan hatte, als mir durch die Haare zu wuscheln und meine Zähne kurz zu putzen, hatte ich mir aus dem Kühlschrank eine kühle Dose Monster Energy geschnappt und trank sie genüsslich aus, während ich darauf wartete, dass Zelda endlich fertig wurde. Geduscht hatte sie schon gestern, jetzt fehlte bloß noch das übliche: umziehen, schminken, Haare machen, whatever…

Aus welchem Grund auch immer schlief mein Onkel immer noch. Eigentlich war er der totale Frühaufsteher und immer schon mindestens eine Stunde vor mir wach. Entweder machte ihm die ganze Sache momentan mehr zu schaffen, als ich dachte, oder er war wegen eines Fußballspiels oder ähnlichem letzte Nacht viel zu lange aufgeblieben. Er sollte sich mal nicht so anstellen, immerhin wäre ich die Nacht fast verreckt.

Das Koffein zeigte allmählich seine Wirkung. Auch wenn ich erst die Hälfte ausgetrunken hatte spürte ich bereits, dass mein Körper sich unbedingt bewegen wollte. Jetzt musste das nur noch bei meinem Verstand ankommen und alles war super.

„Was zum Teufel braucht die denn so lange?“, flüsterte ich leise. Eigentlich lief ich jeden Tag mit Jan und Luke gemeinsam zur Schule, da wir drei zufälligerweise in derselben Straße wohnten, aber es war bereits so spät, dass sie mit Sicherheit schon ohne mich losgegangen waren. Die dachten wohl ich hätte schon wieder verschlafen, dabei war ich schon seit Stunden wach.

Ich seufzte erleichtert auf, als ich sie endlich im Eingangsflur sah. Sie war gerade dabei sich ihre weißen Ballerinas anzuziehen, als ich den letzten Schluck aus meiner Dose genüsslich ausgeschlürft hatte. Jetzt sah Zelda erst recht wie eine komplett andere Person aus – sie hatte sich blaue und auch relativ kurze Jeansshorts und dazu ein bauchfreies grasgrünes Top mit dünnen Spaghettiärmeln angezogen und dazu die Spitzen ihrer blonden Haare gelockt. Warum hatte sie sich die Haare gelockt? Kein Wunder, dass sie so lange gebraucht hatte. Gerade zog sie sich ihre Mütze über, um ihre spitzen Ohren nicht sichtbar werden zu lassen. Wie sie es bei dieser Hitze mit so etwas auf dem Kopf aushielt war mir ein Rätsel.

Bei diesem Anblick musste ich mit dem Kopf schütteln, konnte mir ein Lächeln allerdings nicht vergreifen. Zelda starrte mich mit einem breiten Grinsen an, während sie sich ihre Tasche umwarf. „Was?“, fragte sie, noch immer lächelnd. „Ach nichts“, kam es schließlich von mir. Schnell hatte ich mir noch meine Krücken geschnappt. „Ich habe mich nur gefragt, warum du dir so viel Zeit gelassen hast.“

Wir verließen gemeinsam das Haus und ich schloss die Tür hinter uns. „Es war nun mal schwer wieder ordentlich aus zu sehen, wenn man sich zwei Wochen lang ziehen lässt“, gab sie mir wieder zurück. „Gutes Argument.“

Eine Dose Monster Energy hatte wohl nicht gereicht. Etwas Müdigkeit hatte mich noch immer im Griff. Da Zelda ebenfalls immer noch relativ müde war liefen wir schweigend nebeneinander her, was eigentlich relativ angenehm war. Manchmal war es einfach besser, wenn man die Klappe hielt und nichts sagte.


Ich konnte ganz deutlich die ganzen Blicke spüren, als ich gemeinsam mit Zelda den Klassenraum betrat. Auch wenn wir verdammt lange gebraucht hatten, waren wir noch relativ pünktlich angekommen und es war auch noch kein Lehrer anwesend. Die Mädchen begannen zu kichern und die Jungs grinsten mich an. Bei diesem Anblick konnte ich nicht mehr als die Augen zu verdrehen. Hatten die nichts, worüber sie sich unterhalten konnten? Manchmal wurden solche Sachen von denen hier sehr übertrieben. Aber ein wenig konnte ich es auch verstehen. Da nach den Sommerferien die Oberstufe starten würde, war das hier auch gleichzeitig die letzte Woche gemeinsam mit dieser Klasse. Da wollte natürlich jeder noch so viel Zeit wie möglich mit allen verbringen, da achtete man auch ganz besonders auf jeden Einzelnen. In solchen Momentan war man froh, dass man in so einer lieben Klasse war. Keiner wurde wirklich ausgeschlossen, wir gingen alle nett miteinander um und wir hatten uns auch wirklich alle lieb. Wenn man sich da die anderen Klassen in diesem Jahrgang anschaute konnte man von Glück sprechen.

Aber meine Krücken waren natürlich auch nicht zu übersehen. Wieso konnte dieser Trank nicht schneller wirken? Jetzt würden etliche Fragen wie „Oh mein Gott, was ist passiert?“ oder „Kann ich auf dem Gips unterschreiben?“ kommen. Ich freute mich schon darauf – nicht.

Wie zu erwarten waren bereits die ersten aufgesprungen, darunter zählten sich erstmal nur Mädchen. Und genau der Fall, den ich erwartet hatte, war eingetreten. Ich wurde von hunderten Fragen durchlöchert. Während ich allen die Lage erklärte stand Zelda etwas verlegen neben mir. Vor allem die Blicke, die kamen, als ich erwähnte, dass wir zusammen waren, als es passiert war, waren extrem unangenehm.

Nachdem die Fragerei endlich vorbei war und ausnahmslos jeder auf meinem Gips unterschrieben hatte, ließ ich mich auf meinen Platz fallen und gähnte einmal ausgiebig, während Zelda sich noch einmal kurz zu ihren Freundinnen gesellte. Sie war ebenfalls sofort mit Fragen durchlöchert worden, die so ähnlich waren wie „Warum warst du denn so lange weg?“ „Warst du krank?“ oder „Bist du wieder gesund?“

Natürlich war es klar, dass ich nicht lange alleine bleiben würde. Sofort kam Luke zu mir herüber, logischerweise mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

„Da wurden wir wohl versetzt, was?“, meinte er zu mir und setzte sich auf meinen Tisch. Ich rollte mit den Augen und verschränkte meine Arme ineinander. „Dein Ernst?“, fragte ich ihn. Er starrte mich herausfordernd an. Ich deutete das als ein „Ja“.

„Aber denkst du wirklich, es ist noch niemandem aufgefallen?“, fragte er mich dieses Mal. Fragend zog ich eine Augenbraue hoch. „Was soll aufgefallen sein?“ Er beugte sich etwas weiter zu mir vor. Was zur Hölle sollte das denn jetzt werden? „Na liegt das nicht auf der Hand? Man sieht dich und Zelda ständig zusammen, auch in der Pause. Offensichtlich trefft ihr euch auch regelmäßig außerhalb des Unterrichts und jetzt lauft ihr auch noch gemeinsam zur Schule. Du kannst mir nicht erzählen, dass da nichts läuft.“

Irritiert starrte ich ihn an und musste erst ein paar Mal blinzeln, ehe ich den Sinn seiner Worte verstanden hatte. „Warte, du denkt, dass Zelda und ich… so…“ „Nicht nur ich denke das“, unterbrach er mich mitten im Satz. Auf einmal musste ich lachen. Das war doch nicht wirklich deren Ernst? „Hör mal, ich und Zelda, wir sind nur gute Freunde, mehr ist da nicht, okay?“

Jan zuckte bloß noch mit den Schultern. „Wenn du meinst.“ Er setzte sich auf seinen Platz und ich starrte ihm hinterher. Vorsichtig dachte ich über seine Worte nach und versuchte einen klaren Kopf zu bekommen. Ein wenig hatte er ja schon Recht. Wir waren seit dem Tag, an dem Zelda in die Klasse gekommen war, sehr oft zusammen unterwegs gewesen. War da vielleicht doch etwas dran?

„Unsinn“, flüsterte ich leise und schüttelte den Kopf. Zelda und ich, wir waren bloß Freunde. Und außerdem waren wir durch das ‚Schicksal’ verbunden. Wer weiß, was er sagen würde, wenn er das wüsste. Aber wahrscheinlich dachten dann alle bloß, dass es noch wichtiger war, dass wir beide ein Paar werden. Warum dachten auch immer alle sofort, dass man zusammen war, nur weil mal ein Junge und ein Mädchen sich super miteinander verstanden? Immerhin waren wir nicht die einzige Junge und Mädchen Freundschaft in dieser Klasse. Es wurde mal wieder von allen viel zu übertrieben.
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BeitragThema: Re: The Legend of Zelda: Lost Stories   Di Aug 19 2014, 00:59

„Wir werden morgen wieder einen Test schreiben. Diesmal kündige ich ihn an, vielleicht werdet ihr dann nicht wieder so katastrophal schlecht abschneiden wie beim letzten Mal. Was ihr hier bei diesem Test abgezogen habt ist wirklich das allerletzte. Mir ist noch nie eine so unvorbereitete und regelrecht dumme Klasse unter die Augen gekommen wie ihr es seid. Ihr solltet euch was schämen für eure Inkompetenz.“

Mit strengem Blick besah Herr Dragmire sich die Klasse und musterte jeden einzelnen von uns einmal sorgfältig. Alle waren still geworden, man hätte eine Mücke hören können. Einige trauten sich nicht dem Lehrer in die Augen zu schauen und starrten stattdessen auf den Tisch, die Decke oder sonst wo hin. Ich und Zelda jedoch funkelten ihn wütend an. Wir starrten direkt in seine seelenlosen, stechend gelben Augen. Was bildete er sich auch ein? Ein Notendurchschnitt von 3,0 war wirklich gut, wenn man einmal bedachte, was für seltsame Fragen gestellt worden waren. Niemand war auf einen Test vorbereitet gewesen und einzelne Dinge ergaben einfach keinen Sinn. Ganz besonders den Sinn der Frage „Welche Bedeutung hat die Dreiecksform in der Geschichte“ keiner verstanden hatte. Woher hätte man das wissen sollen, wenn man noch nicht einmal ein einziges Wort darüber im Unterricht verloren hatte? Allmählich fing ich an zu glauben, dass unser lieber Herr Dragmire noch nicht ganz kapiert hatte, wie das mit dem „Schülern etwas beibringen und anschießend darüber abfragen“ genau funktionierte.

Letzten Endes trafen sich schließlich mein Blick und der des Lehrers. Noch nie hatte mich alleine der Blick eines Menschen so aggressiv werden lassen wie es bei ihm der Fall war. Seine Augen waren so unnatürlich gelb, es brachte mich schon fast zum kotzen. Am liebsten wäre ich wohl in diesem Moment aufgestanden, um meine Faust in seinem Gesicht sehen zu können. Allerdings war ich dummerweise zu müde dazu und einen Schulverweis wollte ich auch nicht riskieren.

„Ich erwarte dich heute nach dem Unterricht vor dem Lehrerzimmer, Link. Ich habe etwas mit dir zu bereden.“

Kurz nachdem er diese Worte ausgesprochen hatte drehten sich die Köpfe aller Schüler dieser Klasse zu mir herüber und der fragende Ausdruck in ihren Gesichtern war kaum zu übersehen, auch Zelda neben mir starrte mich entgeistert an.

Was sollte dieser Lehrer denn mit mir bereden wollen? Er war ohnehin nur eine Vertretung, wenn auch viel zu lange, und ich hatte auch nichts schlimmes verbrochen, jedenfalls nicht das ich wüsste. Er hatte es definitiv auf mich abgesehen, dass konnte keiner verneinen. Es war aber auch schon ein wenig interessant wie er es immer und immer wieder schaffte mich bis zur Weißglut zu bringen. Es gehörte schon viel dazu mich so wütend machen zu können, wenn man nicht gerade Ben hieß und das gruseligste Grinsen überhaupt ins Gesicht eingebrannt hatte. Zu meinem Glück war besagte Person für den heutigen Tag krank, ansonsten hätte er mich jetzt sicher auch angegrinst. Wahrscheinlich würde er sogar grinsen, wenn er gerade dabei war zu ertrinken.

Aber auch die Tatsache, dass unser toller Lehrer dem Trottel aus einem meiner Träume so unfassbar ähnlich sah half nicht gerade dabei mich zu beruhigen, im Gegenteil. Mein Hass auf ihn wurde dadurch bloß noch größer. Und ob man es glauben wollte oder nicht, meiner Meinung nach war diese Ähnlichkeit kein Zufall. Das Böse hatte ein Gesicht und es stand direkt vor mir.

Während Herr Dragmire seine Sachen zusammenpackte ballte ich unter dem Tisch meine Hände zu Fäusten und ließ meinen Blick nicht von ihm anwenden. Finster starrte ich ihm hinterher, bis er den Raum verließ und die Tür hinter sich zuknallte. Anscheinend hatte dieser arrogante Bastard es noch nicht einmal nötig sich von uns zu verabschieden.

Kaum war er aus dem Raum verschwunden begann auch schon das Gemurmel. Wahrscheinlich ging es dabei um mich, da war ich mir eigentlich ziemlich sicher. Aber mir selbst war es ebenfalls ein Rätsel, was er von mir wollen könnte.

„Da hatte es wohl doch was gutes, dass ich so lange nicht da war. Musste ich wenigsten diesen komischen Test nicht mitschreiben“, sagte Zelda und starrte mich an. Ich rollte mit den Augen und konnte das nur bestätigen. In diesem Fall konnte man wirklich von Glück sprechen. Noch schlimmer war die Tatsache, dass dieser Test Auswirkungen auf meine Endnote für das Zeugnis hatte, die ich nun nach Notenschluss nicht mehr verbessern konnte. Nachdem Herr Dragmire damit begann uns zu unterrichten war ich in Geschichte verdammt schlecht geworden. Noch wütender machte mich, dass wir am nächsten Tag noch einen Test schreiben mussten, obwohl bereits seid letzter Woche Notenschluss war.

„Kann ich mir den mal ansehen?“, fragte Zelda mich schließlich. „Klar, hier“, sagte ich und reichte ihr den Zettel. Ich war gerade noch so besser als eine 6 gewesen, was in diesem Fall schon Grund genug war um stolz auf sich zu sein. Interessiert las Zelda sich den Zettel durch und ich konnte nur seufzen.

Aus dem Augenwinkel konnte ich sehen, wie Sven auf uns zukam. Ich richtete meinen Blick auf ihn und hob kurz meine Hand zur Begrüßung. „Alter was war das denn?“, fragte Sven mich aufgebracht. „Ich konnte den ja wirklich noch nie leiden, aber das war schon eine Aktion, die hat mich echt umgehauen. Schon krass was der hier abzieht.“ „Und wie, der kann mich mal, ernsthaft. Allein die Tatsache, dass wir den schon so lange ertragen müssen und Frau Kramm immer noch nicht zurück ist macht mich krank. Aber allmählich mache ich mir um sie auch Sorgen, ich würde gerne wissen, warum sie so lange weg ist…“

„Warte, was?“ Sven starrte mich irritiert an und wirkte so, als hätte er keine Ahnung von dem, was ich hier redete. Fragend blickte ich zurück. So schwer waren meine Worte nun auch wieder nicht zu verstehen.

„Wer zum Teufel ist Frau Kramm?“, fragte Sven. Ich wusste nicht, ob das ein Scherz sein sollte, aber er wirkte auf mich so, als würde er es ernst meinen. „Äh, hallo? Unsere eigentlich Lehrerin, die aber keine Ahnung was hat und wir deswegen jetzt Vertretung bei diesem Idioten haben?“, antwortete ich ihm und starrte ihn an. „Wir hatten noch nie eine Frau Kramm“, erzählte er mir. Wovon sprach er da bloß? Musste ich das verstehen?

„Mir wurde aber auch gesagt, dass wir eigentlich bei einer Frau Geschichte unterrichtet bekommen würden“, meldete Zelda sich ins Wort. „Dann wird man da wohl einen Fehler gemacht haben“, sagte Sven daraufhin nur. „Das kann aber gar nicht sein“, sagte ich. „Von diesem Dragmire habe ich zuvor noch nie etwas gehört und Frau Kramm ist eine der coolsten Lehrer, die ich kenne.“

Noch immer stark irritiert starrte mein Kumpel mich an und ich selbst gab ihm bloß denselben Gesichtsausdruck zurück. Mittlerweile verstand ich wirklich gar nichts mehr. Wie konnte man das denn vergessen? Sven drehte sich zu irgendwem aus der Klasse um, der sich gerade unterhielt. Es war Lukas, der größte Streber, den ich kannte. „Hey, wie lange haben wir Herr Dragmire schon?“, fragte Sven ihn. „Äh, seid Anfang der achten…“ „Und kennst du eine Frau Kramm?“ „Nein…“

„Siehst du?!“, sagte Sven, wieder zu mir gewandt. Lukas drehte sich kopfschüttelnd zurück und setzte sein Gespräch fort. „Sagt mal, wollt ihr mich eigentlich komplett verarschen?“, fragte ich ihn. „Das kann doch nicht dein Ernst sein. Ich bin mir zu hundert Prozent sicher, dass wir eigentlich Frau Kramm als Geschichtslehrerin haben.“

Sven legte seine Hand auf meine Schulter und sah mich eindringlich an. Er schien ernsthaft besorgt zu sein. „Link, hör mir zu. Wir hatten noch nie eine Frau Kramm und Herr Dragmire unterrichtet uns schon seid zwei Jahren. Ich weiß nicht, warum du glaubst, er sei bloß eine Vertretung, aber das ist definitiv nicht normal.“

Als Sven mich so anschaute und auf mich einreden wollte konnte ich nicht viel mehr tun, als große Augen zu machen. Seine Worte und auch die Befragung von Lukas hatten mich vollständig verwirrt. Lukas hatte auch so geantwortet, als wäre das alles selbstverständlich was hier gerade passierte. Noch immer starrte Sven mich so komisch an und der Anblick davon machte mich beinahe wahnsinnig.

„Wenn hier einer nicht normal ist, dann bist du das“, sagte ich bloß und schlug seine Hand von meiner Schulter. Zelda hatte das gesamte Geschehen aufmerksam mitverfolgt, auch wenn es sie ernsthaft zu verwirren schien. „Komm wieder runter“, meinte Sven ruhig zu mir und wollte auf mich zugehen, doch ich ließ es nicht zu und erhob mich von meinem Stuhl. „Ich werde ganz sicher nicht runterkommen. Erzählt doch nicht so einen Mist!“

Wütend drehte ich mich um und humpelte mit der Hilfe meiner Krücken in Richtung Tür. Wir hatten ohnehin gerade für 45 Minuten Pause, also würde ich das was ich vorhatte auch durchziehen können. „Link, wo willst du hin?“, fragte Zelda mich und war von ihrem Stuhl aufgesprungen. „Dahin, wo ich schon längst hätte hingehen sollen“, antwortete ich und verließ den Raum.


Da stand ich also nun vor der Tür zum Sekretariat. Ich musste jetzt einfach wegen Frau Kramm fragen, eigentlich hätte ich das sofort tun müssen. Ich ließ mich doch nicht so einfach von denen verarschen und nach Antworten über dieses seltsame Ereignis suchte ich so oder so schon lange, hier würde ich sie hoffentlich endlich bekommen.

Ich klopfte vorsichtig gegen die Holztür und wartete, bis das „Herein“ der Sekretärin zu hören war. Anschließend trat ich ein und nährte mich ihr. „Hallo, mein Name ist Link“, begann ich und erklärte sofort mein Anliegen. „Ich hätte da eine Frage. Ich bin von der 9b und seid ungefähr zwei Monaten haben wir in Geschichte Vertretung bei einem gewissen Herr Dragmire. Mich würde interessieren, weshalb unsere eigentliche Lehrerin Frau Kramm schon solange abwesend ist. Können Sie mir da weiterhelfen?“

Die Sekretärin starrte mich an, als wäre ich aus allen Wolken gefallen. „Es tut mir wirklich Leid das sagen zu müssen, aber eine Frau Kramm haben wir schon länger nicht mehr auf dieser Schule und nach meinem Wissen wird die 9b schon seid zwei Jahren von Herr Dragmire in Geschichte unterrichtet.“

Diesen Worten konnte ich wenn ehrlich keinen wirklichen Glauben schenken. Ich hatte mir den Unterricht bei Frau Kramm doch nicht eingebildet, dass war völlig unmöglich! Entweder hatte man die ganze Sache irgendwie zusammengefeilt um mir eins auszuwischen oder ich war schon dabei vollkommen durchzudrehen.

„Aber das kann gar nicht sein“, sagte ich zu der Sekretärin. „Ich bin mir eigentlich sehr sicher, dass wir von Frau Kramm unterrichtet werden.“ Die blondhaarige Frau mir gegenüber sah mich eindringlich aus ihren braunen Augen heraus an. „Link… die letzte Frau Kramm, die an dieser Schule unterrichtet hat, ist vor etwa vier Jahren verstorben.“

Diese Worte waren so heftig wie ein Schlag ins Gesicht. Ich blinzelte vorsichtig ein paar Male, um das Gehörte realisieren zu können. „Verstehe… vielen Dank für die Auskunft“, sagte ich und verließ den Raum.

Das konnte doch wirklich nicht wahr sein. Wurde ich nun tatsächlich langsam verrückt, sodass ich mir plötzlich Dinge einbildete? War es überhaupt möglich sich etwas einzubilden, dass man als so real empfand? Zelda war immerhin auch von einer Frau ausgegangen, so wurde es ihr erzählt. Würde man da wirklich so einen Fehler machen können?
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BeitragThema: Re: The Legend of Zelda: Lost Stories   Do Okt 09 2014, 15:17

Kaum war das Geräusch der Schulglocke ertönt, schon war jeder aufgesprungen um seine Sachen zusammenpacken und endlich verschwinden zu können. Einer nach dem anderen verließ den Raum, in dem wir vor wenigen Minuten noch Mathe hatten – in der siebten und achten Stunde. Wer auch immer auf die bescheuerte Idee gekommen war das Fach Mathe an einem Montag in den Nachmittagsstunden unterrichten zu lassen hätte schon längst verklagt werden sollen.

Der ein oder andere ließ noch ein „Tschüss“ von sich hören, ehe er durch die Tür schritt, um dieses Gebäude endlich verlassen zu können. Die letzte Woche war mitunter die unnötigste von allen. Keine Noten mehr, die meisten Lehrer machten ohnehin keinen wirklichen Unterricht, viele Stunden fielen aus und die Ferien wurden mit jedem Tag immer sehnlicher erwartet. Einzig und allein Herr Dragmire zog seinen Unterricht nach wie vor durch, was von vielen schon als unmenschlich angesehen wurde, wobei ich ihnen auch zustimmen musste. Für den morgigen Test würde ich auch nicht lernen, das konnte dieser Idiot von einem Lehrer total vergessen. Wenn sowieso bereits seit einigen Tagen Notenschluss war würde sich das gar nicht lohnen, also wozu noch unnötig Stress machen?

Ich schaute Sven dabei zu wie er als einer der Letzten den Raum verließ, ohne noch irgendetwas verabschiedendes zu mir zu sagen. Seit dieser Sache mit Frau Kramm in der Mittagspause heute hatten wir zwei kein Wort mehr miteinander gewechselt. Ein wenig machte es mich traurig. Ich hoffte bloß, dass wir diese zusammenhanglose Differenz so schnell wie mögliche bei Seite schieben konnten und alles wieder beim alten war. Logischerweise war es für Sven etwas gruselig, dass ich mir laut seiner Vorstellung eingebildet hatte, wir hätten seit zwei Jahren eigentlich eine Lehrerin, von der er noch nie etwas gehört hatte, aber ich hätte nur zu gerne gesehen wie er reagieren würde wenn er wüsste, dass das das mit Abstand harmloseste Ereignis der letzten Zeit in meinem Leben war.

Ich seufzte einmal und machte mich schließlich auch daran meine Sachen zusammen zu packen. Eine kleine Spur Neid überkam mich als ich daran dachte, dass es hier mit für alle getan war, während ich noch zu Herr Dragmire gehen musste um mit ihm über was-weiß-ich-was zu reden. Ich würde wohl ernsthaft mit mir zu kämpfen haben wenn ich nicht wollte, dass das Gespräch mit meiner Faust in Dragmires hässlicher Fresse endete. Wie konnte die bloße Anwesenheit eines Menschen mich auch so wütend werden lassen? Allein der Gedanke an ihn ließ mich einen Kotzreiz unterdrücken.

Schließlich waren ich und Zelda die Letzten in diesem Raum, auch der Lehrer war bereits verschwunden. Wenn besagte Person es nicht für nötig hielt abzuschließen, von mir aus. Das war immer hin nicht mein Problem. Wenn irgendwas aus diesem Raum Abhanden kommt, dann würde ich ihn auslachen, darauf konnte er sich gefasst machen.  Mit Mühe stellte ich meinen Stuhl hoch (was sich als ziemlich schwierig herausstellte, wenn man nur auf einem Fuß genügend Halt finden konnte), warf mir meinen Rucksack über die Schulter und schnappte mir meine Krücken. Seite an Seite verließen Zelda und ich den Raum und machten uns auf den Weg bis vor das Lehrerzimmer im ersten Stockwerk. Von Herr Dragmire war noch keine Spur zu sehen.

„Ich warte dann vor der Schule auf dich“, sagte Zelda zu mir. „Na ja, von mir aus kannst du auch schon nach Hause, ich will nicht, dass du extra wegen mir noch so lange hier bleiben musst“, antwortete ich. Das mit Dragmire war meine Sache, Zelda musste doch deswegen nicht ihre Lebenszeit verschwenden.

„Aber ich muss doch anschließend sofort erfahren worüber ihr gesprochen habt“, sagte sie und schaute mich dabei so unglaublich niedlich an, dass es mir zunehmend schwerer fiel ihr zu widersprechen. Allerdings konnte ich mich noch zusammennehmen und wollte gerade etwas sagen um sie umstimmen zu können, als sie mir zuvor kam. „Ich werd' mich schon nicht  langweilen“, sagte sie und holte zeitgleich ihre Kopfhörer aus der Tasche. „Wozu gibt es denn Musik?“ Ich lächelte und nickte zustimmend.
„Also dann“, kam es von mir. Sie schloss mich noch einmal kurz in ihre Arme und machte sich anschließend davon. „Bis gleich!“, rief sie mir noch hinterher, ehe sie um die Ecke verschwand.

Um mir die Wartezeit etwas erträglicher machen zu können nahm ich den Rucksack von meiner Schulter und legte ihn auf dem Boden ab, um mich gegen die Wand lehnen zu können. Wer weiß wie lange er sich Zeit ließ, vielleicht hatte er es auch bereits komplett vergessen und ich wartete hier ganz umsonst? Ich würde ihm das zutrauen, wirklich zuverlässig schien er mir ja nicht zu sein.

Während ich ganz in Ruhe hier herumstand und wartete schossen mir tausend Gedanken durch den Kopf. Als erstes kam mir der Traum in den Sinn und ich musste mir eingestehen, dass ich in dieser Nacht deswegen vielleicht etwas überreagiert hatte. Natürlich hätte ich tatsächlich sterben können, vermutlich hatte ich dem Tod sogar schon direkt in die Augen geblickt, aber im Endeffekt war doch alles in Ordnung mit mir. Ich war noch am Leben und es war nichts allzu dramatisches passiert. Ich musste mich mit der Träumerei einfach abfinden, ob ich wollte oder nicht. Ich würde sowieso nichts daran ändern können. Trotzdem wünschte ich mir innerlich, dass die Träume bald ihr Ende finden würden.

Was wäre eigentlich, wenn ich den letzten Traum hatte? Würde es überhaupt jemals zu einem letzten Traum kommen? Was würde ich noch alles zu sehen bekommen? Und was würde danach passieren? Was war das für ein Schicksal, dass ich erfüllen musste? Der Held meiner Träume hatte immer wieder gegen furchterregende Kreaturen gekämpft und somit das Dunkle aus der Welt verbannt. Musste ich etwa dasselbe tun? Wie sollte ich das denn bitte schön fertig bringen? Ich konnte nicht kämpfen. Natürlich war ich jetzt nicht unbedingt der Schwächste, aber ich konnte weder bestimmte Kampftechniken anwenden, noch konnte ich mit irgendwelchen Waffen umgehen. Gegen wen sollte ich überhaupt kämpfen? Gab es da jemand bestimmtes? Bis jetzt war mir niemand großartig aufgefallen. Aber die Tatsache, dass Frau Kramm plötzlich vollständig aus dem Gedächtnis von allen verschwunden war gab mir schon zu denken, vielleicht war da tatsächlich etwas dran, so wie ich es bereits vermutet hatte? Konnte es sein, dass Herr Dragmire die Person war, gegen die ich vorgehen musste?

Ich schüttelte meinen Kopf und verbannte diesen Gedanken. Das war absolut lächerlich. Dragmire war zwar relativ gruselig, aber er war immer noch nur ein Lehrer. Als ob der mir irgendetwas antun könnte... oder? Jedenfalls hatte ich in meiner derzeitigen Lage durchaus Grund alles mögliche anzuzweifeln, also wieso nicht auch ihn? Alles deutete immer hin darauf hin, dass es etwas mit ihm auf sich hatte. Ich sollte ihn zumindest nicht ignorieren. Wer weiß, vielleicht würde er noch wichtig werden.


Langsame, schwere Schritte waren neben mir zu hören. Sie wurden immer lauter, je näher sie auf mich zu kamen. Ich hob meinen Kopf und konnte sehen, wie Dragmire auf dem Weg zu mir war. Er war schneller hier, als ich erwartet hatte. Sofort stellte ich mich auf und setzte mir meinen Rucksack wieder auf den Rücken. Er baute seinen großen und kräftigen Körper vor mir auf und begann zu mir zu sprechen: „Ah Link, da bist du ja. Komm, folge mir, ich habe einen Raum für unser Gespräch reserviert.“

Wie großartig, er hatte extra einen Raum reserviert. Um die Zeit war die Schule so gut wie leer, er hätte sich gar nicht die Mühe machen müssen. Trotzdem nickte ich zur Bestätigung und folgte ihm. Natürlich musste das auch im dritten Stock sein. Ihr könnt mir glauben, dass esverdammt anstrengend ist mit Krücken bis in den dritten Stock zu laufen, aber ich ließ das ganze unkommentiert.

Völlig unvorbereitet blieb Dragmire vor einer Tür im höchsten Stockwerk stehen und zog einen Schlüssel hervor. Langsam öffnete er die Tür und trat herein, ich folgte ihm und sah dabei zu, wie er die Tür hinter sich wieder schloss. Allmählich bekam ich das Gefühl, als hätte er die Absicht ein Drama auf dieser Geschichte zu machen.

Der Raum war an sich recht simpel aufgebaut. Er war ziemlich klein und hatte bloß ein Fenster, das nur bedingt Sonnenschein in den Raum hinein ließ. In der Mitte hielt sich ein runder Holztisch auf, der von sechs roten Stühlen umkreist wurde. Der Stoff sah ziemlich weich aus, wieso hatte nicht jeder Raum solche Stühle?

Dragmire setzte sich und zeigte auf den Stuhl, der ihm gegenüber lag. „Setz dich“, sagte er, was ich auch sofort tat. „Wenn du magst, kannst du etwas trinken, ich habe dir ein Glas Wasser dort hin gestellt.“ Irritiert zog ich meine Augenbrauen hoch und musterte das Glas, das sich vor mir auf dem Tisch befand. Es wunderte mich schon, warum er das getan hatte, ließ es allerdings auf sich beruhen. Um nicht unhöflich zu sein trank ich einen Schluck, ohnehin hatte ich gerade Durst gehabt.

Ich starrte meinen Lehrer an und wartete darauf, dass das Gespräch endlich begann, damit ich so schnell wie möglich wieder verschwinden konnte. Er faltete seine Hände zusammen und räusperte sich einmal, ehe er zu sprechen ansetzte. „Du weißt sicherlich, warum ich dich hierher gebeten habe, nicht wahr?“, fragte er mich und sah mich dabei auffordernd an. „Ehrlich gesagt nicht so wirkli-“ „Ich habe schließlich einiges mit dir zu bereden“, fiel er mir ins Wort. Verärgert darüber, dass er mich nicht ausreden ließ hielt ich meinen Mund und lehnte mich an die Stuhllehne. „Zunächst einmal ist mir aufgefallen, wie wenig du im Unterricht mitarbeitest. Du warst einst ein so guter Schüler Link, doch in letzter Zeit arbeitest du so gut wie gar nicht mit, gibst provokante Antworten, redest im Unterricht mit deiner Nachbarin und schreibst bloß noch schlechte Noten. Womit willst du dieses Verhalten entschuldigen?“ Ich starrte ihn an, ohne irgendetwas zu sagen. Es stimmte, dass ich einmal gut in Geschichte war. Das war bevor er in die Klasse gekommen war und für totales Chaos in diesem Fach gesorgt hatte. Und meine Noten waren auch erheblich schlechter geworden, aber das war definitiv bei jedem der Fall, warum sprach er ausgerechnet mich darauf an? Und das ich provokante Antworten geben würde stimmte überhaupt nicht. Ich gab ja zu, dass ich oft recht wütend auf ihn war und nicht wirklich Lust hatte normal zu antworten, wenn ich dazu aufgefordert wurde, aber ich würde das nicht als provokant bezeichnen. Da ich also absolut keine Ahnung hatte was ich antworten konnte zuckte ich bloß mit den Schultern.

„Das kann doch nicht dein Ernst sein. Es ist dir also wirklich nicht aufgefallen? Du hast tatsächlich überhaupt keine Ahnung was der Grund für dein Fehlverhalten ist?“ Ich blickte ihn fragend an und schüttelte ahnungslos den Kopf. Auf was wollte er denn hinaus? „Ich kann dir diese Frage ganz einfach beantworten. Die ganze Sache hat vor zwei Monaten angefangen. Als du einen Sitznachbar bekommen hast. Zelda ist Schuld daran, dass du dich so verändert hast. Und ich habe auch bereits Bestätigung von den anderen Lehrern erhalten, dass du dich bei ihnen genauso unangemessen aufführst.“

Ungläubig riss ich meine Augen auf und starrte ihn an. Das konnte doch nicht wahr sein. Nirgendwo verhielt ich mich so wie bei ihm. Es gab einfach keinen Lehrer der es verdient hatte so behandelt zu werden wie dieses Etwas, das hier gerade vor mir saß. Was bildete er sich eigentliche ein, dass er so einen Mist behauptete? „Ich weiß nicht, was Sie damit sagen wollen“, sagte ich ihm und wartete.

„Sie ist kein guter Umgang für dich, Link. Du solltest dich am besten von ihr fern halten, so gut es dir eben möglich ist. Ich habe bereits Kontakt zu ihren früheren Schulen aufgenommen und dort erfahren, dass sie sich dort nicht besser verhalten hatte. Sie macht sich wichtig und nutzt dich aus, damit sie ihren Willen durchsetzen kann. Sie benutzt dich, Link. Sie macht aus dir etwas, was du nicht bist. Ich verlange, dass du dich nicht länger mit ihr auseinandersetzt.“

Die Verwirrung in mir schien langsam die Überhand zu gewinnen. Wovon zum Teufel sprach er da eigentlich? Zelda war doch kein schlechter Mensch. Dieser Idiot sollte gefälligst die Klappe halten, wenn er nicht wusste wovon er sprach.

„Herr Dragmire hören Sie, da haben Sie etwas falsch verstanden. Zelda ist ein unglaublich liebenswürdiger Mensch und würde keiner Fliege jemals etwas zu Leide tun. Selbst wenn ich mich wirklich so schlecht verhalten sollte, wie Sie sagen, sie trägt absolut keine Schuld daran.“

„Link, das ist doch genau das, was sie will. Sie wickelt dich um den Finger um dich glauben zu lassen, dass sie ein so lieber Mensch ist, nur um dich zu benutzen und anschließend in die Tonne zu treten, so wie sie es schon immer getan hat. Ich meine es wirklich nur gut mit dir Link, du solltest dich von ihr fernhalten, sie ist nicht gut für dich.“

Diese Person brachte es schon wieder fertig mich zur Weißglut zu bringen. Wovon sprach er da überhaupt? Am liebsten hätte ich jetzt laut aufgeschrien und wäre ihm an die Kehle gesprungen, aber die Vernunft in mir siegte und ließ mich in Ruhe auf dem Platz sitzen bleiben. Allerdings bekam ich das Gefühl, dass es in diesem Raum immer heißer wurde. Kam das von der Aufregung? Ich fächelte mir etwas Luft zu, vielleicht half das auch um mich etwas besser entspannen zu können.

„Alles in Ordnung mit dir?“, fragte Dragmire plötzlich. Ich starrte ihn an. Hatte er etwa bemerkt, dass mich plötzlich eine seltsame Hitze überkommen hatte? „Du siehst so blass aus“, fügte er noch hinzu. Ungläubig zog ich meine Stirn in Falten. „Ja ja, mir ist nur etwas heiß“, erklärte ich ihm. „Wie gesagt, du kannst etwas trinken, vielleicht kühlt dich das ja etwas ab.“ Ich nickte und starrte das Glas an, dass hier vor mir auf dem Tisch stand. Als ich das kühle Nass so anblickte bemerkte ich, dass ich auch eine trockene Kehle hatte. Etwas zu trinken konnte nicht schaden, es bot sich ja sogar an. Ich nahm das Glas in die Hand und trank erneut einen Schluck. Doch in diesem Moment, als ich auch nur ein kleinen wenig zu mir genommen hatte, übermannte mich ein so schrecklicher Durst, dass ich alles in einem Zug zu Ende trank. Doch es half nicht im geringsten.

Ich starrte das Glas in meiner Hand an und bemerkte, dass diese plötzlich anfing zu zittern. Es war zunehmend schwerer es in Händen zu halten und ich ließ es augenblicklich fallen, das Glas fiel zu Boden und zersprang in Tausend Scherben. Ich konnte spüren, wie alle Farbe aus meinem Gesicht wich und mein gesamter Körper sich immer schwerer anfühlte.

„Link? Link, alles okay?“, fragte Dragmire. Ich wolle ihm antworten, doch mir wurde plötzlich so übel, dass ich meine Hände gegen meinen Bauch presste, um mich nicht zu übergeben. „Link, was ist los?“, setzte er erneut zum fragen an und ich versuchte erneut eine Antwort zu geben, aber meine Zunge war taub und mein Mund fühlte sich an, als wäre er mit Watte gefüllt. Mein Blick war verschwommen und ich konnte mich bereits nicht mehr auf dem Stuhl halten, mit flehendem Blick starrte ich meinen Lehrer an. Das Bild vor mir taumelte hin und her und es war mir, als wäre ich auf einem Schiff, dass sich in einem Sturm auf hoher See verirrt hatte und nicht mehr entkommen konnte. Ich wollte um Hilfe bitten, aber meine Stimme wollte nicht auf mich hören.

Ich wusste nicht, ob es an meinen seltsamen Zustand lag und ich anfing zu halluzinieren, aber mir war, als hätte ich ein gruseliges Lächeln in seinem Gesicht gesehen. Doch mittlerweile zweifelte ich daran, dass ich mir das nur eingebildet hatte, denn ich konnte ein Lachen vernehmen, ein düsteres furchteinflößendes, das immer lauter wurde. Dragmire erhob sich von seinem Platz und zeitgleich fiel ich von meinem Stuhl, mit Mühe konnte ich mich noch aufrecht halten. Ich starrte ihn verwirrt an und verstand nicht, was gerade passierte.
„Du bist wirklich ein armseliges Wesen“, sagte er, mit einer noch düsteren Stimme, als wie ich es von ihm gewohnt war. Er kam langsam näher auf mich zu und nahm mein Gesicht in seine Hände, sein Lächeln wurde breiter und seine ekelhaft gelben Zähne kamen zum Vorschein. Grob zog er mich nahe zu sich und blickte mir mit seinen stechend gelben Augen in meine. Mit einem mal verfinsterte sich sein Blick. „Du wirst mir nicht in die Quere kommen du jämmerlicher unwürdiger sogenannter 'Held'" Mit unmenschlicher Gewalt warf er mich zu Boden und baute sich vor mir auf. Mein Blick wurde immer undeutlicher und ich war nicht mehr in der Lage einen klaren Gedanken fassen zu können. Erneut setzte er zum Lachen an. Er hob seine rechte Faust und ballte sie so fest es nur ging zur Faust. Auf seinem Handrücken bildete sich ein golden leuchtendes Dreieck, genau so wie ich es auch hatte, das obere Fragment leuchtete dabei am hellsten. Dann kippte ich zur Seite. Alles wurde schwarz um mich herum.
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BeitragThema: Re: The Legend of Zelda: Lost Stories   Do Okt 23 2014, 22:58

Als erstes spürte ich natürlich einen stechenden, dröhnenden Kopfschmerz und das noch bevor ich meine Augen auch nur einen Spalt breit öffnen konnte. Danach kam der Rest: Rückenschmerzen, die von dem unbequemen Untergrund herrührten, eine plötzliche Kälte, die meinen kompletten Körper durchzuckte und mir alle Haare zu Berge steigen ließ. Zu allem Übel war auch noch meine rechte Hand eingeschlafen, die immer stärker zu kribbeln begann und mich wohl in den Wahnsinn treiben wollte. Mit einem Ruck richtete ich meinen Oberkörper auf und drückte die andere, noch intakte Hand, gegen meinen Kopf, in der Hoffnung die Schmerzen dadurch etwas lindern zu können. Meine kribbelnde Hand ließ ich dabei unberührt auf dem Boden liegen, während ich dieses unangenehme Gefühl zu ignorieren versuchte. Durch das Kribbeln war meine Hand taub gegenüber anderen Empfindungen geworden und für einen Moment waren die Kopfschmerzen nebensächlich, so lange meine Hand sich wieder einkriegte war ich für das erste glücklich. Vorsichtig ballte ich sie zur Faust und konnte kurz spüren, wie das Kribbeln intensiver wurde, bevor es allmählich anfing wieder nachzulassen. Erleichtert atmete ich einmal aus und lockerte den Griff meiner Hand wieder. Anstatt diesem Kribbeln, das keine anderen Gefühle zugelassen hatte, konnte ich nun spüren, worauf ich saß. Es fühlte sich seltsam an, wie eine Mischung aus Trockenem und Weichem, etwas nass und es kitzelte meine Handfläche. Es fühlte sich an wie... Gras.

Ungläubig gegenüber dieser Entdeckung legte ich meine Stirn in Falten und öffnete langsam meine Augen, mein Herz begann wegen dieser Ungewissheit ein wenig zu pochen. Voller Erstaunen über das Bild, das sich mir nun bot riss ich meine Augen auf und ließ meinen Blick durch meine Umgebung umher schweifen. Riesige Bäume mit wunderschön saftig grünen Blättern an den Ästen, die das Sonnenlicht wie Scheinwerfer auf den Boden warfen, ein leichter Nebel, der schon fast nicht zu erkennen war, lag in der Luft. Kleine Glühwürmchen tanzten umher, das Geräusch zwitschernder Vögel und aus der Ferne das leise Plätschern von Wasser. Der Geruch allerlei möglichen Pflanzen drang an meine Nase und ich glaubte sogar in der Ferne ein Eichhörnchen erblickt zu haben. Es war märchenhaft, wunderschön, atemberaubend, traumhaft... mir fehlten einfach die Worte. Noch nie hatte ich mich an einem so schönen Ort aufgehalten. Ich brauchte erst einige Momente um zu realisieren, wo ich hier war. Irritiert über diesen Anblick blinzelte ich ein paar mal und stellte mich vollständig auf, um mich noch einmal genauer umsehen zu können. Es bestand kein Zweifel, dass hier war ein Wald. Ich war inmitten eines mir unbekannten Waldes. Panik stieg in mir auf und mit Entsetzen fuhr ich mir durch die Haare. Was zum Teufel war passiert?

„Scheiße“, sagte ich einmal leise und stieß derweilen etliche andere Flüche aus, während ich versuchte mich daran zu erinnern, was vorher passiert war. Ich war in der Schule und musste länger bleiben, um mit einem Lehrer zu sprechen, es müsste Dragmire gewesen sein. Wir hatten über Zelda geredet und da war etwas zu trinken und... mir ging ein Licht auf. „Das Wasser!“, rief ich und konnte nicht fassen, was passiert war. Dragmire hatte mich vergiftet! Irgendetwas musste er mir in das Wasser gemischt haben, da bestand kein Zweifel.

Mein Herz fühlte sich an, als würde es in Flammen stehen, unkontrollierbar, immer größer werdend und meinen gesamten Körper einnehmend. Das Bedürfnis, etwas zu schlagen keimte in mir auf. Mit zusammengepressten Zähnen und einem lauten Schrei schlug ich auf den nächstbesten Baum ein, das Bild meines verhassten Lehrers erschien dabei immer wieder in meinem Kopf, mit jedem Schlag wurde es deutlicher. Wie er lachte und mit Spott, Hass, Argwohn und Schadenfreude auf mich herabgesehen hatte und dabei das leuchtende Triforce auf seinem Handrücken demonstrierte. Nun bestand kein Zweifel mehr, Dragmire musste etwas mit diesem Bastard aus meinen Träumen zu tun haben, er wusste von Anfang Bescheid. Er war mein Feind. Ein Teil von mir, tief in meinem Unterbewusstsein, schien es schon lange gewusst zu haben, anders konnte ich mir diese Wut in mir, die durch sein bloßes Anwesen entfacht wurde nicht erklären. Ich schlug mir meine Hände wund, doch dieser Schmerz interessierte mich in diesem Augenblick nicht, er war ja sogar auf eine seltsame Art und Weise befreiend. Mit diesen Händen würde ich Dragmire bezahlen lassen.

Ein letzter Schlag gegen den dicken Stamm dieses riesigen Baumes, ehe ich meine Fäuste sinken ließ und stattdessen meinen Kopf dagegen hämmerte. Meine Wut war noch lange nicht befriedigt, erst das Erlöschen von Dragmires Seele würde die Flamme in meinem Herzen wieder löschen können. Normalerweise wünschte ich keinem Menschen den Tod, doch bei Dragmire war es anders. Er war kein Mensch, sondern ein Dämon, die Ausgeburt der Hölle.

In diesem Moment kam mir Zelda in den Sinn. Mein Herz begann wieder zu pochen, doch dieses mal mehr aus Angst. Wenn Dragmire tatsächlich Bescheid wusste, würde er auch über Zelda im Bilde sein. Sie hatte sich noch immer in der Schule aufgehalten, er hatte wer weiß was mit ihr anstellen können und ich war nicht im Stande ihr zu helfen. Ich betete, zum ersten mal zu den drei Göttinnen, mit der Bitte, sie würden Zelda im Auge behalten und beschützen, dass es ihr nach wie vor gut ging...

Ich seufzte einmal lautstark. Mich jetzt aufzuregen würde niemandem nützen, es war besser, mir ein klares Bild meiner Situation zu schaffen. Mit einem Ruck entfernte ich mich von dem Baum und blickte mich ein weiteres mal um. Es waren Bäume zu sehen, so weit das Auge reichte. Je tiefer man hineinschaute, desto schwärzer wurde es, bis man schließlich bloß noch gähnende Leere erblicken konnte. Wirklich viele Optionen blieben mir da nicht, abgesehen von orientierungslos in eine Richtung laufen und auf den Ausgang zu hoffen, dabei am besten eine riesige Menschenmasse außerhalb zu erwarten. Oder ich würde mich wieder auf den Boden setzen und auf Hilfe oder einen baldigen Tod warten. Die erste Möglichkeit gefiel mir da wesentlich besser, ich würde mich nicht geschlagen geben ohne zumindest einige Versuche gestartet zu haben. Ich setzte mich in Bewegung und konnte dabei feststellen, das ich ohne Schmerzen und auch ohne Schwierigkeiten meinen eigentlich gebrochenen Fuß belasten konnte. Wenigstens eine gute Sache... Dieser Herztrank hatte es wirklich in sich.

Ich wollte mich also so bald wie möglich auf den Weg machen und nach einem Weg nach draußen suchen, doch wurde mir ein Strich durch die Rechnung gemacht. Ein dumpfer Schrei hinter mir ertönte, von einem älteren Mann, so hatte es den Anschein. Augenblicklich wurde eine Art Helferinstinkt in mir geweckt und ich rannte ohne groß darüber nachzudenken zu der Quelle des Geräuschs, darauf ausgehend der Person helfen zu können, die in Schwierigkeiten zu sein schien.
Das Ereignis hatte sich gar nicht so weit entfernt zugetragen. Nach nur wenigen Metern, hinter ein paar Bäumen versteckt, kam ich bei dem Ort des Geschehens an. Ein großer Mann, mit lila Kleidung, einem Rucksack, übersät mit etlichen Masken und rostrotem, schon beinahe orangem Haar lag mit dem Gesicht vorne heran auf dem Boden, hoffentlich ohnmächtig und nicht tot. Eine kleinere und noch wie ein Kind wirkende Person, mit Kleidung wie Stroh, durchsuchte den am Boden liegenden Mann gründlichst nach was auch immer. Empört wollte ich schon auf ihn zugehen und ihn ordentlich zusammenfalten, als mir seine Begleitung ins Auge fiel. Zwei schwebende Kugeln mit Flügeln, so wie die Begleitung des Jungen meiner vergangenen Träume, den Träumen mit Dragmires Abbild, die eine in einem dunklen rot und die andere in einem hellen gelb, das schon beinahe weiß wirkte. Und in diesem Moment wurde mir bewusst, dass ich wieder träumte. Ein wenig erleichtert atmete ich aus. Ich war also doch nicht in einem Wald ausgesetzt worden...

„War es wirklich nötig ihn zu verletzen?“, fragte eine helle, wie eine Glocke klingende, aber auch eindeutig männliche Stimme. Irritiert blickte ich nach vorne. Wer hatte das gesagt? Und wieso konnte ich plötzlich das Gesagte hören und auch noch verstehen? Das war zuvor noch nie der Fall gewesen... Die gelbe Fee (wegen den Flügeln werde ich sie einfach mal als Feen bezeichnen) schubste ihn leicht und sprach mit einer eher weiblichen Stimme: „Maaan, Tael. Jetzt sei doch doch nicht immer so ein Spielverderber!“ „Ja, aber Taya, er hat doch gar nichts getan...“ „Er ist selbst Schuld, er wollte mir keine seiner Masken geben“, sprach das schon beinahe koboldähnliche Wesen und ging weiter seinen Untersuchungen nach.

„Oh, guckt mal hier“, sagte das Kind und zog einen herzförmigen Gegenstand in einer violetten Farbe und jeweils vier gelblichen Stacheln links und rechts und zwei gelben Hörnern auf der Oberseite hervor und schaute es sich gründlich von allen Seiten an, dabei hatte er mir noch immer den Rücken zugekehrt. „Hey Horror Kid, lass mich auch mal sehen!“, rief die Fee namens Taya und flog sofort an seine Seite, um sich das Objekt auch besser ansehen zu können. Horror Kid war also der Name dieses Kobolds... na das passte doch wunderbar.

Tael zögerte ein wenig, ehe er den beiden auch Gesellschaft leistete und das Ding inspizierte. „Ich weiß nicht, Horror Kid“, sagte Tael unsicher, „dieses Ding ist mir nicht geheuer.“ „Boah Tael, man. Du bist so 'ne Spaßbremse“, sagte Taya wieder und flog aufgeregt um den Gegenstand herum. „A-aber“, sagte Tael, verstummte allerdings sofort wieder. Er musste leider einsehen, dass das überhaupt keinen Sinn hatte. Ich mochte den Kerl. Er war vernünftig, zumindest vernünftiger als seine Freunde. Nur leider fehlte es ihm an Durchsetzungsvermögen.

„Diese Maske ist bestimmt ein tolles Gesicht für mich!“, rief das Horror Kid begeistert und setzte es sich auf den Kopf. Die Aussage irritierte mich und ich verzog fragend das Gesicht. Hatte er kein Gesicht oder wie sollte ich das verstehen? Am besten ich verschwand keinen Gedanken daran, ohnehin führte das zu nichts außer Verwirrung.

Eine Maske war das also. Und inwiefern war das von Bedeutung? Das wollte sich mir noch immer nicht so ganz erschließen. Das Kind begann vergnügt zu kichern und drehte sich zu mir herum, dabei konnte ich die Maske nun genauer betrachten. Sofort fielen mir die großen, blutunterlaufenen, seelenlosen Augen auf, die mich direkt anzustarren schienen. Bei dem Anblick wurde mir dann doch etwas mulmig zumute. Jetzt konnte ich die Skepsis von Tael auch besser nachvollziehen, diese Maske sah ziemlich creepy aus. Augenblicklich begann das Horror Kid fröhlich umher zu tanzen. Taya flog aufgeregt um ihn herum und ließ ab und zu ein freudiges Lachen erklingen. Einzig Tael verharrte auf seiner Position und beobachtete die Zwei vorsichtig (jedenfalls deutete ich es so, das Gesicht konnte ich nicht erkennen, ich wusste ja noch nicht mal ob diese Feen so etwas wie ein Gesicht geschweige denn einen Körper hatten).

Ganz plötzlich blieb das Horror Kid stehen und starrte einfach bloß noch gerade aus in die Leere, ohne einen Muskel zu bewegen. Abrupt blieb auch Taya stehen, nachdem sie gemerkt hatte, dass das Horror Kid gar nicht mehr so sorglos umher hüpfte. Nun schien auch sie etwas unsicherer zu werden und flog ein wenig näher auf ihren Freund zu. „Hey, was ist los?“, fragte sie unsicher. „Alles in Ordnung?“ Ich selbst tat auch einige Schritte vorwärts, um alles besser beobachten zu können. Sie konnte mich so oder so nicht sehen, also musste ich mir gar keine Gedanken machen. Allerdings war ich dennoch unsicher, es konnte trotzdem immer wieder etwas passieren, was auch mich betreffen konnte, also hielt ich lieber ein wenig Sicherheitsabstand. Ungefähr ein oder zwei Meter entfernt bleib ich schließlich stehen und starrte das Horror Kid erwartungsvoll an. „Horror Kid, sag doch was!“, meldete sich Taya wieder, diesmal schon fast verzweifelt. Und tatsächlich gab es diesmal auch eine Reaktion seinerseits, allerdings anders, als man es erwartet hätte. Die Augen der Maske blitzten in einem blutroten Licht auf und sie begann auf seinem Kopf zu vibrieren und zu dröhnen. Was auch immer da gerade passierte, es sah nicht gut aus.

Ein leises Lachen, vom Horror Kid ausgehend, was zu hören. Es war unheimlich und verursachte eine unangenehme Gänsehaut auf meinem Körper. Etwas war mit der Maske nicht in Ordnung, so weit konnte ich auch denken. „Horror Kid?“, fragte diesmal nun auch Tael, sehr leise und vorsichtig, mit einer fast schon erstickenden Stimme. Aber statt einer Antwort wurde das Lachen bloß noch lauter und angsteinflößender. Es streckte seine Arme in Richtung Himmel und lachte aus vollem Halse, Taya erschrak und flog schnell zu Tael herüber. Sie drückte sich an ihn und beide begannen ein wenig zu zittern, während sie ihren Freund anstarrten.

Es war zwar seltsam, doch mir war auf einmal so, als würde ich plötzlich Geschehnisse anderer Orte vor meinem inneren Auge sehen, obwohl ich mich noch immer inmitten des Waldes aufhielt, von oben heraus blickte ich auf sie herab. Es war wie eine Art Spiegel oder eher ein Portal, das sich unter mir aufgetan hatte.

Als erstes sah ich ein sumpfartiges Gebiet, mit glasklarem einladendem Wasser und saftig grünen, schon teilweise exotisch wirkenden Pflanzen. Im Zentrum gab es ein riesengroßes Gebäude mit zwei Gestalten, die davor platziert waren, sie hatten einen rüsselähnlichen Mund und gelblich orangen Augen. Sie saßen auf einer orangefarbenen Blume und wippten im Takt mit ihren Köpfen auf und ab. Vor ihnen erstreckte sich eine Brücke, die über das Wasser bis zum Land führte, links und rechts von ihr schwammen überdimensional große Seerosenblätter. Allerdings hielt dieser Frieden nicht lange. Von einem Augenblick auf den anderen nahm das Wasser eine violette Färbung an und die Pflanzen ringsherum wirkten plötzlich sehr kränklich. Die Wesen, die wohl als Wachen fungierten, stoppten ihre Bewegungen und sahen sich fragend um. Dann verschwamm das Bild und ein neues fügte sich unter mit zusammen. Anstatt des Sumpfes war nun ein idyllisches Berggebiet zu sehen. Kleine Insekten flogen um schöne Blumen umher, das Gras sah schön frisch und grün aus, das Wasser war kristallklar und einige groß gebaute Wesen mit viel Muskelmaße, ähnlich wie einer der seltsamen Gestalten aus dem vorletzten Traum (im allgemeinen gab es diesmal unheimlich viele Referenzen zu diesem Traum), die glücklich vor dem Wasser im Gras saßen und sich unterhielten. Es war angenehm warm, eine perfekte Temperatur. Doch wurde die Idylle auch hier unterbrochen. Ein eisiger Wind kam auf und durchzog die gesamte Landschaft. Verwirrt blickten die Wesen auf und starrten ratlos in den Himmel. Die Landschaft verdunkelte sich. Ich konnte den Himmel in diesem Bild zwar nicht sehen, aber ich ging davon aus, dass einige Wolken aufgezogen waren und ihn bedeckten. Es wurde immer kälter und kälter und schließlich fielen kleine Schneeflocken vom Himmel, die langsam zu Boden segelten und sich immer weiter vermehrten, dabei erhöhte sich das Tempo ihrer Fallgeschwindigkeit rasant. Desweiteren konnte ich sehen, wie das Wasser in erschreckender Geschwindigkeit zufror und das grünbewachsene Gebiet sich in ein Winterwunderland verwandelte. Bei dem Anblick zeichnete sich das blanke Entsetzen auf den Gesichtern der Gestalten ab und ohne lang zu fackeln rollten sie sich zu Kugeln zusammen und machten sich so schnell wie möglich davon. Erneuter Szenenwechsel. Das Bild verschwamm und fügte sich zu einem neuen zusammen. Diesmal war ein großes weites Meer sichtbar, das sich bis zu einer riesigen Ferne ausbreitete. Auf einer Seite war, wenn man genau hinschaute, ein kleiner Strand zu erkennen, allerdings war dieser ganz weit weg von diesem Standort aus. Im Wasser schwammen fischähnliche humanoide Wesen, elegant wie Delfine. Einige jagten Fische und wieder andere machten sich einen Spaß und spielten mit Freunden oder mit ihren Kindern. Jedenfalls konnte man sagen, dass sie allesamt glücklich waren. In ihrer Nähe lag mitten auf dem Wasser ein riesiges Gebäude, das geformt war wie ein großer roter Fisch, wozu auch immer man so etwas benötigte. Aber, wie konnte es auch anders sein, hielt der Friede auch hier nicht lange. Das Wasser verlor seine Klarheit und wurde nach und nach immer trüber. Die Wesen stoppten ihr Treiben und blickten sich gegenseitig verwirrt an, als sie diese Änderung bemerkten. Ihre und auch meine Aufmerksamkeit wurde augenblicklich auf das Fischgebäude gelenkt, um das sich ein plötzlicher Wirbelsturm gelegt hatte, der immer heftiger wurde und schließlich kein Vordringen mehr zuließ. Panik schien in den Kreaturen aufzukommen, einige, die sich in der Nähe des Gebildes aufgehalten hatten, wurden brutalst davon geschleudert. So schnell es ihnen möglich war flohen die übrigen Wesen. Wieder änderte sich das Bild. Dieses mal war eine Art Berggebiet zu sehen, das allerdings eher an einen Canyon erinnert, mit einem Untergrund wie in der Wüste, sandig und trocken. In der Nähe gab es zwei riesige Bauten, das eine erinnerte an ein Schloss, während das andere mehr wie ein Tempel auf mich wirkte. Warum ausgerechnet ein Tempel wusste ich nicht, es war viel mehr so eine Art Gefühl, das es mir zuflüsterte. Ich beschloss für das erste meinem Gefühl zu vertrauen... Ein kleiner Fluss, oder viel mehr schon ein Bach floss aus einer Öffnung von einem der Berge und durchzog die gesamte Landschaft. Im Zentrum stand ein kleineres Haus mit einem riesigen Blasinstrument auf dem Dach, aus dem eine ziemlich gruselige Musik spielte, wie ich fand. Einige Menschen, darunter auch ein kleines Mädchen, hielten sich hier auf. Einige saßen am Wasser und unterhielten sich, andere taten... was auch immer... was man nun mal auf einem Canyon so tat. Und natürlich musste auch hier etwas geschehen. Mit erstaunten Gesichtern blickten die Menschen auf das Tor, das den Eingang zum Tempel verschlossen hielt, sich aber nun plötzlich wie von Geisterhand öffnete. Ein helles Licht erstrahlte aus der Öffnung und breitete sich über das gesamte Gebiet aus, es blendete die Menschen und sie mussten sich vor dem Licht schützen. Als es erlosch, geschah etwas, was den Menschen das Entsetzen auf das Gesicht schrieb. Die Musik des Hauses stoppte urplötzlich und ein Mann trat verwirrt aus dem Haus heraus, der sich auch ein Bild der Situation machen wollte. Das Wasser trocknete aus und stattdessen erhoben sich nun aus dem Boden allerlei grässliche Gestalten – lebende Skellete, Zombies und Mumien mit lauten Schreien, die selbst mir unter die Haut gingen. Panisch brach eine Massenhysterie aus und Menschen flohen einer nach dem anderen, um den Monstern entkommen zu können. Der Mann, der vor kurzem aus dem Haus ausgetreten war, stürzte sich hinein in das Getümmel und rannte auf das kleine Mädchen zu, das aus lauter Angst völlig bewegungsunfähig war und anfing zu weinen. Er packte sie und wollte auch entkommen, als eines der Mumien seine Zähne in seinen rechten Arm schlug. Er schrie schmerzerfüllt auf, konnte sich allerdings losreißen und rannte mit dem Mädchen – vermutlich seine Tochter – auf seinem Arm in das Haus, um Schutz vor den Kreaturen zu finden und schloss sich ein. Kein Mensch war mehr zu sehen, bloß noch eine verödete Landschaft, die von Untoten durchwandert wurde...

Das war das Letzte, was ich sah. Das Bild verschwand und ich konnte bloß noch den Waldboden sehen. Was war das? Mein inneres sagte mir, dass das Horror Kid mit der Macht der Maske diese Dinge getan hatte. Wenn das stimmte, mussten ihr gewaltige, bösartige Kräfte innewohnen, die ich nicht am eigenen Leib erfahren wollte.

Das Horror Kid stoppte abrupt das Lachen, als ein seltsames Geräusch zu hören war. Es klang wie ein Rascheln, gar nicht so weit weg von hier. Anschließend war das leise Trappeln von Hufen zu hören, es wurde immer lauter, je näher es uns kam. „Da kommt jemand“, sagte das Horror Kid und wandte seinen Blick wieder den Feen zu, die sich mittlerweile wieder voneinander gelöst hatten. „Ihr wisst, was zu tun ist“, sprach er zu ihnen und es schien so, als würden die beiden nicken. Da sie so klein waren mussten sie dazu ihren gesamten Körper beanspruchen und irgendwie sah das schon sehr niedlich aus. Augenblicklich flogen sie davon und versteckten sich hinter einem der größeren Bäume. Währenddessen packte das Horror Kid den am Boden liegenden Mann und schleifte ihn hinter das nächste Gebüsch, wo er sich selbst auch versteckt hielt. Nachdem keiner der Drei mehr zu sehen war, drehte ich mich in die Richtung um, aus der das Geräusch kam. Ich hatte kein gutes Gefühl dabei. Wollten die etwa auch noch den nächsten überfallen? Also ich weiß ja nicht, aber ich  hatte das Gefühl, dass die dringend ein Hobby brauchten. Und zwar eins, bei dem niemand verletzt wurde...

Nach nur wenigen Sekunden kam der Verursacher des Raschelns zwischen den Bäumen zum Vorschein. Es war wieder so jemand mit dem grünen Gewand und der Zipfelmütze und irgendwie sah er der jüngeren Version aus meinen vergangen Träumen unheimlich ähnlich, er war bloß ein kleinen wenig älter. Er saß auf dem Rücken eines jungen Pferdes, ich kannte mich damit zwar nicht so gut aus, aber ich vermutete, dass es sich dabei um ein Pony handelte. Der Junge, den ich von jetzt an Two nennen werde, einfach weil er denselben Namen wie ich hat, wie es scheint, und ich ein wenig zu stolz bin um ihn als Nummer eins zu bezeichnen... auch wenn er chronologisch gesehen vor mir da war... egal jetzt. Jedenfalls sah Two sehr müde aus, von weitem sah es sogar so aus, als würde er schlafen. Sehr verantwortungsvoll beim reiten inmitten eines Waldes zu schlafen, mental applaudierte ich ihm zu.

Das seltsame Geräusch, das verursacht wurde, wenn die Feen sich bewegten, ertönte neben mir und ich richtete meinen Blick dorthin. Taya und Tael kamen hinter dem Baum hervor und nickten sich gegenseitig zu, ehe sie in Höchstgeschwindigkeit auf Two zugeflogen kamen. Das Pony erschrak und stieg wiehernd auf seine Hinterhufe. Two schreckte hoch und war nicht in der Lage schnell genug zu reagieren – woran er selbst Schuld war, wenn er schlief - und fiel vom Rücken seines Reittieres. Mit einem gequälten Stöhnen krachte er auf den Boden, knallte mit dem Kopf voran gegen etwas hartes und blieb auf dem Bauch liegen, bewusstlos. Bei dem Anblick musste ich mein Gesicht etwas verziehen, das hatte bestimmt wehgetan.

Unter leisem Gelächter, vermutlich sogar einigen Schreien, kam das Horror Kid im Nebel hervor, der plötzlich dichter geworden war. Er hob seine Maske an, aber natürlich so zu mir gedreht, dass ich sein Gesicht wieder nicht erkennen konnte, und sprach dabei. „Hee hee, das war gut, ihr Feen.“ Dann ließ er sie wieder sinken und stolzierte mit breiten Beinen auf den bewusstlosen Two zu. Jetzt war es wohl auch offiziell für mich, dass es sich bei den Viechern um Feen handelte. Nun, wo es mir auch wirklich bewusst war, kam mir die Sache noch märchenhafter vor, als sie es ohnehin schon war, einfach... unwirklicher.

Das Horror Kid streckte sein Bein aus und drehte mit seinem Fuß Two auf den Rücken, und das ganz schön grob. Ohne einen weiteren Laut von sich zu geben ließ er es über sich ergehen, er war wohl tatsächlich ohnmächtig. „Na geil“, musste ich in diesem Augenblick flüstern. Es beugte sich zu ihm hervor und durchwühlte seine Kleidung von oben bis unten, bis er schließlich ein blaues Instrument hervorholte, das er interessiert von allen Seiten begutachtete. Jetzt war es auch klar, dass Two hier derselbe war wie aus meinen vergangen Träumen, dieses Instrument hatte ihm dieses kleine Mädchen zugeworfen. Horror Kid blies einige male hinein und ließ einen schiefen Ton erklingen, bei dem er jedes mal vergnügt auflachen musste. Bei dem Anblick musste ich mit den Augen rollten. Was für ein Idiot...

„Oh, oh! Was für eine hübsche Okarina! Hey, Horror Kid, lass mich auch mal! Ich will sie sehen!“, sagte Tael aufgeregt und all seine Bedenken schienen plötzlich verschwunden. Aber was zur Hölle war bitte eine Okarina? Fragend zog ich meine Augenbrauen zusammen und legte meine Stirn in Falten. Davon hatte noch nie etwas gehört... aber zumindest wusste ich jetzt, wie man dieses Instrument nannte.
Taya stieß ihn grob bei Seite. „Das geht nicht, Tael!“, rief sie. „Stell dir vor, sie fiele dir aus den Händen und würde zerbrechen! Du darfst sie nicht berühren. Auf keinen Fall!“ „...Ooh, aber Schwester... W...warum darf ich nicht auch?“, protestierte er. Sie es ein Tael, du hast keine Chance. Aber es war schon ganz interessant zu wissen, dass er und Taya offenbar Geschwister waren. Ich vermutete, dass Tael der jüngere von den Beiden war, auch wenn Taya sich teilweise wirklich kindischer aufführte.

In dem Moment erwachte Two und schüttelte stöhnend seinen Kopf, um wieder zu Sinnen zu kommen. Er bemerkte das Horror Kid und das er auf seine Okarina spielte schien ihm überhaupt nicht zu gefallen. Vorsichtig stellte er sich auf und starrte ihn von hinten grimmig an, ohne dabei einen Mucks von sich zu geben. Den Feen fiel es zuerst auf und sie klingelten irgendwie alamierend mit ihrem Körper, um ihren Freund darauf aufmerksam werden zu lassen. Langsam drehte auch das Horror Kid sich um und schrie überrascht auf, die Okarina versteckte er dabei hinter seinem Rücken und tat auf unschuldig, so als hätte er mit allem gar nichts zu tun gehabt. Er war tatsächlich noch ein Kind. Aber Two ließ sich davon nicht beirren und wollte ihn packen, allerdings war das Horror Kid schneller und entglitt nur knapp seinem Griff. Mit einem unglaublich hohen Sprung stieg er auf den Rücken des Ponys und wollte sich das Tier aneignen. Mit einem erschrockenen Wiehern stellte es sich auf seine Hinterhufe und preschte los. Two handelte praktisch instinktiv und sprang auf eines der Hinterbeine seines Ponys zu und klammerte sich daran fest. Das Pferd lief im Galopp und unter Schmerzenslauten wurde Two auf dem Boden hinterher geschliffen. Ich wollte ihnen hinterher rennen, aber sie waren zu schnell und verschwanden im Nebel. Verzweifelt kickte ich einen Stein in meine Nähe weg und fuhr mir durch die Haare. Ich musste ihnen doch hinterher, aber wie sollte ich das jetzt anstellen?!

Die Frage erübrigte sich eigentlich von selbst, als ich sah, wie sie auf der anderen Seite direkt auf mich zu galoppierten und ich schnell zur Seite springen musste, um nicht überrannt zu werden. Wie das möglich war fragte ich mich jedenfalls nicht, das hier war schließlich immer noch ein Traum, da musste nicht alles Sinn ergeben. Auch Two konnte sich nicht länger halten und wurde in meine Richtung geschleudert, ich ging dabei einige Schritte zurück. Das Horror Kid verschwand unterdessen im Nebel. Nach einigen Sekunden stellte Two sich wieder auf und rannte in die Richtung, in die die anderen verschwunden waren. Dafür, dass er so viel durch machen musste in dieser kurzen Zeit und für sein ziemlich junges Alter war er wirklich schnell unterwegs, vor allem wenn man bedachte, dass er noch einen großen Eisenschild plus Schwert auf seinem Rücken trug. Ich hatte jedenfalls Probleme damit, mit ihm Schritt halten zu können.

Nach nur kurzer Zeit kamen wir bei einer Erhöhung mit einem Tunnel an, die über verschieden groß stufige Baumstämme zu erreichen war. Bei diesem Anblick stellte sich mir eine Frage auf: Wie zum Teufel sind die da mit dem Pferd hochgekommen? Vielleicht lag das ja an dem Traum, ich konnte es mir jedenfalls nur schwer vorstellen.

Ohne zu hören rannte Two darauf zu und mit Erstaunen sah ich ihm dabei zu, wie er die Höhenunterschiede ohne Probleme mit Saltos und Seitwärtssprüngen überwand, ehe er in der Höhle verschwand. Erst dann bemerkte ich, dass ich ihm doch hinter musste, also gab ich mir einen Ruck und machte mich auch davon, allerdings brauchte ich viel länger und es verlangte mir auch viel mehr ab als Two, endlich oben anzukommen. Ich hatte wirklich Respekt vor dem kleinen Kerl. Als ich dann schließlich auch oben ankam wurde mir natürlich keine Verschnaufpause gegönnt, ich musste Two immer hin einholen. Also betrat auch ich den Tunnel. Aber anstatt den Kleinen hier anzutreffen, war hier bloß alles dunkel und schwarz und allmählich bekam ich die Befürchtung, dass ich Two verloren hatte.

Eine leichte Panik kam in mir auf, da ich nun mal nicht wusste, was ich jetzt tun sollte. Es war so dunkel hier drin, dass ich mich mit Sicherheit verlaufen würde, aber andererseits wollte ich jetzt nicht hier stehenbleiben und warten, dass noch irgendwas passierte, also rannte ich einfach geradeaus weiter, in der Hoffnung, auf Two oder zumindest irgendetwas halbwegs wichtiges zu stoßen. Aber stattdessen kam ich nur wenige Meter weiter an einem Abgrund an, den ich in der Dunkelheit nicht bemerkt hatte. Mit meinem Gewicht auf nur einem Bein taumelte ich nun darüber, er ging so tief, dass ich den Boden nicht erkennen konnte. Bei dem Anblick musste ich schlucken. Ich wollte mich auf jeden Fall retten, aber durch das Rennen war zu viel Schwung aufgekommen, der mich nach vorne drückte und es gab keine Möglichkeit für mich mich noch zu halten. So kam es wie es kommen musste und ich fiel in die bodenlose Leere.

Der Fall fühlte sich seltsam an. Obwohl ich mit Sicherheit gerade mal eine halbe oder höchstens eine ganze Minute gefallen war, kam es mir wie eine Ewigkeit vor. Mein Kopf fühlte sich dabei total leer und ich sah einige seltsame Symbole an mir vorbei fliegen, in bunten Farben. Eines sah aus wie eine Okarina in pink. Man konnte eigentlich schon sagen, dass es wie ein LSD-Trip war.

Mit einem lauten Platscher landete ich in Wasser. Ein Wunder eigentlich, dass mir nichts passiert war, das Wasser war schließlich nicht sonderlich tief. Ich brauchte einige wenige Sekunden um es zu realisieren, aber als ich dann kapiert hatte, dass ich von oben bis unten nass war und mir mein gesamter Körper wegen des Aufpralls weh tat, stellte ich mich unter stöhnenden Lauten auf und fluchte einmal lautstark. So schnell wie möglich stieg ich aus dem Wasser aus und stöhnte. Wo auch immer ich mich gerade aufhielt, dort war es nun jedenfalls nass. Und natürlich war es auch noch immer dunkel. Ich wollte doch was sehen verdammt! Wann war dieser scheiß Traum eigenltich endlich zu Ende? Wenn ich mir hier etwas brach oder mich auf irgendeine andere Weise ernsthaft verletzte konnte man sich einen anderen Auserwählten suchen! Ich wollte das einfach nicht mehr, ernsthaft, ich fand das schon nicht mehr lustig.

Ich wurde unsanft aus meinen Gedanken gerissen, als neben mir ein grelles Licht erstrahlte. Es blendete mich und instinktiv hielt ich mir meine Hände vor das Gesicht, von so viel Dunkelheit direkt auf das andere Extrem zu wechseln war bekanntlich nicht gesund für die Augen. Nachdem ich mich an die neue Helligkeit gewöhnt hatte schaute ich mir meine Umgebung an. Vor mir stand Two, ich hatte ihn also glücklicherweise nicht verloren. Er hielt sich ebenfalls als Schutz vor das Licht die Hände vor das Gesicht. Er stand auf einer recht großen rosa Blume, auf der gegenüberliegenden Seite des Wassers. Neben mir hielten sich direkt in dem Lichtkegel das Horror Kid und seine beiden Gefährten auf, es konnte sogar schweben. Gemütlich hing es da in der Luft und blickte auf Two hinab.

„Was ist bloß mit deinem dämlichen Esel los?!“, fragte er teils wütend, teils amüsiert. „Er gehorcht keinem meiner Befehle! So ein blödes Vieh bringt keinen Nutzen. Ich habe dir die Bürde abgenommen, es loszuwerden. Hee, hee...“

Diese Worte ausgesprochen riss Two die Augen auf und blickte das Horror Kid entgeistert an, dabei schnappte er erschrocken nach Luft. Das arme Tier.. hoffentlich war es nicht tot. „Ooooh, Bu-Huu!!! Warum das traurige Gesicht?“, sprach das Horror Kid weiter. Ja, warum wohl, Horror Kid, warum? Wütend ballte ich meine Hände zu Fäusten und auch Two schien mit jedem seiner Worte mehr Wut zu verspüren. Dieses Kind bildete sich ganz schön was auf sich ein. „Ich dachte mir, ich könnte ein bisschen mit dir spielen! Oh, komm schon... Glaubst du wirklich, du könntest in dieser Form gegen mich antreten? Narr!“

Plötzlich begann die Maske zu vibrieren und zu rascheln, dabei strahlte sie eine so gewaltige Aura aus, dass sich eine Gänsehaut auf meinem gesamten Körper bildete. Erstaunt und auch ein wenig geschockt sah ich dabei zu, wie Two sich unter Schmerzen wand und dabei komische Gesichtszüge annahm. Mit Panik hielt er sich den Kopf und schrie aus vollem Halse. Was auch immer dieses Horror Kid gerade tat, es sah überhaupt nicht gut aus.

Nach nur kurzer Zeit konnte man sehen, was mit Two passierte. Er veränderte seine Gestalt! Bei dem was da gerade passierte konnte ich nicht anders, als meine Augen aufzureißen. Er wurde kleiner und seine Haut nahm eine braune holzige Farbe an. Dann wurde er in ein helles Licht gehüllt und ehe man sich versah blieb bloß noch ein kleiner Kerl mit zerfetzter grüner Kleidung und müden traurigen rötlichen Augen übrig. Anstatt einer Nase oder einem Mund hatte er bloß noch eine Art Rüssel. Auch seine Waffen waren alle weg. Sein jetziges Aussehen erinnerte mich an diese Viecher aus den Sümpfen in meiner „Vision“, oder wie auch immer man das nennen sollte.

Verwirrt schaute Two sich im Wasser sein Spiegelbild an und als er realisierte, dass er das war und nicht irgendjemand anders, schrie er geschockt auf und schüttelte ungläubig seinen Kopf hin und her. Na, so würde ich auch reagieren, wenn ich plötzlich so aussehen würde. Das Horror Kid brach unterdessen in schallendes Gelächter aus und zeigte amüsiert mit dem Zeigefinger auf sein Opfer. Rückwärts flog er gemeinsam mit Tael aus einer Öffnung in der Wand hinaus. Two wollte ihm folgen und rannte sofort los. Auch wenn er mir Leid tat war es trotzdem irgendwie drollig ihm dabei zu zu sehen wie er versuchte mit den kurzen Beinchen Schritt zu halten.

Natürlich wurde er aufgehalten. Taya flog mit voller Kraft gegen ihn und zischte ihn an, Twos trauriger Blick machten mich dabei noch verrückt. Unmittelbar in meiner Nähe lag er nun auf dem Boden und ließ sich von Taya fertig machen. Es war mit Sicherheit total bitter sich von so einer kleinen Fee fertig machen zu lassen.
Das Horror Kid verschwand im Ausgang und Tael konnte nichts weiter tun, als erschrocken „S-S-Schwester!“ zu rufen, ehe eine riesige Steinwand von oben hinunterfiel und uns aussperrte. Dies musste nun auch Taya feststellen und so schnell sie konnte flog sie dorthin, wo zuvor noch der Ausgang gewesen war. Sie hämmerte mit ganzer kraft gegen die Wand, nur um festzustellen, dass das nicht wirklich etwas brachte. Traurig ließ sie ihre Flügel sinken und drehte sich um, dabei fuhr sie Two wütend an, der sich gerade erst wieder vollständig aufstellen konnte. „Du!“, rief sie. „Wenn du nicht wärst, dann wäre ich nicht von meinem Bruder getrennt worden!“ Na die war ja lustig. Ich rollte mit den Augen. Die war ganz schön doof. „Nun sitz hier nicht rum, Deku-Junge! Tu etwas!!!“ Deku? Nannte man die Viecher etwa so? Das war doch gut zu wissen, oder nicht? „...Was starrst du mich so an? Habe ich irgendwas im Gesicht?“, zeterte sie weiter. Also hatten diese Feen doch Gesichter, jetzt wusste ich es mit Sicherheit. „Hör auf, mich anzustarren! Öffne lieber diese blöde Tür!“ Tür? Hatte ich da richtig gehört? Eine Tür sah aber anders aus, du...
„Bitte! Komm schon, ein hilfloses kleines Mädchen bittet dich... Also beeile dich gefälligst! Ohhh Teal, ich hoffe nur, dass dem Kleinen nichts zustößt...“ Letzteres sagte sie dann wohl eher zu sich selbst, als zu Two.

Two blieb da wohl keine andere Möglichkeit, als zu tun, was sie sagte. Also ging er auf die „Tür“ zu und öffnete sie, wie auch immer er das geschafft hatte. Ich folgte ihm und mit einem lauten Krachen fiel sie hinter uns wieder zu.

„Hey, warte auf mich! Lass mich nicht zurück!“, rief Taya, und hatte wohl nun doch Schwierigkeiten damit, uns zu folgen. Eine schadenfrohes Lächeln schlich sich auf mein Gesicht. Das alles geschah ihr gerade Recht. „Also, ähm... Was da vorhin geschehen ist... Ich... äh... entschuldige mich.“ Also Taya, mit so einer Entschuldigung konnte man dieses Taten sicherlich nicht rechtfertigen. Immerhin habt ihr kostbares Habgut von Two gestohlen, sein Pferd entführt (vielleicht sogar ermordet) und dazu auch noch einen Fluch auf ihn gelegt und.... DAS da aus ihm gemacht. Aber wer war ich denn, dass ich so etwas beurteilen konnte...
„Du willst doch mehr über dieses Horror Kid in Erfahrung bringen. Nun, vielleicht weiß ich ja, wo es sich aufhalten könnte. Nimm mich mit dir, und ich helfe dir bei der Suche! Abgemacht? Bitte! Gut! Dann ist es abgemacht! Ich werde aber nur solange bei dir bleiben, bis wir das Horror Kid gefunden haben! Mein Name ist Taya. Also nett, dich kennenzulernen... oder auch nicht. Nach dem wir das nun abgeklärt haben, können wir uns nun endlich in Bewegung setzen?“

Nach ihren Worten konnte Two auch nicht mehr tun, als fassungslos mit dem Kopf zu schütteln. Er hatte bis jetzt noch kein Wort gesprochen, was ich etwas seltsam fand. Vielleicht konnte er gar nicht sprechen? Wie auch immer, der Arme tat mir jedenfalls Leid. Ohne weiteres Zögern hatten die Zwei sich in Bewegung gesetzt. Ich folgte ihnen sogleich.

Der Gang, durch den wir liefen, war seltsam. Von Moos bedeckt, alt, es stank und überhaupt. Aber noch komischer war es, als er sich plötzlich zu drehen begann und alles vor mir verschwamm...

Ich schlug die Augen auf. Mein Untergrund war ziemlich hart, aber es musste wohl trotzdem ein Bett sein. Stöhnend versuchte ich mich aufzustellen, aber ich war zu schwach. Nur bei der kleinsten Bewegung spürte ich unsagbare Kopfschmerzen. Warum auch immer, aber ich war überall verkabelt und an irgendwelchen Geräten angeschlossen. Alles vor mir war noch leicht verschwommen, ich blinzelte ein paar mal, um ein klareres Bild zu bekommen.

Seltsam war jedenfalls, dass ich nicht nass war. Was ich nicht in dem Traum in Wasser gefallen? Das war extrem ungewöhnlich. Meine Empfindungen kehrten nach und nach auch wieder zurück. Schließlich konnte ich ein leises Wimmern hören, scheinbar von einer Frau. Dann spürte ich, wie meine rechte Hand fest gedrückt wurde. Ich blickte vorsichtig zur Seite und sah eine junge Frau, mit braunem Haar, die leise weinte und dabei meine Hand fest hielt. „Was zur...?“, flüsterte ich leise und kraftlos, aber noch laut genug, um die Frau darauf aufmerksam machen zu können. Sie hob ihren Kopf und riss ihre Augen auf, sie war ziemlich hübsch. Ihre stahlblauen Augen waren vom Weinen rot angelaufen und ihr gesamtes Gesicht war tränen befleckt. Erschrocken und gleichzeitig auch glücklich ließ sie meine Hand los und hielt sie sich stattdessen vor den Mund. „Du bist wach“, quietschte sie schon fast. „Du bist wach...“ Und wieder war sie den Tränen nahe.

„Wer sind Sie?“, fragte ich leise.
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